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Gwyneth Paltrow wirbt für Herzliya und der Israel Hass macht aus Werbung ein Tribunal


Ein Werbefilm für ein Wohnprojekt in Israel löst internationale Beschimpfungen aus. Der Fall zeigt, wie schnell aus Israel Kritik pauschale Delegitimierung jüdischer Normalität wird.

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Gwyneth Paltrow hat keinen Krieg verteidigt, keine Regierungserklärung abgegeben und keine politische Rede gehalten. Die Oscarpreisträgerin ist das Gesicht einer Werbekampagne für ein israelisches Wohnprojekt in Herzliya. Schon das reicht aus, um in sozialen Netzwerken eine Welle aus Beschimpfungen, Boykottaufrufen und historisch entgleisten Vergleichen auszulösen. Der Vorgang sagt weniger über eine Schauspielerin aus als über ein Klima, in dem selbst eine Immobilienwerbung als moralischer Angriffspunkt gegen Israel genutzt wird.

Die Kampagne für das Wohnprojekt 51Park zeigt Paltrow in einer eleganten, international angelegten Bildsprache. Sie wacht in einer Wohnung auf, bewegt sich durch einen urbanen Alltag, läuft im Park und nennt am Ende Herzliya in Israel als Ziel. Das ist klassische Luxuswerbung. Man kann solche Werbung geschmacklos finden. Man kann über teure Wohnungen, internationale Investoren und soziale Gegensätze diskutieren. Man kann auch fragen, ob ein solcher Werbefilm in einer Zeit regionaler Kriege besonders sensibel gesetzt ist. All das wäre normale Kritik. Doch die Reaktionen, die nun auf X und anderen Plattformen sichtbar wurden, gehen weit darüber hinaus.

In einem viel beachteten Beitrag wurde Paltrow als Gesicht einer Kampagne für einen neuen Apartmentkomplex in Herzliya dargestellt, verbunden mit der Behauptung, dieser sei auf „stolen Palestinian land“ gebaut. Dazu wurde sie persönlich als „disgusting woman“ beschimpft. Andere Beiträge steigerten sich in Shoah Vergleiche hinein. Es sei, so hieß es sinngemäß, als würde man während des Holocaust Luxusvillen in Nazi Deutschland bewerben. Wieder andere nannten Paltrow ein „soulless monster“ oder stellten ihre Mitwirkung als moralische Verkommenheit für Geld dar. Genau an dieser Stelle ist die Grenze zwischen Kritik und Hetze überschritten.

Gerade Herzliya entlarvt die Parole. Wer hier von „gestohlenem palästinensischem Land“ spricht, redet nicht über Judäa und Samaria, nicht über eine einzelne juristisch umstrittene Parzelle und nicht über einen konkret benannten Eigentumsfall. Er erklärt eine jüdisch gegründete Stadt im israelischen Kernland zum illegitimen Ort. Herzliya liegt an der israelischen Mittelmeerküste nördlich von Tel Aviv, im dicht besiedelten Zentrum des Landes. Die Stadt wurde 1924 während der britischen Mandatszeit von jüdischen Einwanderern gegründet und nach Theodor Herzl benannt, dem Begründer des politischen Zionismus. Sie gehört damit zu jenen Orten, die aus der frühen zionistischen Aufbaugeschichte des Landes hervorgegangen sind. Wer ausgerechnet eine Immobilienwerbung in Herzliya pauschal als Werbung auf geraubtem Land bezeichnet, kritisiert nicht ein Bauprojekt. Er stellt die Legitimität jüdischer Stadtgründungen und israelischer Normalität insgesamt infrage.

Noch deutlicher wird die Entgleisung bei den NS Vergleichen. Eine Werbung für Wohnungen in einer israelischen Küstenstadt mit Werbung in Nazi Deutschland während der Shoah zu vergleichen, ist keine scharfe Kritik. Es ist eine geschichtsvergessene Umkehrung, die die industrielle Vernichtung der europäischen Juden als rhetorische Waffe gegen Israel benutzt. Gerade darin liegt die Niedertracht solcher Formulierungen: Die Shoah wird nicht erinnert, um jüdische Geschichte zu schützen. Sie wird instrumentalisiert, um Israel moralisch zu dämonisieren.

Die Empörung folgt einem bekannten Muster. Sobald Israel als normales Land erscheint, als Ort von Städten, Wohnungen, Unternehmen, Kultur, Architektur und Alltag, wird diese Normalität angegriffen. Israel darf in dieser Erzählung nicht leben, bauen, werben, produzieren, feiern oder international auftreten, ohne dass sofort Gaza, Libanon, Kolonialismus oder Apartheid über jede andere Wirklichkeit gelegt werden. Aus einem Wohnprojekt wird ein Anklagepunkt gegen einen ganzen Staat. Aus einer Schauspielerin wird eine angebliche Komplizin. Aus einem Werbespot wird ein moralisches Tribunal.

Dabei ist Herzliya keine geheime Militärbasis, kein Schauplatz eines Kriegsverbrechens und kein Symbol für irgendeine Front. Herzliya ist eine israelische Stadt an der Mittelmeerküste, ein Standort von Unternehmen, Forschung, Botschaftsresidenzen, Wohlstand und urbanem Leben. Dass dort teure Wohnungen entstehen, ist keine israelische Besonderheit. Luxusimmobilien gibt es in New York, London, Dubai, Paris, Doha, Istanbul und Berlin. Doch nur bei Israel genügt der Ortsname, um aus einer Werbekampagne eine Anklage gegen die Existenz des Landes zu machen.

