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Hollywood-Stars fordern Freiheit für wegen fünf Morden verurteilten Marwan Barghouti


Benedict Cumberbatch, Mark Ruffalo, Cate Blanchett, Tilda Swinton und weitere Stars unterstützen eine Kampagne für die Freilassung Marwan Barghoutis. In den Appellen erscheint er vor allem als politischer Gefangener. Dass ein israelisches Gericht ihn wegen fünf Morden verurteilte, gerät dabei auffällig in den Hintergrund.

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Hollywood entdeckt einen neuen Gefangenen, für dessen Freiheit sich internationale Prominenz einsetzen soll.

Mehr als 200 Schauspieler, Musiker, Autoren und Regisseure unterstützen inzwischen die Kampagne „Freedom for Marwan“. Unter den Unterzeichnern befinden sich zahlreiche weltbekannte Namen, darunter Benedict Cumberbatch, Mark Ruffalo, Cate Blanchett, Tilda Swinton und Ian McKellen. Mehr als 20 der Unterstützer waren in Marvel-Produktionen zu sehen.

Sie fordern die Vereinten Nationen und Regierungen weltweit auf, sich für die Freilassung Marwan Barghoutis aus israelischer Haft einzusetzen.

Was in dieser Kampagne leicht zur Randnotiz wird, gehört jedoch an den Anfang jeder seriösen Darstellung:

Marwan Barghouti wurde wegen fünf Morden verurteilt.

Nicht wegen einer Rede. Nicht wegen einer Demonstration. Nicht deshalb, weil er einen palästinensischen Staat fordert.

Ein israelisches Gericht sprach ihn 2004 in fünf Fällen des Mordes sowie wegen versuchten Mordes schuldig. Das Urteil lautete auf fünf aufeinanderfolgende lebenslange Haftstrafen und weitere 40 Jahre Gefängnis.

Zu den Taten, für die er verurteilt wurde, gehörte der Anschlag auf das Seafood Market Restaurant in Tel Aviv im März 2002. Drei Menschen wurden dort ermordet.

Barghouti wurde außerdem für die Ermordung des griechisch-orthodoxen Mönchs Georgios Tsibouktzakis und für einen weiteren tödlichen Angriff verantwortlich gemacht und verurteilt.

Das Gericht sprach ihn in anderen Anklagepunkten frei, weil es seine Verantwortung dort nicht als ausreichend bewiesen ansah. Umso eindeutiger ist, was nach dem Verfahren übrig blieb:

Fünf nachgewiesene Morde. Fünf lebenslange Haftstrafen.

Hollywood macht aus dem Täter eine Symbolfigur

In der internationalen Kampagne klingt das anders.

Dort steht vor allem der Gefangene Barghouti im Mittelpunkt. Es ist von seiner langen Haft, angeblichen Misshandlungen und verweigerten Rechten die Rede. Seine Familie und Unterstützer präsentieren ihn als politische Führungsfigur und fordern seine Freilassung.

Die Opfer seiner Taten spielen in dieser Erzählung kaum eine Rolle.

Genau darin liegt das Problem.

Natürlich darf jeder die Freilassung eines Gefangenen fordern. Auch verurteilte Mörder können Gegenstand politischer Verhandlungen oder Gefangenenaustausche werden.

Aber dann sollte man auch sagen, wen man freihaben möchte.

Wer für Marwan Barghouti unterschreibt, setzt sich nicht einfach für einen palästinensischen Politiker ein.

Er setzt sich für einen Mann ein, der wegen der Ermordung von fünf Menschen verurteilt wurde.

Diese Tatsache wird nicht weniger wahr, weil Barghouti heute bei vielen Palästinensern populär ist. Sie verschwindet auch nicht dadurch, dass Prominente seinen Namen unter eine politische Petition setzen.

Die Opfer verschwinden, der Täter bekommt die Bühne

Das Muster ist inzwischen bekannt.

Ein wegen schwerer Gewalttaten verurteilter Palästinenser wird international zum „Widerstandskämpfer“, „Führer“ oder „politischen Gefangenen“. Seine Haft wird ausführlich beschrieben, seine angebliche zukünftige politische Bedeutung analysiert und seine Freilassung zur moralischen Forderung erhoben.

Die Menschen, die wegen seiner Taten nicht mehr leben, verschwinden aus dem Bild.

Bei Barghouti ist diese Verschiebung besonders drastisch.

Er gilt als einer der populärsten palästinensischen Politiker und könnte bei einer künftigen Präsidentschaftswahl eine zentrale Rolle spielen. Seine Anhänger stellen ihn deshalb seit Jahren als möglichen Einiger der Palästinenser und teilweise sogar als palästinensischen Nelson Mandela dar.

Doch Nelson Mandela saß nicht fünfmal lebenslang wegen fünf gerichtlich festgestellter Morde an Zivilisten im Gefängnis.

Dieser Unterschied ist keine Nebensache.

Er ist der Kern der Geschichte.

Dass prominente Schauspieler ihre enorme öffentliche Reichweite nun für Barghoutis Freilassung einsetzen, macht seine Vergangenheit nicht weniger relevant. Im Gegenteil: Gerade wer Millionen Menschen erreicht, trägt Verantwortung dafür, wem er eine internationale Bühne verschafft.

Mark Ruffalo, Benedict Cumberbatch, Cate Blanchett und die anderen Unterzeichner können Barghoutis Freilassung fordern.

Aber sie können seine Opfer nicht aus seinem Urteil streichen.

Und sie können aus fünf Mordverurteilungen keine bloße politische Gefangenschaft machen.

Marwan Barghouti sitzt in Israel fünfmal lebenslang in Haft, weil ein Gericht ihn wegen fünf Morden verurteilt hat. Wer seine Freiheit fordert, sollte wenigstens den Mut haben, diesen Satz ebenfalls auszusprechen.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 23. August 2026

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