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Intifada-Rufe, dann Terror gegen Queers


Zwei getrennte Veranstaltungen, aber ein verstörender politischer Zusammenhang: Während eine Berliner Queer-Demonstration islamistische Kampfbegriffe übernahm, wurden wenig später Menschen am CSD von einem mutmaßlichen Islamisten angegriffen.

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Berlin erlebte am 25. Juli 2026 innerhalb weniger Stunden zwei Ereignisse, die organisatorisch strikt voneinander getrennt werden müssen, politisch jedoch nicht beziehungslos nebeneinanderstehen. Bei der Internationalist Queer Pride zogen rund 7.000 Menschen durch Gesundbrunnen und Wedding. Später am Abend steuerte ein mutmaßlich islamistisch motivierter Täter im Großen Tiergarten ein Fahrzeug in eine Menschengruppe im Umfeld des offiziellen Berliner Christopher Street Day. Eine Frau aus Polen wurde getötet, 29 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Anschließend soll der Angreifer weitere Menschen mit einer Stichwaffe attackiert haben.

Es gibt bislang keinen Hinweis darauf, dass die Organisatoren oder Teilnehmer der Internationalist Queer Pride etwas mit dem Anschlag zu tun hatten. Eine solche Behauptung wäre falsch und verantwortungslos. Doch ebenso verantwortungslos wäre es, den politischen und moralischen Widerspruch zu verschweigen, den dieser Tag sichtbar gemacht hat.

Während queere Menschen in Berlin tatsächlich zum Ziel islamistischer Gewalt wurden, hatten sich wenige Stunden zuvor andere Aktivisten unter queeren Fahnen versammelt und Parolen gerufen, die aus dem Wortschatz des militanten Antizionismus stammen. Aufnahmen des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus dokumentieren Rufe wie „Globalize the Intifada“, „We want 48, we will get 48“ und „Fuck you Germany, viva Palestine“. Daneben wurde nach Angaben der Polizei auch die Parole „From the River to the Sea, Palestine will be free“ skandiert. Nach mehrfachen Warnungen griffen die Beamten ein. Es kam zu Auseinandersetzungen, der Einsatz von Pfefferspray wurde notwendig, ein Medienvertreter wurde angegangen und ein Demonstrant soll versucht haben, Polizisten mit einer Fahnenstange zu schlagen. Insgesamt wurden neun Menschen festgenommen.

„48“ bedeutet nicht Frieden

Die Forderung „We want 48“ ist keine harmlose Verkürzung und kein Ruf nach einer palästinensischen Staatsgründung neben Israel. Sie bezieht sich auf das Jahr 1948, in dem der jüdische Staat gegründet wurde. Wer das gesamte Gebiet von 1948 beansprucht, fordert nicht eine Grenzverschiebung oder einen politischen Ausgleich. Er bestreitet Israel das Recht auf Existenz.

Genau darin liegt die besondere Härte dieser Parole. Sie richtet sich nicht nur gegen eine israelische Regierung, eine militärische Entscheidung oder eine einzelne politische Maßnahme. Sie richtet sich gegen den jüdischen Staat selbst. Dass eine solche Forderung ausgerechnet auf einer Demonstration erhoben wird, die sich Freiheit, Selbstbestimmung und den Schutz von Minderheiten auf die Fahnen schreibt, offenbart einen tiefen moralischen Absturz.

Die Internationalist Queer Pride beschreibt sich selbst als antikolonialistisch, antirassistisch und antikapitalistisch. Ihr Aufruf erklärte, niemand sei frei, solange nicht alle frei seien. Doch diese vermeintlich umfassende Solidarität endete dort, wo jüdische Selbstbestimmung begann. Die Freiheit der Israelis, in einem eigenen Staat zu leben, schien in diesem Weltbild nicht vorzukommen.

Ebenso unsichtbar blieb das Schicksal homosexueller Menschen unter islamistischen Herrschaftssystemen. Die Hamas verfolgt keine Politik der sexuellen Befreiung. Das iranische Regime ist kein Verbündeter queerer Menschen. Islamistische Bewegungen betrachten Homosexualität, geschlechtliche Selbstbestimmung und offene Abweichung von religiösen Vorschriften nicht als schützenswerte Freiheit, sondern als Vergehen.

Trotzdem wurden auf Berliner Straßen Begriffe aus genau jenem ideologischen Umfeld mit Regenbogenfarben, queerfeministischen Zeichen und der Sprache gesellschaftlicher Befreiung verbunden. Ausgerechnet eine Bewegung, die wissen müsste, was Ausgrenzung und Bedrohung bedeuten, bot dem Hass auf Israel eine Bühne.

