Liebe Leserinnen und Leser,
haOlam.de wird privat betrieben – ohne Verlag, ohne Unterstützung durch Institutionen. Damit wir unsere Arbeit auch 2026 fortführen können, möchten wir bis Jahresende mindestens 6.000 Euro erreichen, ideal wären 10.000 Euro. Jeder Beitrag hilft – auch kleine Beträge machen einen Unterschied.

Miss Israel erhebt schwere Vorwürfe gegen Meta: Antisemitismus werde algorithmisch verstärkt


Die amtierende Miss Israel berichtet von Hunderttausenden Hasskommentaren und spricht von struktureller Benachteiligung jüdischer Stimmen. Big Tech, so ihr Vorwurf, fördere durch seine Algorithmen genau jene Inhalte, die es angeblich bekämpfen will.

haOlam-News.de - Nachrichten aus Israel, Deutschland und der Welt.

Antisemitismus im Netz ist kein Randphänomen mehr. Er ist sichtbar, laut und vielfach koordiniert. Melanie Shiraz Asor, Miss Israel 2025, beschreibt in einem Meinungsbeitrag eine digitale Realität, die sie aus zwei Perspektiven kennt: als ausgebildete Datenwissenschaftlerin mit Stationen im Silicon Valley und als öffentliche Repräsentantin des jüdischen Staates auf internationalen Bühnen.

Asor schildert, sie sei mit Hunderttausenden antisemitischen Kommentaren konfrontiert worden. Darunter Aufrufe zu Gewalt, Holocaust-Verherrlichung und direkte Morddrohungen gegen sie und ihre Familie. Wiederholte Meldungen solcher Inhalte seien ohne sichtbare Konsequenzen geblieben. Gleichzeitig seien eigene Beiträge ohne beleidigende oder politische Inhalte innerhalb kurzer Zeit gelöscht worden. Koordinierte Massenmeldungen würden von den Plattformen automatisch berücksichtigt, unabhängig von der tatsächlichen Rechtslage des Inhalts.

Engagement über Verantwortung

Asor widerspricht der verbreiteten Darstellung, soziale Netzwerke seien neutrale Plattformen. Aus ihrer Sicht ist diese Argumentation aus technischer Perspektive nicht haltbar. Moderne Plattformen wie Meta ordnen, gewichten und empfehlen Inhalte aktiv. Algorithmen priorisieren Beiträge, die hohe Interaktionsraten erzeugen. Wut, Polarisierung und Provokation generieren Reichweite. Antisemitische Inhalte profitieren von genau diesen Mechanismen.

Die Systeme seien zudem manipulierbar. Koordinierte Kampagnen könnten automatisierte Moderationsmechanismen auslösen. Wenn eine ausreichende Zahl von Nutzern Inhalte melde, erfolge eine Entfernung oft vor menschlicher Prüfung. Für kleine Gemeinschaften sei dieses System besonders nachteilig. Die jüdische Weltbevölkerung umfasst rund 16 Millionen Menschen. In einem globalen digitalen Raum mit Milliarden Nutzern könne eine relativ kleine Gruppe algorithmisch leicht überstimmt werden.

Nach Ansicht Asors liegt das Problem nicht allein in einzelnen Fehlentscheidungen, sondern in der Architektur der Plattformen. Moderation werde auf Volumen statt auf Validität ausgerichtet. Die Folge sei eine digitale Umgebung, in der antisemitische Narrative hohe Sichtbarkeit erlangen, während jüdische Stimmen durch Massenmeldungen eingeschränkt werden.

Rechtliche Grauzonen und politische Verantwortung

Rechtlich berufen sich US-Unternehmen häufig auf Section 230 des Communications Decency Act. Diese Regelung schützt Plattformen weitgehend vor Haftung für Nutzerinhalte. Sie entstand jedoch zu einer Zeit, als algorithmische Empfehlungssysteme in heutiger Form noch nicht existierten. In den USA wird inzwischen diskutiert, ob Unternehmen weiterhin uneingeschränkt immun bleiben sollten, wenn ihre Systeme aktiv zur Verbreitung schädlicher Inhalte beitragen.

Asor argumentiert, neue Gesetze seien nicht zwingend erforderlich, um Verantwortung zu übernehmen. Plattformen könnten ihre Moderationssysteme anpassen, um koordinierten Missbrauch zu erkennen. Sie könnten transparenter darlegen, wie antisemitische Inhalte bewertet werden. Sie könnten sicherstellen, dass Meldemechanismen nicht zur Unterdrückung legitimer Stimmen missbraucht werden.

Der Vorwurf wiegt schwer: Wenn Plattformen mit globaler Reichweite antisemitische Inhalte dulden oder algorithmisch verstärken, während jüdische Nutzer systematisch eingeschränkt werden, entstehe kein neutraler Diskursraum, sondern eine verzerrte Öffentlichkeit. Für Asor ist das keine abstrakte Debatte, sondern persönliche Erfahrung.

Antisemitismus hat eine lange Geschichte. Im digitalen Zeitalter verbreitet er sich mit neuer Geschwindigkeit. Die Frage, ob Technologieunternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, ist damit nicht nur eine wirtschaftliche oder juristische. Sie betrifft den Schutz von Minderheiten und die Stabilität demokratischer Diskurse weltweit.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Austin McKinley - Own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26332675

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 14. Februar 2026

Unterstütze unser Projekt


Newsletter