Liebe Leserinnen und Leser,
haOlam.de wird privat betrieben – ohne Verlag, ohne Unterstützung durch Institutionen. Damit wir unsere Arbeit auch 2026 fortführen können, möchten wir bis Jahresende mindestens 6.000 Euro erreichen, ideal wären 10.000 Euro. Jeder Beitrag hilft – auch kleine Beträge machen einen Unterschied.

Saudi-Arabien bittet Trump um Angriffe auf die Huthis, Washington sagt Nein


Mohammed bin Salman soll Donald Trump innerhalb weniger Stunden zweimal um amerikanische Angriffe auf die Huthi Terrororganisation gebeten haben. Washington lehnt direkte Schläge ab, liefert Riad aber Geheimdienstinformationen und Zieldaten. Unterdessen stehen die Huthis direkt am Bab al Mandab.

haOlam-News.de - Nachrichten aus Israel, Deutschland und der Welt.

Saudi-Arabien will die militärische Eskalation mit den vom Iran unterstützten Huthis offenbar nicht mehr allein bewältigen. Kronprinz Mohammed bin Salman telefonierte nach einem Bericht von Axios am Donnerstag zweimal mit US Präsident Donald Trump und drängte ihn zu amerikanischen Luftangriffen auf die Huthi Terrororganisation im Jemen. Trump lehnte ab.

Reuters bestätigte den Axios Bericht unter Berufung auf zwei amerikanische Regierungsvertreter. Demnach plant Washington derzeit keine direkten militärischen Angriffe auf die Huthis. Das Weiße Haus und die saudische Botschaft äußerten sich zunächst nicht offiziell zu den Gesprächen.

Die Absage bedeutet allerdings keineswegs, dass sich die USA aus dem Konflikt heraushalten. Im Gegenteil. Washington verstärkt seine Unterstützung für Saudi-Arabien erheblich. Nach Axios wollen die Vereinigten Staaten Riad Geheimdienstinformationen über die Huthis sowie konkrete Daten für die Zielerfassung zur Verfügung stellen. Rund 200 amerikanische Militärangehörige befinden sich dem Bericht zufolge bereits in Saudi-Arabien und leisten Unterstützung außerhalb unmittelbarer Kampfhandlungen.

CENTCOM Kommandeur Admiral Brad Cooper reiste am Donnerstag ebenfalls nach Saudi-Arabien, um die militärische Koordination zu verstärken.

Damit zeichnet sich eine klare amerikanische Linie ab: Saudi-Arabien soll die Huthis militärisch bekämpfen können, Washington hilft beim Sehen und Zielen, will die Bomben derzeit aber nicht selbst werfen.

Trump zieht eine Grenze, während die Huthis vorrücken

Der Zeitpunkt könnte kaum kritischer sein. Noch am Donnerstag nahmen die Huthis die strategisch wichtige Hafenstadt Mocha an der jemenitischen Küste ein. Am Freitag meldete Reuters unter Berufung auf zwei Quellen der international anerkannten jemenitischen Regierung, dass Huthi Kräfte inzwischen Dhubab erreicht hätten.

Dhubab liegt unmittelbar am Bab al Mandab.

Damit steht die vom Iran unterstützte Terrororganisation nun an einer der wichtigsten Seestraßen der Welt. Das Bab al Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und damit über den Suezkanal Europa mit dem Indischen Ozean. Eine dauerhafte Huthi Präsenz dort würde die Möglichkeiten der Organisation erheblich erweitern, Handelsschiffe und saudische Exportrouten unter Druck zu setzen.

haOlam berichtete bereits am Donnerstag, dass die Einnahme Mochas den strategischen Druck auf das Bab al Mandab massiv erhöht. Einen Tag später ist die Situation bereits weiter eskaliert.

Das hat unmittelbare wirtschaftliche Folgen. Brent Rohöl stieg zeitweise auf fast 110 Dollar je Barrel. Die Preise liegen damit auf dem höchsten Niveau seit Monaten. Neben der Krise an der Straße von Hormus belastet nun eine zweite bedrohte Meerenge den Energiemarkt.

Für Saudi-Arabien ist diese Kombination besonders gefährlich. Riad hat in den vergangenen Monaten mehr Öl über Pipelines zu Häfen am Roten Meer umgeleitet, um die Abhängigkeit von der Straße von Hormus zu reduzieren. Wenn die Huthis gleichzeitig den Zugang zum südlichen Roten Meer bedrohen, gerät auch diese Ausweichroute unter Druck.

haOlam hatte bereits im August auf genau dieses Risiko hingewiesen. Iran kann den Persischen Golf unter Druck setzen, während seine Huthi Verbündeten am anderen Ende der Arabischen Halbinsel den Zugang zum Roten Meer bedrohen.