Diese Doppelmoral ist nicht neu, aber sie wird immer offener. Prominente werben weltweit für Unternehmen aus Staaten, deren Regierungen Kriege führen, Dissidenten verfolgen, Minderheiten unterdrücken oder Frauenrechte missachten. Selten entsteht daraus derselbe Furor. Bei Israel reicht oft schon die Tatsache der Zusammenarbeit. Wer dort auftritt, investiert, singt, spielt, forscht oder wirbt, muss mit moralischer Bestrafung rechnen. Das Ziel ist nicht nur Kritik an einer Regierung. Das Ziel ist soziale Abschreckung: Wer mit Israel arbeitet, soll einen Preis zahlen.

Besonders problematisch ist die Art, wie Gaza und Libanon in diese Debatte hineingezogen werden. Natürlich darf über ziviles Leid in Gaza gesprochen werden. Natürlich darf Kriegspolitik kritisiert werden. Natürlich dürfen humanitäre Fragen gestellt werden. Aber es ist etwas anderes, jedes israelische Unternehmen, jede israelische Stadt und jede Person, die mit Israel arbeitet, in eine kollektive Schuldhaftung zu nehmen. Genau diese Kollektivlogik ist gefährlich. Sie macht aus Israel nicht mehr einen Staat, dessen Regierung man kritisieren kann, sondern ein moralisch kontaminiertes Land, mit dem man angeblich nichts mehr zu tun haben darf.

Wer so argumentiert, verlangt am Ende nicht Sensibilität, sondern Ausschluss. Israel soll aus Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft, Werbung und öffentlichem Leben verdrängt werden. Das ist der alte Boykottgedanke in modernem Gewand: nicht diskutieren, sondern ächten; nicht unterscheiden, sondern markieren; nicht konkret kritisieren, sondern den Namen Israel selbst zum Makel machen.

Dass Paltrow familiär jüdische Wurzeln hat und sich in der Vergangenheit öffentlich gegen Antisemitismus sowie für die Freilassung der von der Hamas verschleppten Geiseln ausgesprochen hat, macht die Reaktionen noch aufschlussreicher. In einer vernünftigen Debatte wäre das unerheblich. Eine Schauspielerin darf eine Werbung machen, ohne dass Herkunft, Religion, frühere Solidaritätsbekundungen oder persönliche Identität zum Gegenstand einer digitalen Anklage werden. In der gegenwärtigen Stimmung aber genügt oft schon der Verdacht, nicht ausreichend antiisraelisch zu sein.

Die Kampagne von 51Park ist kein politisches Manifest. Sie ist Werbung. Gerade deshalb ist die Reaktion so aufschlussreich. Sie zeigt, dass es vielen Kritikern nicht um konkrete Inhalte geht. Es reicht, dass Israel im Bild erscheint. Es reicht, dass eine internationale Berühmtheit den Namen einer israelischen Stadt ausspricht. Es reicht, dass Israel nicht als Katastrophenort, sondern als moderner Lebensraum gezeigt wird. Genau diese Normalität ist es, die offenbar nicht ertragen wird.

Für Israel ist das mehr als ein Kulturstreit. Es ist Teil eines größeren Kampfes um Sichtbarkeit. Ein Land, das seit dem 7. Oktober 2023 und im Iran Krieg 2026 militärisch, diplomatisch und medial unter massivem Druck steht, kämpft nicht nur um Sicherheit. Es kämpft auch darum, nicht auf Krieg, Terror, Vorwürfe und Krisen reduziert zu werden. Israel besteht nicht nur aus Fronten. Es besteht aus Städten, Familien, Unternehmen, Baustellen, Universitäten, Theatern, Restaurants, Krankenhäusern und Menschen, die leben wollen. Wer diese Wirklichkeit auslöschen möchte, betreibt keine Aufklärung. Er betreibt eine politische Verengung.

Natürlich muss auch Israel Kritik aushalten. Kein Staat steht außerhalb journalistischer Prüfung. Aber Kritik verliert ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie selektiv, maßlos und geschichtsvergessen wird. Wer eine Immobilienwerbung in Herzliya mit der Shoah vergleicht, hat nicht Israel verstanden und schon gar nicht die Shoah. Wer eine Schauspielerin beschimpft, weil sie für ein israelisches Unternehmen wirbt, verteidigt keine Menschenrechte. Er zeigt, wie schnell aus politischer Empörung soziale Ächtung wird.

Der Fall Gwyneth Paltrow ist deshalb ein kleines Ereignis mit großer Aussagekraft. Er zeigt, wie eng der Raum für normale Beziehungen zu Israel geworden ist. Er zeigt, wie aggressiv der Druck auf Prominente wächst, sich von Israel fernzuhalten. Und er zeigt, dass die antiisraelische Kampagne längst nicht nur politische Entscheidungen bekämpft, sondern die Normalität eines ganzen Landes.

Man muss Paltrows Werbung nicht mögen. Man muss Luxuswohnungen nicht bewundern. Man muss Immobilienkampagnen nicht für besonders geschmackvoll halten. Aber wer aus einem Werbefilm für Herzliya einen moralischen Schauprozess macht, legt den eigentlichen Maßstab offen: Israel soll nicht normal sein dürfen. Genau dagegen muss man widersprechen.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 11. Juni 2026

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