New Yorks Bürgermeister nennt AIPAC „Monster“ und macht Israel zum Feindbild im linken Vorwahlkampf
Zohran Mamdani verschärft den Ton gegen pro israelische Demokraten. Vor den New Yorker Vorwahlen wird AIPAC zum Feindbild erklärt, während Israelkritik zur Eintrittskarte in ein neues linkes Machtbündnis wird.

In New York geht es längst nicht mehr nur um lokale Vorwahlen. Es geht um die Frage, wie weit sich Teile der amerikanischen Linken von Israel entfernen und wie aggressiv sie jene angreifen, die weiterhin an der Partnerschaft mit dem jüdischen Staat festhalten. Der demokratische Sozialist und New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani hat diese Entwicklung nun auf offener Bühne noch einmal verschärft. Bei einer Kundgebung im Kings Theatre in Brooklyn, an der auch Senator Bernie Sanders teilnahm, bezeichnete Mamdani die American Israel Public Affairs Committee, kurz AIPAC, als „Monster“. Die pro israelische Organisation werfe „Millionen in dunklem Geld“ in den Wahlkampf, um pro israelische Kandidaten zu stärken, behauptete er.
Das war kein Nebensatz. Es war der politische Kern einer Rede, die nicht nur gegen eine Lobbyorganisation zielte, sondern gegen ein ganzes Lager innerhalb der Demokratischen Partei. Mamdani stellte AIPAC, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und den Krieg in Gaza in eine gemeinsame Erzählung. Die „Monster“, gegen die man kämpfe, nähmen viele Formen an, sagte er sinngemäß, bevor er AIPAC ausdrücklich nannte. Der Vorwurf war schwer: Für diese Organisation sei nichts beängstigender als Demokratie und ein Ende dessen, was Mamdani als „Genozid“ und „Netanjahus Kriege“ bezeichnete.
Diese Wortwahl ist politisch nicht zufällig. Sie ist Teil einer Strategie, Israelunterstützung nicht mehr als legitime Position in einer demokratischen Debatte zu behandeln, sondern als moralische Verfehlung. Wer AIPAC unterstützt, wer an Israels Sicherheit festhält, wer den Krieg gegen Hamas und andere Terrorstrukturen nicht in das einfache Bild eines israelischen Verbrechens presst, soll nicht mehr nur widerlegt werden. Er soll delegitimiert werden. Aus Gegnern werden „Monster“. Aus politischem Streit wird eine moralische Anklage.
Die Kundgebung war zugleich ein Machtauftritt der neuen linken Bewegung in New York. Mamdani warb für drei Kandidaten, die er in den demokratischen Vorwahlen unterstützt: den früheren New Yorker Rechnungsprüfer Brad Lander, die Abgeordnete Claire Valdez und Darializa Avila Chevalier, eine frühere Organisatorin aus dem Columbia Protestmilieu. Alle drei stehen für eine politische Strömung, die soziale Fragen, Klassenkampf Rhetorik und harte Israelkritik eng miteinander verbindet. Besonders deutlich wurde das bei Mamdanis Lob für Valdez. Während andere Demokraten weggesehen hätten, als Netanjahu Kriegsverbrechen begangen habe, habe sie nicht nur den „Genozid“ benannt, sondern für eine Waffenruhe organisiert, erklärte er.
Damit wird der Konflikt um Israel in den Vereinigten Staaten weiter in den innerparteilichen Machtkampf der Demokraten hineingezogen. Für viele jüdische Wähler ist das beunruhigend. Nicht, weil AIPAC unantastbar wäre. Auch eine pro israelische Lobbyorganisation darf kritisiert werden, gerade wenn es um Geld, Wahlkampf und politische Einflussnahme geht. In einer Demokratie muss über Spenden, Super PACs und Interessenvertretung offen gesprochen werden. Doch es macht einen Unterschied, ob man Finanzierung transparent kritisiert oder ob man eine Organisation, die für die Sicherheit Israels eintritt, in einer aufgeheizten Rede als monströse Kraft beschreibt.
Genau hier liegt das Problem. Mamdani bedient eine Sprache, die zwar formal auf eine Organisation zielt, politisch aber weit darüber hinauswirkt. AIPAC ist für viele amerikanische Juden nicht irgendein abstraktes Machtzentrum, sondern Teil eines politischen Umfelds, in dem Israel als Schutzraum und Bündnispartner verteidigt wird. Wer diese Organisation zur Verkörperung dunkler, zerstörerischer Macht erklärt, bewegt sich auf gefährlichem Gelände. Nicht jede scharfe Israelkritik ist Antisemitismus. Aber wer jüdische und pro israelische Einflussnahme pauschal als finstere Macht beschreibt, muss sich fragen lassen, welche Bilder er damit in Umlauf bringt.
Bernie Sanders setzte in Brooklyn einen ähnlichen Akzent. Auch er griff AIPAC an und erklärte, ein großer Teil der amerikanischen Außenpolitik werde von AIPAC Finanzierung beeinflusst. Sanders spricht seit Jahren gegen die israelische Regierungspolitik und gegen militärische Unterstützung für Israel. Doch der Auftritt neben Mamdani zeigte, dass diese Kritik inzwischen ein Mobilisierungsmittel für innerdemokratische Vorwahlen geworden ist. Israel ist nicht mehr nur außenpolitisches Thema. Israel ist ein Erkennungszeichen geworden: Wer hart genug gegen Israel spricht, beweist in diesem Milieu politische Reinheit.
