Antiisraelische Kampagne veröffentlicht Karten zu Firmen und Häfen
Eine Gruppe namens „Global Intifada“ will Lieferketten zu Israel sichtbar machen. Neben Protesten gegen Unternehmen werden auch Aktionen gegen Fabriken, Häfen und Schiffe beworben.

Eine neue antiisraelische Kampagne unter dem Namen „Global Intifada“ hat ein digitales Kartenprojekt veröffentlicht, das angebliche Standorte, Lieferwege und Einrichtungen im Zusammenhang mit militärischer Unterstützung für Israel erfassen soll. Nach Angaben der Kampagne werden dabei Fabriken, Häfen, Schiffe und Transportwege aufgeführt, die aus Sicht der Initiatoren Teil einer Lieferkette für israelische Militärinfrastruktur sein sollen. Ziel der Kampagne ist es, diese Lieferketten öffentlich zu machen und Proteste gegen beteiligte Unternehmen oder Einrichtungen zu fördern.
Die Kampagne trägt den Namen „Genocide Supply Chain“ und stellt einzelne Standorte mit kurzen Profilen dar. Dabei wird angegeben, was dort angeblich produziert oder abgewickelt wird und in welchem Zusammenhang die Betreiber eine Verbindung zu Israel sehen. Teilweise werden auch Einschätzungen zur Zuverlässigkeit der Informationen genannt. Nach Darstellung der Kampagne seien Fabriken, Häfen und Bewegungen von Schiffen erfasst worden, damit Unterstützer entsprechende Orte finden und gegen sie aktiv werden könnten.
Betroffen sind nach dem Bericht nicht nur Unternehmen mit erkennbarer Verbindung zur israelischen Rüstungsindustrie oder zu israelischen Verteidigungsfirmen. Auch westliche Rüstungs-, Technologie- und Werftbetriebe werden aufgeführt, bei denen die Verbindung zu Israel teils nur indirekt oder ausdrücklich nicht belegt ist. In einem Fall wird ein Unternehmen genannt, obwohl keine bekannten israelischen Verträge bestehen. Die Begründung lautet dort, es könne ein Technologietransfer von den USA nach Israel erfolgen. In einem anderen Fall wird eine Werft nicht wegen direkter Israel-Lieferungen aufgeführt, sondern wegen ihrer Rolle in einem globalen maritimen Technologieumfeld.
Die Kampagne ruft nicht nur zu klassischen Protestformen auf. Sie fordert Hafenarbeiter dazu auf, verdächtige Schiffe nicht abzufertigen, und ermutigt Aktivisten zur Bildung von Streikposten. Darüber hinaus verweist sie auf Gruppen, die für sogenannte direkte Aktionen gegen Hersteller bekannt sind. Solche Aktionen können nach bisherigen Erfahrungen Sachbeschädigungen, Blockaden oder Sabotage an Einrichtungen umfassen. Genau dieser Punkt macht das Projekt sicherheitspolitisch heikel, weil aus der Veröffentlichung von Standorten und Lieferwegen praktische Zielmarkierungen entstehen können.
In ihrer Selbstdarstellung versucht die Gruppe, den Begriff „Intifada“ als allgemeines Wort für Widerstand zu deuten und von Terrorismus abzugrenzen. Auf ihrer Internetseite argumentiert sie, der Westen habe den Begriff bewusst mit Terror verbunden, um von Gewalt gegen Palästinenser abzulenken. Zugleich stellt sie den Kampf gegen angebliche Lieferketten nach Israel in eine Reihe mit antikolonialen und antiapartheidbezogenen Bewegungen. Israel wird dabei als „genozidale Entität“ bezeichnet.
Nach Angaben des Berichts listet die Kampagne auch andere Organisationen, Aktionen und Termine auf, die sich mit Störungen von Lieferketten oder Protesten gegen Unternehmen befassen. Zudem werden Gruppen im Umfeld von Gaza-Flottillen erwähnt. Die Betreiber des neuen Projekts scheinen auf sozialen Netzwerken mit solchen Flottillen-Akteuren zu kooperieren oder deren Beiträge aufzugreifen.
Für Sicherheitsbehörden und betroffene Unternehmen stellt sich damit die Frage, ob solche Karten noch als politische Dokumentation und Protestaufruf zu werten sind oder bereits konkrete Risiken für Standorte, Beschäftigte und Infrastruktur erzeugen. Besonders sensibel sind Häfen, Werften, Transportwege und Produktionsstätten, weil Störungen dort nicht nur wirtschaftliche Schäden verursachen, sondern auch Abläufe in sicherheitsrelevanten Bereichen beeinträchtigen können.
Der Vorgang zeigt, wie sich antiisraelischer Aktivismus zunehmend auf wirtschaftliche und logistische Zusammenhänge konzentriert. Während Boykottkampagnen gegen Israel seit Jahren bekannt sind, geht das neue Projekt einen Schritt weiter, indem es konkrete Orte und Bewegungen in Kartenform zusammenführt und daraus Handlungsaufforderungen ableitet. Kritiker sehen darin eine gefährliche Verschiebung von politischem Protest hin zu Einschüchterung und möglicher Sabotage.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Montag, 1. Juni 2026