Die Wirklichkeit antwortete wenige Stunden später

Gegen 22 Uhr traf die Gewalt den offiziellen Berliner CSD. Der Täter soll im Tiergarten Menschen mit einem Fahrzeug angefahren und anschließend weitere Passanten mit einer Stichwaffe verletzt haben. Die Veranstaltung am Brandenburger Tor wurde gegen 22.15 Uhr abgebrochen. Hunderttausende Menschen waren zuvor friedlich durch Berlin gezogen.

Der 21-jährige Tatverdächtige war den Behörden bereits als Islamist bekannt. Er soll versucht haben, sich der Terrororganisation Islamischer Staat anzuschließen, und war im Mai nach Jugendstrafrecht verurteilt worden. Unter Berücksichtigung seiner Untersuchungshaft kam er auf sogenannte Vorbewährung frei. Am folgenden Tag wurde er in einer Spandauer Gartenkolonie von Spezialkräften gestellt. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft griff er die Beamten mit einer Stichwaffe an. Die Polizisten schossen, der Mann starb noch am Ort.

Die Internationalist Queer Pride hat diesen Anschlag nicht verursacht. Ihre Teilnehmer tragen keine Verantwortung für die Tat eines Islamisten. Aber ihre Parolen stehen für eine politische Blindheit, deren Folgen an diesem Abend nicht mehr abstrakt waren.

Wer eine „globale Intifada“ fordert, kann nicht glaubwürdig so tun, als bezeichne er lediglich friedlichen Protest. Der Begriff ist mit einer Geschichte von Bombenanschlägen, Messerangriffen, Schusswaffen und gezielter Gewalt gegen israelische Zivilisten verbunden. Ihn in Berlin als Befreiungsruf zu verbreiten, bedeutet, diese Geschichte auszulöschen oder bewusst in Kauf zu nehmen.

Noch unerträglicher wird der Widerspruch, wenn solche Parolen von Menschen gerufen werden, die sich als Vertreter sexueller und geschlechtlicher Freiheit verstehen. Denn der Islamismus, der Israel und Juden bekämpft, lässt sich nicht in einen fortschrittlichen und einen queerfeindlichen Teil zerlegen. Seine Verachtung richtet sich gegen die offene Gesellschaft insgesamt, gegen Juden, gegen Frauenrechte, gegen Homosexuelle und gegen jeden Menschen, der sich religiöser Herrschaft nicht unterwirft.

In Berlin wurde dieser Zusammenhang auf grausame Weise sichtbar. Am Nachmittag wurde die Sprache der Intifada als Ausdruck angeblicher Befreiung gefeiert. Am Abend traf mutmaßlich islamistische Gewalt eine Veranstaltung, die für die Freiheit queerer Menschen stand.

Daraus folgt keine gemeinsame Schuld. Daraus folgt aber eine zwingende politische Frage: Wie lange will ein Teil der queerfeministischen Bewegung noch jene Ideologien verharmlosen, die queere Menschen nicht schützen, sondern verfolgen?

Der offizielle Berliner CSD und die Internationalist Queer Pride waren zwei getrennte Veranstaltungen mit unterschiedlichen Organisatoren, Routen und politischen Ausrichtungen. Diese Trennung muss genannt werden, weil Genauigkeit gerade nach einem Anschlag unverzichtbar ist. Doch Genauigkeit darf nicht zum Vorwand werden, um den offensichtlichen Widerspruch zu verschweigen.

Queere Freiheit ist nicht teilbar. Sie kann nicht in Berlin eingefordert und in Gaza, Teheran oder anderen islamistisch beherrschten Gebieten ausgeblendet werden. Wer Menschenrechte nur dann verteidigt, wenn sie in das eigene politische Weltbild passen, verteidigt keine Menschenrechte. Er benutzt sie.

Der Berliner 25. Juli war deshalb mehr als ein Tag zweier verschiedener Veranstaltungen. Er war ein Tag, an dem sich eine politische Selbsttäuschung entlarvte. Islamistische Ideologie wird nicht menschenfreundlich, weil sie unter einer Regenbogenfahne beklatscht wird. Antisemitischer Antizionismus wird nicht fortschrittlich, weil er sich queerfeministisch nennt. Und die Forderung nach dem Ende Israels wird nicht zu einem Ruf nach Frieden, nur weil sie auf einer Pride-Demonstration erhoben wird.

Wer nach dem Anschlag wirklich an der Seite queerer Menschen stehen will, muss den Islamismus klar benennen. Er muss zugleich dem Rechtsextremismus entgegentreten, ohne die eine Gefahr gegen die andere auszuspielen. Vor allem aber muss er aufhören, den Hass auf Israel als Befreiungsideologie zu verklären.

Autor: Samuel Benning

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 28. Juli 2026

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