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Saudi-Arabien rüstet zum Krieg gegen Irans Huthis


Riad verlegt Truppen für einen möglichen Angriff im Jemen und baut eine internationale Seekoalition auf. Nach der Blockade von Hormus bedrohen die Huthis nun auch Saudi-Arabiens letzte große Ausfuhrroute für Erdöl.

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Saudi-Arabien hat jahrelang versucht, einen neuen Krieg im Jemen zu vermeiden. Riad führte Gespräche, machte Zugeständnisse und hielt trotz wiederholter Drohungen an der Hoffnung fest, die vom Iran unterstützten Huthis ließen sich durch Diplomatie ruhigstellen. Nun steht das Königreich offenbar vor der Erkenntnis, die Israel seit Jahren gegenüber Teherans Terrornetz vertritt: Wer eine bewaffnete Organisation durch Nachsicht erhalten will, verschiebt den nächsten Krieg nur auf einen gefährlicheren Zeitpunkt.

Nach Informationen des britischen Guardian bereiten saudische Kräfte eine größere militärische Operation gegen die Huthis vor. Jemenitische Quellen berichten von Truppenbewegungen, die auf einen möglichen Angriff in der Provinz al-Bayda im Zentrum des Landes hindeuten. Saudische Einheiten sollen aus dem Osten des Jemen abgezogen und für einen neuen Einsatz zusammengeführt worden sein. Eine offizielle Bestätigung einer bevorstehenden Bodenoffensive liegt bislang nicht vor. Die beobachteten Bewegungen fallen jedoch mit dem Aufbau einer internationalen Seestreitmacht und einer Serie huthischer Angriffe auf saudische Ziele zusammen.

Al-Bayda wäre kein zufällig gewähltes Ziel. Die Huthis eroberten weite Teile der Provinz in den Jahren 2020 und 2021. Das Gebiet liegt zwischen mehreren wichtigen Fronten und verbindet die huthisch kontrollierten Regionen im Norden mit Verkehrswegen in Richtung Süden. Ein erfolgreicher Angriff dort könnte ihre Bewegungsfreiheit einschränken, Versorgungswege unterbrechen und den Druck auf die von der international anerkannten jemenitischen Regierung gehaltenen Gebiete verringern. Noch ist allerdings unklar, welche jemenitischen Verbände an einer solchen Operation teilnehmen würden und ob Riad tatsächlich bereit ist, nach Jahren relativer Ruhe wieder eigene Bodentruppen in größerem Umfang einzusetzen.

Der Grund für die saudische Ungeduld liegt auf See. Die Huthis verkündeten am 20. Juli eine Blockade gegen saudische Schiffe im Roten Meer und beanspruchen damit faktisch die Macht, über den Zugang zu einem der wichtigsten Handelswege der Welt zu entscheiden. Seitdem bekannten sie sich zu Angriffen auf saudische Tanker und auf Anlagen, die Erdöl aus den Fördergebieten im Osten des Königreichs zum Hafen von Yanbu transportieren. Die Huthis behaupten, damit auf saudische Maßnahmen gegen den Jemen zu reagieren. Tatsächlich setzen sie dieselbe Methode ein wie ihr iranischer Geldgeber: Internationale Wasserstraßen werden zur Waffe, zivile Schiffe zu Geiseln und die Energieversorgung anderer Staaten zum politischen Druckmittel.

Teherans Zangenangriff auf den Welthandel

Für Saudi-Arabien ist die Bedrohung besonders gefährlich, weil Iran zugleich den Verkehr durch die Straße von Hormus weitgehend lahmgelegt hat. Vor Beginn des Krieges wurden nach Angaben des Guardian bis zu 80 Prozent der saudischen Rohölausfuhren durch Hormus verschifft. Um diese Sperre zu umgehen, leitet das Königreich inzwischen mehr als die Hälfte seines Erdöls über Pipelines zu den Häfen am Roten Meer. Wenn die Huthis nun auch diesen Weg angreifen oder unbrauchbar machen, wird aus zwei geografisch getrennten Krisen ein gemeinsamer Würgegriff um Saudi-Arabiens Wirtschaft.

Genau darin zeigt sich die Arbeitsteilung innerhalb der iranischen Terrorachse. Iran bedroht den Persischen Golf und Hormus. Die Huthis greifen nach Bab al-Mandab und dem südlichen Roten Meer. Proiranische Milizen im Irak nutzen das Land als Ausgangspunkt für Drohnenangriffe auf saudische Energieanlagen. Nach Einschätzungen Saudi-Arabiens und weiterer Staaten waren Huthi-Mitglieder sogar an Angriffen aus dem Irak beteiligt. Zwei regionale Vertreter erklärten, die Operationen seien gemeinsam mit irakischen Milizen und unter Aufsicht der iranischen Revolutionsgarden durchgeführt worden. Die beteiligten Regierungen und Organisationen bestätigten diese Darstellung nicht öffentlich, doch sie passt zu den seit Jahren bekannten Verbindungen zwischen den Huthis und irakischen Gruppen wie Kataib Hisbollah.

Saudi-Arabien antwortete bereits gemeinsam mit den Vereinigten Staaten auf Angriffe aus dem Irak. Nun versucht Riad, auch die Bedrohung auf See nicht mehr allein abzuwehren. Das saudische Verteidigungsministerium stellte am Donnerstag den Plan für eine multinationale Koalition zum Schutz des Roten Meeres, der Meerenge Bab al-Mandab und des Golfs von Aden vor. Vertreter aus 43 Staaten sowie der Europäischen Union nahmen an den Beratungen teil. Vierzehn Länder, darunter die Türkei, Pakistan, Ägypten, Sudan und Dschibuti, unterstützten eine gemeinsame Erklärung zugunsten des Vorhabens. Das bedeutet noch nicht, dass bereits eine vollständig einsatzfähige Flotte gegründet wurde. Es zeigt aber, dass die Huthis mit ihren Angriffen weit mehr Staaten gegen sich aufbringen als nur Saudi-Arabien.

