Mit Hammer-Symbolik und Ziellisten: Palestine Action nimmt 33 Firmen ins Visier
Für den 13. August plant das Netzwerk landesweite Aktionen gegen kanadische Elbit-Zulieferer. Aktivisten lernen, Unternehmen, Standorte und Lieferketten systematisch zu erfassen und öffentlich unter Druck zu setzen.

33 Unternehmensstandorte, ein landesweit abgestimmter Aktionstag, Schulungen zur Erfassung von Lieferketten und eine Werbung, die den Hammer als nächste Stufe nach dem Schwenken von Fahnen präsentiert: Palestine Action Canada und das Bündnis Arms Embargo Now bereiten für den 13. August eine koordinierte Kampagne gegen kanadische Firmen vor, denen Geschäftsbeziehungen zum israelischen Technologiekonzern Elbit Systems vorgeworfen werden.
Die Organisatoren wollen nicht lediglich vor dem Parlament gegen Waffenexporte demonstrieren. Sie haben konkrete Unternehmen und Produktionsstätten in British Columbia, Alberta, Ontario, Quebec, Nova Scotia und Neufundland erfasst. Insgesamt enthält die veröffentlichte Liste 33 mögliche Aktionsorte. Dort sollen gleichzeitig Kundgebungen, sogenannte Informationsposten und Plakataktionen stattfinden. Unternehmen sollen ihre Geschäftsbeziehungen zu Elbit beenden oder nach den Worten der Kampagne den politischen, finanziellen und öffentlichen Preis ihrer angeblichen Mitverantwortung tragen.
Das ist eine offen ausgesprochene Drohkulisse. Wer weiterhin mit einem israelischen Unternehmen zusammenarbeitet, soll wirtschaftlich und gesellschaftlich beschädigt werden. Die Veranstalter wollen die Firmen nicht durch Argumente überzeugen, sondern ihre Geschäftsbeziehungen politisch so belastend machen, dass Verantwortliche aus Angst vor Rufschädigung, Störungen und weiteren Aktionen nachgeben.
Dafür werden Aktivisten gezielt vorbereitet. Eine im Juni veröffentlichte Schulung erklärte, wie Unternehmensregister, Kartendienste und digitale Suchwerkzeuge genutzt werden können, um Produktionsstätten, Büros, Vertriebszentren und Lieferketten mit möglichen Verbindungen zu Elbit zu identifizieren. Geleitet wurde die Veranstaltung unter anderem von Rachel Small von World Beyond War Canada und Haneen Ismail von der Palestinian Youth Movement. Die Teilnehmer sollten lokale Gruppen aufbauen, Standorte auswählen, die Umgebung erkunden und zeitgleiche Aktionen organisieren.
Aus einer politischen Kampagne entsteht damit eine strukturierte Zielerfassung. Unternehmen werden gesammelt, kartiert und öffentlich markiert. Aktivisten erhalten eine Anleitung, wie sie vor Ort Druck aufbauen und den normalen Geschäftsbetrieb politisch vergiften können. Die betroffenen Mitarbeiter haben weder über die kanadische Außenpolitik noch über die Entscheidungen der israelischen Regierung abgestimmt. Trotzdem werden ihre Arbeitsplätze zu Schauplätzen eines internationalen Konflikts erklärt.
Der Hammer ist bei Palestine Action kein harmloses Symbol
Besonders aufschlussreich ist die Werbung für sogenannte Trainings zur direkten Aktion. Ein verbreitetes Motiv zeigt erhobene Hände mit einem Hammer und fragt sinngemäß, ob die Arme vom Schwenken von Fahnen müde seien. Als Alternative wird das Training mit dem Hammer angeboten. In einer beliebigen Protestbewegung könnte man eine solche Darstellung als geschmacklose Provokation abtun. Bei Palestine Action besitzt sie eine konkrete Vorgeschichte.
B’nai Brith Canada warnte bereits im Mai vor einer von Palestine Action Canada veröffentlichten internationalen Zielkarte. Nach Angaben der jüdischen Organisation führte die Auswahl einzelner Standorte zu einem sogenannten Untergrundhandbuch. Darin fanden sich Anweisungen zum Aufbau kleiner Zellen, zur Beschädigung von Eigentum, zum Entgehen der Strafverfolgung und zur Vernichtung von Beweisen. B’nai Brith informierte daraufhin kanadische Sicherheitsbehörden und verlangte, Palestine Action Canada als terroristische Vereinigung einzustufen.
Die kanadische Gruppe ist bislang nicht als Terrororganisation verboten. Das bedeutet jedoch nicht, dass ihre Zielkarten, Schulungen und Aktionsanleitungen politisch oder sicherheitsrechtlich harmlos wären. Die Behörden müssen nicht warten, bis aus einer öffentlich angekündigten Druckkampagne Sachbeschädigung, unerlaubtes Eindringen oder Gewalt wird.
