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Kanadische Kandidatin fordert Haft für Zionisten und erklärt sie pauschal zu Terroristen


Rasha Zaid kandidiert im kanadischen Windsor für ein öffentliches Amt. In Videos erklärt sie Zionisten pauschal zu Terroristen und sagt: „Wir sind nicht frei, solange sie unter uns sind.“ Später versucht sie, ihre Aussagen enger auszulegen.

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Wer in Deutschland oder Kanada behauptet, Israelkritik werde vorschnell als Antisemitismus bezeichnet, bekommt in Windsor gerade ein bemerkenswertes Anschauungsbeispiel dafür, wo diese Ausrede an ihre Grenzen stößt.

Rasha Zaid kandidiert bei der Kommunalwahl im Oktober für den Stadtrat von Windsor in Ontario. Die Stadt führt sie offiziell als Kandidatin für Ward 4. Aufnahmen, über die die Jerusalem Post berichtet, zeigen Zaid jedoch mit Aussagen, die mit gewöhnlicher Kritik an der israelischen Regierung kaum noch etwas zu tun haben.

In einem Video sagt sie:

„Every person that announces they are a Zionist must be locked up! They are terrorists.“

Also: Jeder Mensch, der erkläre, Zionist zu sein, müsse eingesperrt werden. Sie seien Terroristen.

Danach folgt ein Satz, der noch schwerer wiegt:

„We are not free until they're not among us.“

Man sei nicht frei, solange „sie“ noch unter uns seien.

In weiteren Aufnahmen führt Zaid laut Jerusalem Post Demonstranten bei Rufen an, wonach alle Zionisten Rassisten und Terroristen seien. Die Zeitung berichtet außerdem über Screenshots, die ihr zugeschrieben werden. Darunter soll sich eine Darstellung mit der Bezeichnung „The Zionist Cycle“ befinden, in der behauptet wird, Antisemitismus und größere Angriffe würden inszeniert, um Sympathie zu erzeugen und militärische Handlungen zu rechtfertigen. Ein weiterer ihr zugeschriebener Beitrag soll sogar behaupten: „There is no such thing as antisemitic.“

Die Aufnahmen und die betreffenden Aussagen können Leser unmittelbar im Bericht der Jerusalem Post nachvollziehen.

Erst alle Zionisten, anschließend plötzlich nur bestimmte

Nach Veröffentlichung der Vorwürfe erklärte Zaid gegenüber der Jerusalem Post, ihre Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden.

„Zionismus und Judentum sind nicht dasselbe“, erklärte sie. Diese Unterscheidung ist zunächst richtig. Nicht jeder Jude ist Zionist und Zionismus ist eine politische und nationale Bewegung.

Nur beantwortet das nicht das eigentliche Problem ihrer eigenen Worte.

Zaid erklärte anschließend, sie fordere nicht die Inhaftierung eines Menschen allein deshalb, weil dieser sich als Zionist bezeichne. Ihre Aussagen richteten sich vielmehr gegen Menschen, die ihrer Ansicht nach die Tötung von Kindern und Zivilisten sowie Verstöße gegen internationales Recht unterstützten.

Das steht allerdings in einem erheblichen Spannungsverhältnis zur dokumentierten Formulierung.

Sie sagte nicht: Menschen, die nachweislich Straftaten begangen haben, müssen vor Gericht.

Sie sagte laut Aufnahme: „Every person that announces they are a Zionist must be locked up.“

Nicht manche. Nicht Beschuldigte konkreter Verbrechen. Nicht Personen nach einem Gerichtsverfahren.

„Every person.“

Genau darin liegt der Unterschied zwischen Kritik an einer Regierung und der pauschalen Markierung einer ganzen politischen beziehungsweise identitären Gruppe als Terroristen.

Noch problematischer ist die Aussage, man sei nicht frei, solange diese Menschen „nicht unter uns“ seien. Wer politische Gegner nicht widerlegen, sondern aus der Gesellschaft verschwinden sehen will, benutzt eine Sprache der Ausgrenzung, die für eine Kandidatin um ein demokratisches Amt mindestens erklärungsbedürftig ist.

