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Trump droht mit US Kontrolle über Hormus, während Teheran an Urananreicherung festhält


In der Schweiz verhandeln die USA, Iran, Pakistan und Katar. Doch Teheran gibt in der Atomfrage nicht nach und macht den Libanon zur Bedingung.

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Die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran haben am Sonntag in der Schweiz begonnen. Doch wer darin bereits den Beginn einer stabilen Friedensordnung sieht, sollte genauer hinschauen. Fast zeitgleich mit dem Start des Vierer-Treffens zwischen Iran, den USA, Pakistan und Katar drohte US-Präsident Donald Trump, Washington könne die Straße von Hormus übernehmen, falls Teheran den wichtigsten Ölweg der Region tatsächlich schließe. Der Satz ist mehr als eine weitere laute Formulierung aus dem Weißen Haus. Er zeigt, wie brüchig das gesamte Konstrukt ist, das nun als diplomatischer Durchbruch verkauft werden soll.

Nach dem aktuellen N12-Livebericht sagte Trump in einem Interview mit Fox News, die USA müssten Hormus möglicherweise unter Kontrolle bringen, wenn Iran versuche, die Meerenge zu schließen. Er verwies auf die Bedeutung der Wasserstraße für rund ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung und erklärte, er habe iranische Vertreter gewarnt, dass sie bei einer Schließung des Seewegs am Ende „kein Land“ mehr hätten. Solche Worte klingen hart. Doch sie verdecken nicht das eigentliche Problem: Teheran sitzt in der Schweiz nicht als geschlagener Bittsteller am Tisch, sondern als Regime, das bereits wieder Bedingungen stellt.

Der neue Stand macht das deutlich. In Bürgenstock bei Luzern treffen amerikanische Unterhändler unter Führung von Vizepräsident JD Vance auf eine iranische Delegation, zu der Außenminister Abbas Araghtschi und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf gehören. Pakistan und Katar treten als Vermittler auf. Vance sprach nach Angaben von N12 von „großen Fortschritten“ in den vergangenen Stunden und sagte, es gehe darum, mit Diplomatie den Nahen Osten zu verändern. Der Ton ist optimistisch. Die Fakten sind es weniger.

Denn während Pakistans Außenminister Ishaq Dar in einem Interview mit Al-Arabiya behauptete, es gebe bereits eine Einigung über eine Verringerung des Anreicherungsgrades der iranischen Uranbestände, erklärte Irans Präsident Massud Peseschkian fast im selben Atemzug das Gegenteil der erhofften Entwarnung. Iran werde „niemals“ auf sein Recht zur Urananreicherung verzichten, sagte er laut N12. Die Gegenseite werde keine Wahl haben, als dies zu akzeptieren. Zugleich stellte er die iranischen ballistischen Raketen als legitimes Recht dar und erklärte, die Spielregeln hätten sich geändert.

Genau darin liegt der gefährliche Kern dieses Schweizer Treffens. Es geht nicht nur um technische Details, nicht nur um Inspektionen, Ölfreigaben oder eingefrorene Gelder. Es geht darum, ob ein Regime, das Israel offen bedroht, die Hisbollah stützt, den regionalen Stellvertreterkrieg angeheizt hat und über Jahre sein Atomprogramm vorangetrieben hat, am Ende für sein Durchhalten belohnt wird. Wenn Teheran weiter an Urananreicherung festhält, wenn Raketen aus den Verhandlungen herausgehalten werden und wenn zugleich Milliarden an eingefrorenen Geldern in Aussicht stehen, dann entsteht nicht Stabilität, sondern eine Pause, in der Iran neue Kraft sammeln kann.

Für Israel ist das keine abstrakte Debatte. Der Iran-Krieg 2026 hat gezeigt, dass die Bedrohung nicht theoretisch ist. Raketen, Drohnen, Hisbollah-Stellungen im Libanon, Huthi-Angriffe, Druck auf Hormus und die nukleare Frage gehören zusammen. Es ist deshalb gefährlich, wenn westliche Diplomatie diese Felder künstlich trennt. Wer nur über die Höhe der Urananreicherung spricht, aber die Stellvertreterfronten ausblendet, verhandelt am eigentlichen Sicherheitsproblem vorbei.

Besonders deutlich wird das am Libanon. Iran macht die dortige Waffenruhe zu einem zentralen Thema der Gespräche. Nach Angaben von N12 erklärte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, die USA hätten es nicht geschafft, die Waffenruhe im Libanon sicherzustellen. Auch AP und Axios berichten, dass Teheran die Umsetzung des Abkommens mit der Lage im Libanon verbindet und dass die Gespräche nicht nur das Atomprogramm, sondern auch die Hisbollah-Front betreffen. Damit versucht Iran, den Druck umzulenken: Nicht die Hisbollah, die seit Jahren den Süden Libanons militarisiert, soll im Mittelpunkt stehen, sondern Israels Reaktion auf eine fortgesetzte Bedrohung.

Das ist aus israelischer Sicht nicht hinnehmbar. Kein Staat der Welt würde seinen Bürgern erklären, er müsse Raketenstellungen, Drohnenangriffe, Tunnel, Sprengfallen und bewaffnete Vorposten an seiner Grenze dulden, weil irgendwo ein diplomatisches Papier unterschrieben wurde. Wer von Israel Zurückhaltung verlangt, muss dieselbe Frage an seinen eigenen Staat richten: Würde er akzeptieren, dass seine Städte und Familien unter der Drohung einer bewaffneten Terrororganisation leben, nur damit eine internationale Vereinbarung auf dem Papier ungestört bleibt?

Die amerikanische Seite versucht erkennbar, den Prozess zusammenzuhalten. Vance spricht von Fortschritt, technische Gruppen sollen nach Angaben Katars an den Details eines endgültigen Abkommens arbeiten, und das Ziel bleibt ein belastbares Ergebnis innerhalb einer 60-Tage-Frist. Doch die ersten Stunden in der Schweiz zeigen bereits, wie groß der Abstand zwischen diplomatischer Sprache und strategischer Wirklichkeit ist. Washington will eine Einigung. Teheran will Anreicherung, Raketen, Geld, Öl und Einfluss im Libanon. Diese beiden Ziele lassen sich nur dann vereinbaren, wenn eine Seite den Preis der Beschwichtigung zahlt.

Für Israel wäre ein solches Ergebnis gefährlich. Ein Abkommen, das Iran wirtschaftlich entlastet, seine nuklearen Fähigkeiten nur begrenzt zurückdrängt und seine Stellvertreter nicht konsequent entwaffnet, würde den nächsten Konflikt nicht verhindern. Es würde ihn vorbereiten. Genau deshalb muss Jerusalem jeden Satz aus der Schweiz mit äußerster Skepsis lesen.

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob es in Bürgenstock schöne Bilder, optimistische Erklärungen und technische Arbeitsgruppen gibt. Die entscheidende Frage lautet, was Iran am Ende tatsächlich aufgibt. Bis jetzt klingt Teheran nicht wie ein Regime, das seine gefährlichsten Werkzeuge aus der Hand legt. Es klingt wie ein Regime, das nach schweren Schlägen wieder Zeit, Geld und politische Anerkennung gewinnen will.

Wenn Trump nun mit einer möglichen US-Kontrolle über Hormus droht, zeigt das vor allem eines: Selbst Washington traut der eigenen Vereinbarung offenbar nicht genug, um auf Drohungen zu verzichten. Das ist kein Zeichen von Stärke eines Abkommens. Es ist ein Warnsignal.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 21. Juni 2026

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