Riad soll außerdem die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien um Beteiligung gebeten haben. Die Europäische Union unterhält mit der Operation Aspides bereits eine Schutzmission im Roten Meer. Die neue saudische Initiative soll jedoch stärker von den unmittelbar betroffenen Staaten der Region getragen werden. Auffällig ist, dass Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate die Erklärung der 14 Staaten zunächst nicht mittrugen. Gerade die Emirate verfolgen im Jemen eigene Interessen und unterstützen andere örtliche Kräfte als Saudi-Arabien. Eine gemeinsame Front gegen die Huthis bleibt deshalb militärisch und politisch schwieriger, als die große Zahl der Unterstützer vermuten lässt.

Saudi-Arabien wollte keinen Krieg – die Huthis lassen ihm kaum eine Wahl

Der saudische Verteidigungsminister Khalid bin Salman reiste nach Washington und sprach mit Präsident Donald Trump und Vizepräsident JD Vance über das weitere Vorgehen. Riad betont weiterhin, keinen umfassenden Krieg mit Iran anzustreben. Nach Berichten über das Gespräch stellte die saudische Seite ihre Position sogar ausdrücklich der israelischen Linie gegenüber und erklärte, auf eine diplomatische Beruhigung hinzuarbeiten. Doch diese angebliche Distanz zu Israel verliert an Überzeugungskraft, wenn Saudi-Arabien gleichzeitig iranische Milizen im Irak bombardiert, eine Seekoalition aufbaut und Truppen für einen möglichen Angriff im Jemen zusammenzieht.

Der Unterschied liegt weniger im Erkennen der Gefahr als in der Sprache darüber. Israel sagt offen, dass das iranische Netz militärisch zerschlagen werden muss. Saudi-Arabien spricht lieber von Selbstverteidigung, Abschreckung und begrenzten Maßnahmen. In der Wirklichkeit treffen beide Staaten jedoch auf denselben Gegner: eine iranische Strategie, bei der Terrororganisationen fremde Länder angreifen, während Teheran jede Verantwortung abstreitet und gleichzeitig politische Zugeständnisse verlangt.

Die Huthis sind dabei keine kleine jemenitische Protestbewegung. Sie kontrollieren die Hauptstadt Sanaa, große Teile des Nordens und einen erheblichen Abschnitt der Küste am Roten Meer. Sie verfügen über ballistische Raketen, Marschflugkörper, Drohnen, Sprengboote und Seeminen. Ihre Parole ruft offen zum Tod Amerikas und Israels sowie zum Fluch über die Juden auf. Seit dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 haben sie Israel wiederholt angegriffen und zivile Handelsschiffe bedroht. Nun richten sie ihre Waffen verstärkt gegen Saudi-Arabien und versuchen, dem Königreich Bedingungen für seine eigenen Erdölausfuhren aufzuzwingen.

Eine neue saudische Offensive wäre dennoch kein einfacher Feldzug. Die Militärintervention, die 2015 begann, konnte die Huthis trotz jahrelanger Luftangriffe nicht besiegen. Der Krieg kostete unzählige Menschen das Leben, zerstörte große Teile des ohnehin armen Landes und beschädigte Saudi-Arabiens Ansehen. Die Huthis gingen aus dieser Zeit nicht gebrochen, sondern militärisch erfahrener und technisch besser ausgerüstet hervor. Seit der Waffenruhe von 2022 vermied Riad deshalb eine Rückkehr zu großen Kämpfen. Beobachter sprechen nun von den ernstesten Kriegsvorbereitungen seit diesem Zeitpunkt.

Gerade deshalb wäre eine halbherzige Operation gefährlich. Einige Luftangriffe oder ein begrenzter Vorstoß könnten die Huthis provozieren, ohne ihre Raketen-, Drohnen- und Küstenfähigkeiten entscheidend zu schwächen. Eine wirksame Strategie müsste ihre Abschussanlagen, Waffenlager, Kommandozentren und Verbindungen zu den Revolutionsgarden treffen. Gleichzeitig müssten die international anerkannten Kräfte im Jemen in die Lage versetzt werden, eroberte Gebiete dauerhaft zu halten. Andernfalls würde Riad erneut hohe Kosten tragen, während die Huthis nur auf den nächsten günstigen Augenblick warten.

Israel hat keinen Grund, Saudi-Arabiens Politik schönzureden. Riad verweigert weiterhin die Normalisierung, grenzt sich öffentlich von Jerusalem ab und versucht, seine eigenen Beziehungen zu Washington durch Kritik an israelischen Entscheidungen zu schützen. Doch wenn saudische Streitkräfte tatsächlich gegen die Huthis vorgehen, richtet sich dieser Kampf gegen einen gemeinsamen Feind. Jede zerstörte Raketenstellung im Jemen, jede unterbrochene iranische Waffenlieferung und jede gesicherte Schifffahrtsroute schützt auch Israel.

Saudi-Arabien wollte den Krieg mit Teherans Terrorachse vermeiden. Nun bedrohen die Huthis seine Tanker, seine Raffinerien und seine wirtschaftliche Lebensader. Die Entscheidung wird Riad deshalb nicht mehr allein in diplomatischen Sitzungsräumen treffen können. Iran hat den Konflikt längst an beide Küsten der Arabischen Halbinsel getragen.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 1. August 2026

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