Dabei präsentiert sich Zaid im aktuellen Kommunalwahlkampf ganz anders. In einem erst am 5. September veröffentlichten Interview wird ihre politische Botschaft mit Zugehörigkeit und Freundlichkeit beschrieben. Sie wolle Menschen zusammenbringen und eine „teacher of kindness“ sein. Zwei Tage später werden Aufnahmen öffentlich diskutiert, in denen sie Menschen wegen der Selbstbezeichnung Zionist pauschal als Terroristen bezeichnet und ihre Inhaftierung fordert. (Apple Podcasts)

Die Kandidatur selbst ist keine Behauptung eines politischen Gegners. Die Stadt Windsor führt Rasha Zaid offiziell unter den Kandidaten für Ward 4. Auf der aktuellen Liste stehen neben ihr Mike Burton, Catherine Gariepy-Schulze, Chris Holt und Xsander Moisenko. Der bisherige Stadtrat Mark McKenzie tritt entgegen einer Angabe im Bericht der Jerusalem Post nicht erneut an. Das hatten lokale Medien bereits Anfang August berichtet. (Windsor News Today)

Es gibt eine Vorgeschichte in Windsor

Zaid ist in Windsor nicht erst seit ihrem Wahlkampf politisch aktiv. Sie gehörte zu den Organisatoren von Windsor4Palestine, das seit dem Hamas Massaker vom 7. Oktober 2023 regelmäßig Demonstrationen organisierte.

Schon Anfang 2024 kam es zu einem Konflikt mit der jüdischen Gemeinde. Eine propalästinensische Demonstration führte durch ein Viertel im Süden Windsors, das historisch eine bedeutende jüdische Bevölkerung hat. Die Windsor Jewish Federation wertete die Streckenwahl damals als Versuch der Einschüchterung jüdischer Bewohner. (Windsor News Today)

Zaid wies den Vorwurf ausdrücklich zurück. Die Organisatoren hätten nicht gewusst, dass das Viertel stark jüdisch geprägt sei. Die Polizei habe die Strecke gekannt, und niemand habe jüdische Bewohner bedrohen oder einschüchtern wollen.

Diese Gegendarstellung gehört zur Geschichte.

Aber auch ihre damaligen Worte gehören dazu. Zaid erklärte 2024, bei den Windsor Protesten habe es „keine einzige radikale Aktion“ gegeben.

Zwei Jahre später steht nun eine Aufnahme im Raum, in der dieselbe Aktivistin erklärt, jeder bekennende Zionist müsse eingesperrt werden und alle Zionisten seien Terroristen.

Kanada erlebt diese Debatte zudem nicht im luftleeren Raum. haOlam berichtete im August über eine von der kanadischen Regierung beauftragte Untersuchung, in der 95,7 Prozent der befragten jüdischen Studenten und jungen Absolventen angaben, innerhalb eines Jahres Antisemitismus erlebt oder beobachtet zu haben.

Auch die Torontoer Schulbehörde steht wegen schwerer Antisemitismusvorwürfe unter Druck. Dort spielt ausgerechnet die Verwendung des Begriffs „Zionist“ als gesellschaftliches Ausschlussmerkmal ebenfalls eine Rolle.

Genau deshalb ist Zaids Wortwahl nicht nebensächlich.

Niemand muss die israelische Regierung unterstützen. Niemand muss Zionist sein. Harte Kritik an Netanyahu, an militärischen Entscheidungen oder an israelischer Politik gehört zur politischen Freiheit.

Aber die Forderung, Menschen wegen ihrer Selbstbezeichnung als Zionisten einzusperren, ist keine Kritik an Netanyahu.

Die Behauptung, alle Zionisten seien Terroristen, ist keine Diskussion über Gaza.

Und der Satz, man sei nicht frei, solange diese Menschen „unter uns“ seien, sollte bei einer Kandidatin für ein demokratisches Amt Fragen auslösen, die sich nicht mit dem nachträglichen Hinweis beantworten lassen, Zionismus und Judentum seien verschiedene Dinge.

Rasha Zaid möchte die Bürger von Windsor im Stadtrat vertreten.

Zu diesen Bürgern gehören auch Juden und Zionisten.

Und genau deshalb werden die Wähler vor dem 26. Oktober entscheiden müssen, wie gut die Forderung nach gesellschaftlicher Zugehörigkeit zu der Aussage passt, eine bestimmte Gruppe müsse eingesperrt werden.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 8. September 2026

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