Vietnam setzt auf Israel als Technologiepartner leise Diplomatie mit großer Wirkung
Während viele Länder auf Distanz gehen, vertieft Vietnam seine Beziehungen zu Jerusalem. Hightech, Landwirtschaft und Innovation stehen im Zentrum einer Partnerschaft, die unbeirrt wächst und für Israel strategisch wichtiger wird als je zuvor.

Während Israels Außenpolitik seit dem 7. Oktober 2023 unter enormem Druck steht und sich viele internationale Beziehungen abkühlen oder verhärten, entwickelt sich fernab der Schlagzeilen eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Die Beziehungen zwischen Jerusalem und Hanoi erreichen derzeit einen historischen Höchststand. Nicht laut, nicht ideologisch aufgeladen, sondern pragmatisch, interessiert und zukunftsorientiert.
Israels Botschafter in Vietnam, Yaron Mayer, beschreibt das Verhältnis beider Länder als stabil, respektvoll und erstaunlich unbeeindruckt vom Krieg im Nahen Osten. Zwar habe der Konflikt Fragen aufgeworfen, doch er habe die bilaterale Zusammenarbeit nicht dominiert. Der Dialog sei sachlich geblieben, Kooperation habe Vorrang behalten.
Vietnam verfolgt offiziell weiterhin eine ausgewogene Linie und spricht sich für eine Zwei-Staaten-Lösung aus. Gleichzeitig betrachtet Hanoi Israel als einen der weltweit führenden Technologiepartner. Diese Kombination ist selten geworden und macht das Verhältnis politisch wie wirtschaftlich bedeutsam.
Die Grundlage dieser Partnerschaft ist nicht Symbolpolitik, sondern Nutzen. Vietnam, ein Land mit rasant wachsender Bevölkerung, ambitionierten Wirtschaftsprogrammen und zunehmendem Klimadruck, sucht gezielt nach Lösungen in den Bereichen Landwirtschaft, Wasser, Digitalisierung und Umwelttechnologie. Genau dort liegt Israels Stärke.
Besonders gefragt sind israelische Bewässerungssysteme. Tropfbewässerung aus Israel gilt inzwischen in vielen vietnamesischen Provinzen als Referenzmodell, um Wasserknappheit zu bekämpfen und landwirtschaftliche Erträge zu steigern. Was in Israel unter extremen klimatischen Bedingungen entwickelt wurde, erweist sich in Südostasien als hochwirksam.
Doch die Kooperation geht weit darüber hinaus. In den kommenden fünf Jahren sollen gemeinsame Projekte in den Bereichen Smart Agriculture, Klimaanpassung, digitale Infrastruktur und Technologietransfer massiv ausgebaut werden. Provinzverwaltungen, Universitäten und staatliche Innovationszentren zeigen großes Interesse an israelischem Know-how.
Bemerkenswert ist dabei die Tiefe dieses Interesses. Vietnam erkannte Israel erst 1993 offiziell an. Dennoch ist die Offenheit gegenüber israelischer Innovation heute größer als in vielen Ländern mit deutlich längerer diplomatischer Geschichte.
Für Israel entsteht daraus ein strategischer Vorteil. In einer Zeit, in der politische Debatten häufig jede wirtschaftliche Kooperation überlagern, bietet Vietnam einen Raum, in dem Zusammenarbeit nicht durch ideologische Reflexe blockiert wird.
Auch wirtschaftlich wächst die Beziehung rasant. Seit dem Inkrafttreten des Freihandelsabkommens im Jahr 2023 hat der bilaterale Handel deutlich angezogen. Bis Ende 2026 soll das Handelsvolumen erstmals die Marke von vier Milliarden Dollar überschreiten. Für ein Land wie Israel ist das kein Nebenschauplatz, sondern ein ernstzunehmender Markt mit langfristigem Potenzial.
Parallel dazu setzt Vietnam gezielt auf israelischen Tourismus. Die Einführung von 90-Tage-E-Visa, neue Direktflüge aus Israel und aktive Werbekampagnen zeigen deutlich, wie stark Hanoi auf israelische Besucher setzt. Bereits im vergangenen Jahr reisten rund 50.000 Israelis nach Vietnam. Bis 2030 sollen es 300.000 jährlich werden.
Diese Zahlen sind mehr als touristische Statistik. Sie stehen für Vertrauen, Offenheit und gegenseitige Normalität in einer Welt, in der genau das zunehmend fehlt.
Auch für israelische Start-ups öffnet sich ein neuer Horizont. Die israelische Botschaft organisiert gezielt Begegnungen zwischen jungen Technologieunternehmen und vietnamesischen Entscheidungsträgern. Ziel ist es, nicht nur Produkte zu verkaufen, sondern gemeinsame Entwicklungsprojekte aufzubauen.
Ein sichtbares Ergebnis ist die Eröffnung eines Israel-Büros des vietnamesischen Technologiekonzerns FPT, einem der größten Hightech- und Pharmaunternehmen des Landes. Der Fokus liegt auf künstlicher Intelligenz, Cybersicherheit und Bildungstechnologie. Vietnam sieht Israel nicht nur als Lieferanten, sondern als Modell für Innovationsökonomie.
Dabei ist Vietnam keineswegs ein einfacher Markt. Bürokratie, Genehmigungsprozesse und komplexe Verwaltungsstrukturen stellen ausländische Firmen vor Herausforderungen. Genau hier sieht die israelische Diplomatie ihre Aufgabe: Türen öffnen, Prozesse erklären und nachhaltige Partnerschaften ermöglichen.
Diese Form der Außenpolitik ist leise, aber wirksam. Sie verzichtet auf große Worte und setzt auf Substanz. Während Israel international häufig nur durch den Konflikt wahrgenommen wird, entsteht in Vietnam ein anderes Bild: das eines kreativen, technologisch führenden Landes mit praktischen Lösungen für reale Probleme.
Gerade deshalb ist diese Beziehung politisch so bedeutsam. Sie zeigt, dass Israels internationale Zukunft nicht allein im Westen liegt, sondern zunehmend auch in Asien. Dort, wo Staaten weniger ideologisch urteilen und stärker nach funktionierenden Modellen suchen.
In einer Welt wachsender Blockbildung wirkt das Verhältnis zwischen Hanoi und Jerusalem fast altmodisch. Zwei Länder mit unterschiedlichen politischen Systemen, aber gemeinsamen Interessen, entscheiden sich bewusst für Zusammenarbeit statt moralischer Belehrung.
Für Israel ist das mehr als ein diplomatischer Erfolg. Es ist ein Beweis dafür, dass internationale Partnerschaften möglich bleiben, wenn sie auf gegenseitigem Respekt, Nutzen und langfristigem Denken beruhen.
Und vielleicht liegt genau darin eine der wichtigsten Lehren dieser Zeit.
Autor: Redaktion
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Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 18. Februar 2026