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Huthis greifen nach Bab al Mandab: Mocha wird zum Schlüssel für Irans Druck auf den Welthandel


Die vom Iran unterstützten Huthis stoßen an der jemenitischen Küste auf eine der wichtigsten Seestraßen der Welt vor. Berichte über den Fall der Hafenstadt Mocha sind noch nicht abschließend bestätigt, doch schon der Vormarsch verändert die strategische Lage am Roten Meer.

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Im Jemen entscheidet sich möglicherweise gerade weit mehr als der Verlauf eines weiteren Abschnitts des seit Jahren andauernden Bürgerkriegs. Die vom Iran unterstützte Huthi-Terrororganisation rückt entlang der Küste des Roten Meeres auf Mocha und weiter in Richtung Bab al Mandab vor. Erste Berichte meldeten am Donnerstagmorgen bereits die Einnahme der Hafenstadt. Die aktuelle Reuters-Berichterstattung formuliert vorsichtiger und spricht von einem Vormarsch auf Mocha und Dhubab sowie von der Gefahr, dass die Huthis ihren Zugriff auf die strategische Meerenge erheblich ausweiten könnten. Der genaue Frontverlauf bleibt deshalb zunächst dynamisch.

An der grundsätzlichen Bedeutung ändert diese Unsicherheit wenig. Mocha liegt an der jemenitischen Westküste unmittelbar nördlich des Bab al Mandab. Wer dort dauerhaft militärische Stellungen kontrolliert, verfügt über bessere Möglichkeiten, Schiffsbewegungen zu beobachten, Raketen und Drohnen einzusetzen und den Verkehr zwischen dem Golf von Aden und dem Roten Meer unter Druck zu setzen.

Genau das haben die Huthis bereits bewiesen. Seit Jahren greifen sie Handelsschiffe mit Raketen, Drohnen und anderen Waffensystemen an. Die Vereinigten Staaten führen Ansar Allah inzwischen erneut als ausländische Terrororganisation. Die UN warnte erst Ende Juli ausdrücklich vor der Wiederaufnahme der Angriffe auf Handelsschiffe und forderte die vollständige Wiederherstellung der Navigationsfreiheit am Bab al Mandab.

Iran bekommt eine zweite maritime Druckzone

Die strategische Brisanz ist in den vergangenen Monaten noch erheblich gewachsen. Der Konflikt um die Straße von Hormus hat einen Teil des internationalen und saudischen Energieverkehrs stärker auf das Rote Meer verlagert. Damit gewinnt Bab al Mandab zusätzlich an Bedeutung.

haOlam berichtete bereits im August, dass Iran über seine Huthi Verbündeten eine zweite zentrale Welthandelsroute unter Druck setzen kann. Was damals vor allem als strategische Drohung erschien, bekommt mit dem Vormarsch an der jemenitischen Westküste eine neue militärische Dimension.

Die Huthis benötigen keine formelle Sperrung der Meerenge, um erheblichen wirtschaftlichen Schaden anzurichten. Bereits die glaubhafte Gefahr weiterer Raketenangriffe kann Reedereien dazu bringen, Schiffe umzuleiten. Versicherungsprämien steigen, Transportzeiten verlängern sich und der Weg um das Kap der Guten Hoffnung wird für Unternehmen wieder attraktiver.

Für Teheran wäre das ein erheblicher strategischer Gewinn. Irans regionale Stellung hat durch die schweren Rückschläge seiner Verbündeten in Gaza, im Libanon und in Syrien gelitten. Die Huthis gehören jedoch weiterhin zu den militärisch stärksten Teilen des iranischen Netzwerks. Sie verfügen über ballistische Raketen, Drohnen und Waffen gegen Schiffe und haben wiederholt sowohl Israel als auch Saudi-Arabien angegriffen.

