Nach Mordversuch wegen Israel-Anstecker: Schuster kommt zu Kundgebung gegen Judenhass in Würzburg
Fünf Tage nach dem antisemitischen Angriff von Höchberg setzen jüdische Organisationen und Unterstützer in Würzburg ein Zeichen. Zentralratspräsident Josef Schuster will deutlich machen, dass israelfeindlicher Hass nicht bei Worten stehen bleibt.

Fünf Tage nach dem mutmaßlich antisemitischen Mordversuch auf ein Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft findet in Würzburg eine Kundgebung gegen Judenhass statt. Aufgerufen hat die DIG Würzburg, deren schwer verletztes Mitglied am Montag in Höchberg angegriffen worden war. Auch Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, wird an der Demonstration teilnehmen.
Die Kundgebung soll am Freitag um 17 Uhr auf dem Unteren Markt in Würzburg beginnen. Sie ist nicht nur als Zeichen der Solidarität mit dem Opfer gedacht, sondern auch als klare Antwort auf einen Hass, der nach Einschätzung jüdischer Vertreter in Deutschland immer offener und gewalttätiger auftritt.
Kein Einzelfall, sondern Folge eines vergifteten Klimas
Schuster machte bereits im Vorfeld deutlich, dass die brutale Tat von Höchberg nicht aus dem Nichts gekommen sei. Die einschlägigen Statistiken belegten seit langem eine Verfestigung antisemitischer Vorfälle auf Rekordniveau. Besonders verbreitet sei der israelbezogene Antisemitismus. Genau diese fortschreitende Normalisierung des Hasses bereite Gewalttaten wie den Angriff auf das DIG-Mitglied vor.
Damit benennt Schuster den entscheidenden Punkt. Wer Israel ständig mit Völkermord- und Apartheidvorwürfen dämonisiert, schafft ein Klima, in dem aus Feindbildern irgendwann echte Gewalt wird. Der Angriff von Höchberg begann nach bisherigem Ermittlungsstand nicht mit einem persönlichen Streit, sondern mit einem sichtbaren Symbol: einem Anstecker mit israelischer Flagge.
Nach den bislang bekannten Angaben wurde das 65 Jahre alte Opfer von einem 20-jährigen syrischen Staatsangehörigen attackiert und schwer verletzt. Polizeibeamte, die durch Zeugen alarmiert worden waren, stoppten den Angriff. Der Mann musste anschließend auf der Intensivstation eines Würzburger Krankenhauses behandelt werden.
Gegen den Tatverdächtigen wurde Untersuchungshaft angeordnet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor. Polizei und Generalstaatsanwaltschaft gehen nach den vorliegenden Angaben von einer israelfeindlichen oder antisemitischen und islamistischen Motivation aus. Auch der Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Justiz hat das Verfahren übernommen.
Würzburg setzt ein Zeichen
Die DIG Würzburg erklärte, man stehe in voller Solidarität an der Seite des schwer verletzten Mitglieds und wünsche ihm eine schnelle und vollständige Genesung. DIG-Präsident Volker Beck fand dafür noch schärfere Worte. Wer Israel mit Genozid- und Apartheidvorwürfen verteufele, schaffe das Klima für solche Übergriffe. Niemand mit einer Palästina-Flagge müsse in Deutschland um seine körperliche Unversehrtheit fürchten. Wer dagegen eine israelische Flagge zeige, sei seines Lebens nicht sicher.
Diese Aussage trifft den Kern der Lage. In Deutschland kann Judenhass heute oft als politische Israelkritik verkleidet auftreten. Das macht ihn nicht harmloser, sondern gefährlicher. Denn der Täter sieht dann nicht mehr einen einzelnen Menschen vor sich, sondern ein Feindbild, das längst gesellschaftlich vorbereitet wurde.
Auch Würzburgs Oberbürgermeister Martin Heilig bezeichnete den Angriff als unerträglich. Wenn ein Mensch offenbar schon wegen des Tragens eines Israel-Ansteckers attackiert werde, sei das ein Angriff auf die demokratischen Grundwerte und auf die offene Gesellschaft.
Die Kundgebung am Freitag wird deshalb mehr sein als ein lokaler Termin. Sie ist ein öffentlicher Widerspruch gegen die zunehmende Gewöhnung an israelbezogenen Antisemitismus. Sie ist ein Signal an das Opfer, dass es nicht allein steht. Und sie ist ein Signal an jene, die Juden und Unterstützer Israels in Deutschland einschüchtern wollen: Dieser Hass wird gesehen, benannt und nicht hingenommen.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 23. Juli 2026