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Kanada gibt Millionen frei, während UNRWA im Hamas-Skandal steckt


Ottawa verspricht neue Palästinenserhilfe. Gleichzeitig entlässt UNRWA 70 Mitarbeiter in Gaza und US-Prüfer melden schwere Hamas-Vorwürfe gegen mehr als 100 Personen.

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Kanada will helfen. Das klingt zunächst richtig, menschlich, kaum angreifbar. In Gaza ist die Not groß, Zivilisten brauchen Nahrung, Wasser, medizinische Versorgung, Schutz und verlässliche Hilfe. Doch genau an dieser Stelle beginnt das Problem. Hilfe ist im Gazastreifen nie nur Hilfe, wenn die Strukturen, über die sie läuft, nicht sauber kontrolliert werden. Sie kann Menschen retten. Sie kann aber auch in einem Umfeld landen, in dem die Hamas seit Jahren zivile Not, internationale Organisationen und humanitäre Infrastruktur für ihre eigene Machtlogik ausnutzt.

Außenministerin Anita Anand kündigte in Paris weitere 100 Millionen Dollar für internationale Unterstützung der Palästinenser an. Nach kanadischen Regierungsangaben soll das Geld über die Vereinten Nationen, das Rote Kreuz, den Roten Halbmond und nichtstaatliche Organisationen fließen. Insgesamt steigt Kanadas Hilfe seit Beginn des Krieges damit auf mehr als 500 Millionen Dollar. Ottawa spricht von medizinischer Nothilfe, Ernährung, Wasser, Sanitärversorgung, Unterkünften, Schutz und Stabilisierung. Das sind alles legitime Ziele. Niemand, der ernsthaft über Gaza spricht, kann das Leid der Zivilbevölkerung einfach ausblenden.

Trotzdem wirkt der Zeitpunkt politisch verstörend. Nur wenige Tage zuvor hatte UNRWA bestätigt, 70 Mitarbeiter in Gaza entlassen zu haben. Die Organisation erklärte, der Schritt diene der Sicherheit ihrer Arbeit und der Menschen, denen sie helfe. Zugleich betonte UNRWA, die Entlassungen seien keine Anerkennung israelischer Vorwürfe und nicht Teil eines Disziplinarverfahrens. Genau diese Doppelbotschaft ist seit Jahren typisch für das UNRWA-Problem: Man räumt genug ein, um Druck abzubauen, vermeidet aber klare Verantwortung.

Noch schwerer wiegt der Bericht des USAID-Generalinspektors. Die amerikanischen Prüfer verwiesen 101 aktuelle oder frühere UNRWA-Mitarbeiter an das US-Außenministerium, damit deren Suspendierung oder der Ausschluss von künftiger Arbeit in US-finanzierten Hilfsprojekten geprüft werden kann. Die Vorwürfe betreffen Beteiligung am Massaker vom 7. Oktober 2023 oder Verbindungen zum militärischen Arm der Hamas. In der Aufstellung des USAID-Büros geht es nicht um diffuse Verdächtigungen aus sozialen Netzwerken. Genannt werden unter anderem Schulleiter, Lehrer, Sicherheitskräfte, Berater und medizinisches Personal. Einige sollen Funktionen in Hamas-Strukturen gehabt haben.

Für Israel ist das keine Überraschung. Jerusalem warnt seit Jahren, dass UNRWA im Gazastreifen nicht nur ein humanitärer Akteur ist, sondern Teil eines Problems, das den Konflikt verlängert und die Grenzen zwischen Hilfe, Erziehung, Propaganda und Terrorumfeld verwischt. Nach dem 7. Oktober wurden diese Warnungen noch schwerer. Israel legte immer wieder Material vor, das nach israelischer Darstellung Verbindungen einzelner UNRWA-Mitarbeiter zu Terrororganisationen, Nutzung von UNRWA-Infrastruktur und Beteiligung am Hamas-Angriff belegen soll. UNRWA bestreitet viele Vorwürfe oder verlangt weitere Beweise. Aber die Entlassung von 70 Mitarbeitern und die amerikanischen Prüfverfahren zeigen: Das Thema lässt sich nicht mehr als israelische Kampagne abtun.

Genau deshalb reicht es nicht, wenn westliche Regierungen neue Hilfspakete ankündigen und dabei nur allgemein von „vertrauenswürdigen Partnern“ sprechen. Vertrauen muss nach dem 7. Oktober neu begründet werden. Es genügt nicht, Geld in ein Hilfssystem zu geben und anschließend zu hoffen, dass schon alles richtig ankommt. Wer Millionen freigibt, muss offen sagen, welche Organisationen Geld bekommen, welche Kontrollmechanismen gelten, wie Personal überprüft wird und wie verhindert wird, dass Hamas-nahe Personen einfach von einer Organisation zur nächsten wechseln.

Kanada steht hier nicht allein. Viele westliche Staaten wollen humanitäre Hilfe leisten, ohne politisch in den Verdacht zu geraten, Terrorstrukturen indirekt zu stabilisieren. Diese Spannung ist real. Aber sie darf nicht zulasten Israels oder jüdischer Sicherheit wegmoderiert werden. Die Hamas hat den Krieg am 7. Oktober mit einem Massaker begonnen. Sie hat Geiseln verschleppt, zivile Räume militarisiert und die eigene Bevölkerung als Schutzschild in ein System gezwungen, in dem jedes Leid propagandistisch verwertet wird. Wer unter solchen Bedingungen hilft, muss härter prüfen, nicht weicher.

Ottawa kann sagen, dass das Geld nicht einfach an UNRWA geht, sondern über mehrere Partner verteilt wird. Das ist wichtig. Aber die Kernfrage bleibt: Welche Rolle spielen UN-Strukturen im Gazastreifen, wenn selbst bei UNRWA erneut dutzende Mitarbeiter gehen mussten und amerikanische Prüfer mehr als 100 Personen im Zusammenhang mit Hamas und dem 7. Oktober melden? Genau diese Frage müssen kanadische Steuerzahler, jüdische Gemeinden in Kanada und Israels Regierung stellen dürfen.

Humanitäre Hilfe und Sicherheitskontrolle sind keine Gegensätze. Im Gegenteil. Hilfe, die in Hamas-Nähe versickert, schadet zuerst den Zivilisten, denen sie angeblich dienen soll. Sie stärkt die falschen Kräfte, verlängert Abhängigkeiten und untergräbt das Vertrauen in jede internationale Unterstützung. Wer Gaza helfen will, muss Hamas schwächen. Alles andere ist gut gemeint und gefährlich.

Kanadas neue Millionen sind deshalb nicht der Skandal an sich. Der Skandal wäre, wenn sie ohne schonungslose Lehren aus dem UNRWA-Versagen fließen. Nach dem 7. Oktober kann niemand mehr behaupten, man habe nichts gewusst. Die Warnungen liegen auf dem Tisch. Die Entlassungen liegen auf dem Tisch. Die amerikanischen Prüfberichte liegen auf dem Tisch. Nun liegt es an Ottawa, zu beweisen, dass Hilfe für Palästinenser nicht zur Entlastung jener Strukturen wird, die Israel und die eigene Bevölkerung im Gazastreifen seit Jahren in Geiselhaft nehmen.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 17. Juni 2026

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