Aus der damaligen Gefahr ist inzwischen ein akutes militärisches Problem geworden.

73 Verletzte und Raketen auf saudische Städte

Die Huthis beschränken sich längst nicht mehr auf den Kampf innerhalb des Jemen. Saudi-Arabien meldete in den vergangenen Tagen wiederholte Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen auf Khamis Mushait, Abha und Jazan. Nach Angaben der Europäischen Union wurden bei den jüngsten Angriffen 73 Zivilisten verletzt, darunter Frauen und Kinder.

Die saudisch geführte Koalition bezeichnet die Huthis ausdrücklich als terroristische Miliz und kündigte an, Saudi-Arabien werde seine Bevölkerung und Infrastruktur im Rahmen des Selbstverteidigungsrechts schützen. Auch Großbritannien, die Europäische Union, Katar, Bahrain und die Arabische Liga verurteilten die Angriffe.

Der UN Sicherheitsrat trat am Donnerstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Neben den Angriffen auf Saudi-Arabien beschäftigte ihn auch die Einnahme eines weiteren wichtigen Hafens an der Küste des Roten Meeres. Bei dem Huthi Vormarsch wurden nach UN Angaben zudem acht Fahrzeuge der Vereinten Nationen aus einem Hilfszentrum beschlagnahmt.

Dass Mohammed bin Salman nun persönlich Trump um amerikanische Angriffe gebeten haben soll, zeigt, wie ernst Riad die Lage bewertet.

Bemerkenswert ist zugleich die Kehrtwende gegenüber dem Sommer.

Im Juli hatte Trump Saudi-Arabien noch seine Unterstützung für eigene saudische Angriffe auf die Huthis signalisiert. Damals eskalierte der Konflikt nach einem saudischen Angriff auf den Flughafen von Sanaa. Washington wollte Riad unterstützen, ohne selbst erneut tief in den jemenitischen Krieg einzusteigen.

Diese Linie zieht Trump nun offenbar noch schärfer.

Ein hochrangiger Regierungsvertreter erklärte gegenüber Axios, die Vereinigten Staaten konzentrierten sich auf ihre zentralen Sicherheitsinteressen. Dazu gehöre insbesondere die freie Schifffahrt im Roten Meer. Die Bewältigung regionaler Sicherheitsprobleme solle jedoch stärker von den Partnerstaaten selbst übernommen werden.

Das klingt nach Arbeitsteilung.

In der Praxis bedeutet es aber auch, dass Saudi-Arabien einen immer aggressiveren Gegner bekämpfen soll, während dieser Gelände an einer strategischen Meerenge gewinnt und weiterhin Unterstützung aus dem iranischen Netzwerk erhält.

Die Huthis sind keine lokale Guerillagruppe mehr. Sie verfügen über ballistische Raketen, Marschflugkörper, Angriffsdrohnen und Fähigkeiten zur Bekämpfung von Schiffen. Die Vereinten Nationen führen sie wegen Handlungen, die Frieden und Stabilität im Jemen bedrohen, unter einem gezielten Sanktionsregime. Die Vereinigten Staaten haben Ansar Allah erneut als ausländische Terrororganisation eingestuft.

Für Israel ist die Entwicklung ebenfalls von unmittelbarer Bedeutung. Die Huthis haben seit dem Hamas Massaker vom 7. Oktober 2023 immer wieder Raketen und Drohnen auf Israel abgefeuert und versucht, den Hafen von Eilat wirtschaftlich zu isolieren. Jede zusätzliche territoriale Kontrolle am Bab al Mandab verbessert ihre Möglichkeiten, Israels südliche Handelsroute und internationale Schifffahrt zu bedrohen.

Trump will offenbar verhindern, dass die Vereinigten Staaten in einen weiteren großen Krieg auf der Arabischen Halbinsel hineingezogen werden.

Doch der Preis dieser Zurückhaltung könnte steigen.

Saudi-Arabien verlangt bereits amerikanische Angriffe.

Die Huthis kontrollieren Mocha.

Ihre Kräfte stehen nun bei Dhubab direkt am Bab al Mandab.

Und Washington liefert zwar die Augen für den Kampf, überlässt das Schießen aber vorerst seinen Verbündeten.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 11. September 2026

Unterstütze unser Projekt


Newsletter