Die Entwicklung am Bab al Mandab zeigt deshalb, warum die Huthis für Iran besonders wertvoll sind. Teheran muss dort keine eigenen Soldaten stationieren. Eine verbündete Terrororganisation kann internationalen Handel bedrohen, Saudi-Arabien unter Druck setzen und gleichzeitig Israels südliche Seewege gefährden.

haOlam hatte bereits Ende August über die zunehmende Eskalation berichtet. Damals war Mocha bereits massiv mit Raketen angegriffen worden. Der Hafen musste seinen kommerziellen Betrieb zeitweise einstellen. Die damaligen Angriffe waren damit offenbar nicht nur Teil einer Kampagne gegen einzelne Ziele, sondern standen in einem größeren Kampf um die Küste und die Zufahrt zum Roten Meer.

Saudi-Arabien gerät wieder direkt unter Beschuss

Gleichzeitig eskaliert der Konflikt mit Saudi-Arabien. Nach Angaben der saudischen Koalition griffen die Huthis am Mittwoch Khamis Mushait, Abha und Jazan mit ballistischen Raketen und Drohnen an. Riad bezeichnete die Angriffe ausdrücklich als terroristische Attacken auf zivile und nationale Infrastruktur und kündigte eine Reaktion im Rahmen des Selbstverteidigungsrechts an.

Bei den jüngsten Angriffen auf Saudi-Arabien wurden nach saudischen Angaben mindestens 73 Menschen verletzt. Betroffen waren auch zivile und wirtschaftlich bedeutende Einrichtungen. Die saudischen Behörden lösten wiederholt Warnungen in Khamis Mushait aus.

Damit wird auch ein weiteres regionales Bündnis erstmals ernsthaft getestet. Saudi-Arabien, Pakistan und die Türkei haben erst vor kurzem ein gemeinsames Verteidigungsabkommen geschlossen. Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif erklärte nun, eine nicht provozierte Aggression gegen Saudi-Arabien könne die Vereinbarung aktivieren. Ob Ankara und Islamabad tatsächlich militärisch eingreifen würden, ist jedoch offen.

Für Israel ist die Entwicklung gleich aus mehreren Gründen relevant. Die Huthis haben seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 wiederholt Raketen und Drohnen auf Israel abgefeuert. Sie haben versucht, den Hafen von Eilat wirtschaftlich zu isolieren und präsentieren ihre Angriffe offen als Teil des iranischen Kampfes gegen den jüdischen Staat.

Gleichzeitig betrifft eine Huthi Dominanz am Bab al Mandab nicht nur Israel. Die Route verbindet den Indischen Ozean über das Rote Meer und den Suezkanal mit Europa. Eine dauerhafte Bedrohung dort trifft Energieversorgung, Containerverkehr und Lieferketten weit außerhalb des Nahen Ostens.

Der UN Sondergesandte Hans Grundberg warnte am 7. September vor einer Rückkehr zum großflächigen Krieg im Jemen. Die jüngsten Huthi Angriffe hätten an mehreren Fronten schwere Kämpfe ausgelöst. Schon im August hatte Grundberg erklärt, das Risiko eines umfassenden Konflikts sei so hoch wie seit der Waffenruhe von 2022 nicht mehr.

Die Ereignisse der vergangenen Tage bestätigen diese Warnung.

Noch ist nicht abschließend geklärt, ob die Huthis Mocha vollständig unter ihre Kontrolle gebracht haben. Sicher ist jedoch, dass sie erheblich näher an eine Position herangerückt sind, von der aus sie den Bab al Mandab noch stärker bedrohen können.

Das ist die eigentliche Nachricht.

Iran steht am Persischen Golf an der Straße von Hormus unter enormem militärischem Druck. Gleichzeitig gewinnt sein wichtigster verbliebener arabischer Verbündeter am anderen Ende der Arabischen Halbinsel Gelände an einer zweiten entscheidenden Meerenge.

Sollten die Huthis ihren Vormarsch dauerhaft sichern, könnte Teheran trotz eigener Schwächung genau dort neue strategische Macht gewinnen.

Nicht durch eine iranische Flotte.

Sondern durch eine Terrororganisation im Jemen.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 10. September 2026

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