Dass Mamdani anschließend versuchte, einen Ton der Einheit anzuschlagen, ändert daran wenig. Er sprach jüdische Wähler ausdrücklich an, erwähnte Synagoge, Moschee, Kirche, Gurdwara und Tempel und erklärte, New Yorker wollten im Kern dasselbe: eine Stadt, die allen gehöre. Doch diese versöhnliche Passage steht im scharfen Gegensatz zur vorausgehenden Feindbildrede. Man kann nicht erst eine pro israelische Organisation als „Monster“ bezeichnen und dann so tun, als sei damit lediglich eine nüchterne Kritik an Wahlkampffinanzierung gemeint.
Natürlich gibt es eine reale Debatte über AIPACs Rolle. Die Organisation hat seit 2021 eigene politische Strukturen aufgebaut, darunter ein politisches Aktionskomitee und das Super PAC United Democracy Project. Dieses Super PAC ist bei der amerikanischen Wahlaufsicht registriert. Es gibt zugleich Berichte, wonach pro israelische Geldgeber und verbundene Gruppen in mehreren Vorwahlen indirekt Einfluss nehmen. In New York wurde aktuell berichtet, dass United Democracy Project im vergangenen Monat 650000 Dollar an BOLD America gegeben habe, ein Super PAC, das Millionen ausgegeben haben soll, um Darializa Avila Chevalier zu schwächen und den Amtsinhaber Adriano Espaillat zu stärken. Diese Zahlen gehören in die Debatte. Sie rechtfertigen aber nicht die Entmenschlichung politischer Gegner.
Gerade in New York ist diese Entwicklung besonders heikel. Die Stadt hat eine der größten jüdischen Gemeinschaften der Welt. Sie ist zugleich ein Zentrum progressiver Politik, studentischer Proteste und wachsender Spannungen seit dem Hamas Massaker vom 7. Oktober 2023. Jüdische New Yorker haben in den vergangenen Jahren erlebt, wie schnell Israelhass in Alltagsdruck, Drohungen, Boykottaufrufe und soziale Ausgrenzung umschlagen kann. In einem solchen Klima zählt jedes Wort eines Bürgermeisters. Wer führt, trägt Verantwortung für die Temperatur im Raum.
Mamdani aber erhöht diese Temperatur. Er spricht von Einheit, während er eine politische Organisation, die von vielen Juden als Schutz der amerikanisch israelischen Partnerschaft verstanden wird, als monströs markiert. Er spricht von Demokratie, während er den politischen Einsatz pro israelischer Wähler und Spender moralisch herabsetzt. Er spricht von Hoffnung, während seine eigene Rede jenen Teil der Stadt unter Verdacht stellt, der Israel nicht aufgeben will.
Für Israel ist diese Entwicklung ein Warnsignal. Nicht, weil jede amerikanische Debatte nach Jerusalemer Interessen geführt werden müsste. Sondern weil sich in Teilen der US Linken eine Sicht durchsetzt, in der Israel nicht mehr als bedrohte Demokratie im Nahen Osten erscheint, sondern als Chiffre für Unterdrückung, Krieg und angeblich gekaufte Politik. Dass Hamas am 7. Oktober 2023 ein Massaker verübte, dass israelische Geiseln verschleppt wurden, dass Iran seine Stellvertreter gegen Israel führt, dass die Hisbollah den Norden Israels seit Jahren bedroht, verschwindet in dieser Erzählung zunehmend hinter einem einzigen Vorwurf: Israel sei das Problem.
Das ist politisch bequem und moralisch gefährlich. Es entlastet Terrororganisationen, es verschiebt Verantwortung, und es macht aus jüdischer Selbstverteidigung eine Anklage. Wer Israels Regierung kritisieren will, kann das tun. Wer Netanjahu ablehnt, kann das sagen. Wer amerikanische Wahlkampffinanzierung prüfen will, soll Zahlen, Strukturen und Interessen offenlegen. Aber wer eine pro israelische Organisation als „Monster“ bezeichnet, verlässt den Boden seriöser Kritik und betritt das Feld der Dämonisierung.
Die New Yorker Vorwahlen werden zeigen, wie stark diese Strömung inzwischen ist. Doch unabhängig vom Ergebnis ist schon jetzt klar: Der Konflikt um Israel hat die demokratische Partei in den Vereinigten Staaten tiefer erfasst, als viele lange wahrhaben wollten. Es geht nicht nur um Gaza. Es geht um die Frage, ob jüdische Sicherheit, Israels Existenzrecht und pro israelische Stimmen in der amerikanischen Linken noch als legitimer Teil demokratischer Politik gelten oder ob sie zunehmend als Hindernis einer neuen moralischen Bewegung behandelt werden.
Mamdani hat in Brooklyn eine Antwort gegeben, die jüdische New Yorker und Freunde Israels ernst nehmen müssen. Sie war nicht versöhnlich. Sie war nicht nur scharf. Sie war ein Signal: In diesem linken Machtprojekt ist Israel nicht bloß ein außenpolitischer Streitpunkt. Israel ist das Feindbild, an dem Loyalität gemessen wird.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 20. Juni 2026