Wie ernst diese Gefahr ist, zeigt die britische Gruppe gleichen Namens. Palestine Action wurde im Vereinigten Königreich im Juli 2025 als Terrororganisation verboten. Die britische Regierung begründete den Schritt mit einer Kampagne schwerer Sachbeschädigungen gegen Elbit, Zulieferer und andere Unternehmen. Nach offizieller Einschätzung überschritten mehrere Angriffe die Grenze von kriminellen direkten Aktionen zum Terrorismus.
Der britische Court of Appeal bestätigte im Juni 2026 die Rechtmäßigkeit des Verbots. In seiner Zusammenfassung beschrieb das Gericht Palestine Action als verdeckt arbeitende Organisation, die Zellen bilde, Erkennung vermeiden wolle und Anhänger zum Einsatz von Vorschlaghämmern sowie zur Beschädigung von Zielen ohne Zurückhaltung ermutige. Die Kampagne habe nicht auf Überzeugung, sondern auf Einschüchterung gezielt und ein reales Verletzungsrisiko für Menschen geschaffen.
Das Verbot wird vor dem britischen Supreme Court weiter angefochten. Die Verhandlung ist für November 2026 angesetzt. Bis zu einer anderslautenden Entscheidung bleibt Palestine Action in Großbritannien verboten.
Diese britische Vorgeschichte kann nicht einfach von der kanadischen Kampagne getrennt werden, sobald dieselbe Bezeichnung, eine ähnliche Zielauswahl, direkte Aktionsschulungen und Hammer-Symbolik verwendet werden. Niemand muss behaupten, jede angekündigte Kundgebung werde zwangsläufig gewalttätig. Die Warnzeichen liegen dennoch offen auf dem Tisch.
Kanada darf Unternehmen nicht einer radikalen Bewegung überlassen
Politischer Protest gegen Rüstungsunternehmen ist in einer Demokratie erlaubt. Das Recht auf Demonstration umfasst jedoch kein Recht, Unternehmen auszuspähen, Beschäftigte einzuschüchtern, Eigentum zu beschädigen oder den Geschäftsbetrieb gewaltsam lahmzulegen. Wer seine politischen Ziele über geltendes Recht stellt, betreibt keine mutige Zivilgesellschaft. Er erklärt sich selbst zum Ermittler, Richter und Vollstrecker.
Palestine Action Canada spricht von einem Waffenembargo von unten. Tatsächlich soll eine radikale Bewegung durch wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Druck entscheiden, welche kanadischen Unternehmen noch mit Israel handeln dürfen. Nicht das Parlament, keine Behörde und kein Gericht sollen über zulässige Geschäfte bestimmen, sondern Aktivisten, die Firmen in Listen eintragen und anschließend an deren Standorte mobilisieren.
Die Auswahl folgt dabei einem eindeutigen Kriterium: der tatsächlichen oder behaupteten Verbindung zu einem israelischen Unternehmen. Elbit Systems ist ein legal tätiger internationaler Konzern. Kanadische Firmen machen sich nicht dadurch zu legitimen Angriffszielen, dass sie Bauteile, technische Leistungen oder andere Produkte an Elbit liefern.
Wer diese Betriebe öffentlich zu Komplizen erklärt, schafft ein Klima, in dem auch Beschäftigte persönlich unter Druck geraten können. Plakate rund um Firmengelände, veröffentlichte Standortkarten und Dossiers über Lieferbeziehungen dienen nicht nur der politischen Information. Sie markieren, wer als Feind behandelt werden soll.
Kanadische Polizei und Sicherheitsbehörden müssen die 33 betroffenen Standorte deshalb vor dem 13. August informieren und schützen. Sie müssen prüfen, welche Gruppen auftreten, ob Firmengelände bereits erkundet wurden und ob neben angemeldeten Demonstrationen weitere Aktionen vorbereitet werden. Jede Sachbeschädigung, Bedrohung und Blockade muss unmittelbar beendet und strafrechtlich verfolgt werden.
Die Organisatoren haben ihre Kampagne öffentlich angekündigt. Sie haben die Firmen ausgewählt, ihre Unterstützer geschult und den Zeitpunkt festgelegt. Sollte es zu Übergriffen kommen, kann niemand behaupten, die Entwicklung sei überraschend gewesen.
Eine Demokratie muss Kritik an Israel und Elbit Systems aushalten. Sie muss aber keine Bewegung dulden, die Unternehmen auf Ziellisten setzt, Hammer-Symbolik verbreitet und den wirtschaftlichen Preis für unerwünschte Verbindungen zu Israel ankündigt. Das ist kein gewöhnlicher Protest. Es ist eine organisierte Einschüchterungskampagne.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 6. August 2026