Trump belohnt Erdogan, obwohl er ihn selbst als mögliches Iran Risiko beschreibt
Trump sagt offen, Erdogan hätte im Iran Krieg auf Teherans Seite stehen können. Trotzdem stellt Washington der Türkei neue Kampfjet Zugeständnisse in Aussicht. Für Israel ist das ein gefährliches Signal.

Donald Trump hat in Washington einen Satz gesagt, der in Jerusalem nicht überhört werden darf. Der amerikanische Präsident erklärte, Recep Tayyip Erdogan sei während des Iran Krieges 2026 ein naheliegender Kandidat gewesen, sich einzumischen, „maybe on the Iran side“, also womöglich auf der Seite Irans. Der Grund, so Trump: Erdogan sei kein großer Freund Israels. Dann folgte die zweite Botschaft: Er habe Erdogan gebeten, sich herauszuhalten, und Erdogan habe es getan.
Das klingt in Trumps Sprache wie ein Erfolg persönlicher Diplomatie. Für Israel klingt es wie eine Warnung. Wenn ein NATO Mitglied in einem Krieg gegen das iranische Regime aus Sicht des US Präsidenten überhaupt als möglicher Helfer Teherans denkbar war, darf es danach nicht einfach als verlässlicher Partner behandelt werden, nur weil es diesmal stillgehalten hat.
Besonders problematisch ist der Zeitpunkt. Fast gleichzeitig stellte Trump der Türkei neue militärische Zugeständnisse in Aussicht. Auf die Frage nach Kampfjets und Triebwerken sagte er, er werde wahrscheinlich etwas tun, das Ankara „sehr glücklich“ machen werde. Vizepräsident JD Vance bestätigte zudem, dass geprüft werde, wie die USA der Türkei möglicherweise wieder F-35 Kampfjets liefern könnten, obwohl Ankara 2019 wegen des Kaufs des russischen S-400 Luftabwehrsystems aus dem F-35 Programm gedrängt wurde.
Das ist kein technischer Streit über Rüstungsexporte. Es geht um strategisches Vertrauen. Die F-35 ist kein normales Flugzeug, sondern ein Schlüssel westlicher Luftüberlegenheit. Wer sie an Ankara liefern will, muss erklären, warum ausgerechnet eine Führung, die Israel seit Jahren scharf angreift, Hamas politisch schont und im Iran Krieg laut Trump womöglich auf der falschen Seite hätte stehen können, nun militärisch aufgewertet werden soll.
Für Israel liegt die Gefahr nicht nur in türkischer Rhetorik. Erdogan versucht seit Jahren, die Türkei als eigenständige Macht zwischen NATO, Russland, Iran, arabischer Welt und Europa zu positionieren. Mal nutzt er die NATO Mitgliedschaft, mal demonstriert er Nähe zu Moskau, mal spielt er sich als Schutzmacht islamistischer Strömungen auf. Wer diese Politik mit moderner amerikanischer Hochtechnologie belohnt, sendet eine einfache Botschaft: Nicht Verlässlichkeit zählt, sondern Verhandlungsmacht.
Trump sieht Erdogan offenbar als Mann, mit dem er persönlich Geschäfte machen kann. Das mag in einzelnen Momenten funktionieren. Doch Sicherheitspolitik darf nicht auf Sympathie beruhen. Sie muss fragen, was ein Staat tut, wenn der nächste Krieg kommt, wenn Israel erneut unter Druck steht, wenn Iran seine Stellvertreter aktiviert und wenn Ankara entscheidet, dass antiisraelische Härte innenpolitisch nützlich ist.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Erdogan diesmal auf Trumps Bitte still blieb. Die Frage lautet, warum ein solcher Mann überhaupt als Risiko in Richtung Iran beschrieben werden konnte und kurz darauf auf amerikanische Belohnung hoffen darf.
Für Israel ist das ein gefährliches Muster. Erst muss Jerusalem sich gegen Iran, Hisbollah, Huthi Kräfte und weitere Fronten behaupten. Dann beginnt Washington wieder, regionale Machtpolitiker einzubinden, deren Haltung zu Israel im Ernstfall fragwürdig bleibt. Genau so entstehen jene Grauzonen, in denen Israels Sicherheit zur Verhandlungsmasse wird.
Wenn die USA die Türkei wieder an die F-35 heranführen wollen, braucht es harte Bedingungen: vollständige Klärung der S-400 Frage, keine türkische Nähe zu Hamas Strukturen, keine Drohpolitik gegen Israel, Griechenland oder Zypern und keine militärische Aufwertung ohne Rücksicht auf Israels qualitative Überlegenheit.
Alles andere wäre kein diplomatischer Erfolg. Es wäre eine Prämie für ein Risiko, das Trump selbst benannt hat.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 25. Juni 2026