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New Yorker Trans-Gruppe jubelt Irans Revolutionsgarden zu


„Arm the Dollz“ versteht sich als sozialistische, von schwarzen Transfrauen geführte Organisation. Gleichzeitig solidarisiert sich die Gruppe offen mit dem iranischen Regime, der sogenannten Achse des Widerstands und den Revolutionsgarden. Ausgerechnet einem Staat, dessen Repression auch Frauen und sexuelle Minderheiten trifft.

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Eine New Yorker Aktivistengruppe, die sich ausdrücklich als Vertreterin von Transmenschen und anderen gesellschaftlich benachteiligten Gruppen präsentiert, solidarisiert sich offen mit dem iranischen Regime und dessen militärischen Verbündeten.

Ausgangspunkt ist ein von MEMRI verbreiteter Videoausschnitt einer proiranischen Veranstaltung mit Beteiligung des Umfelds der Workers World Party und von „Arm the Dollz“. Doch die politische Haltung der Gruppe hängt nicht von der Interpretation dieses einzelnen Videos ab. Sie lässt sich in ihren eigenen Veröffentlichungen nachlesen.

„Arm the Dollz“ bezeichnet sich als von schwarzen Transfrauen geführte revolutionäre beziehungsweise sozialistische Organisation. In einer im März veröffentlichten Erklärung stellte sich die Gruppe ausdrücklich hinter Iran, Libanon und Palästina sowie hinter die sogenannte „Achse des Widerstands“. Damit ist das von Teheran aufgebaute Netzwerk bewaffneter Organisationen und Verbündeter gemeint.

Noch deutlicher wird es bei den Revolutionsgarden.

In derselben Erklärung schreibt die Gruppe, sie freue sich über Angriffe der iranischen Revolutionsgarden auf amerikanische Militärstützpunkte am Golf und auf Israel. Der Text würdigt zudem den früheren iranischen Revolutionsführer Ali Khamenei und ruft zur Zerstörung des westlichen Imperialismus auf.

Damit geht es längst nicht mehr um die Forderung nach einem Waffenstillstand oder um Kritik an einer israelischen Regierung.

Eine amerikanische Aktivistengruppe erklärt ihre Solidarität mit einem Machtapparat, der von den Vereinigten Staaten als Terrororganisation eingestuft wurde. Das US-Außenministerium nahm die iranischen Revolutionsgarden 2019 in die Liste ausländischer Terrororganisationen auf.



Der Widerspruch zu den eigenen Forderungen

Besonders auffällig ist, mit welcher Begründung „Arm the Dollz“ diese Position vertritt.

Die Gruppe verbindet ihre Solidarität mit Iran ausdrücklich mit dem Kampf für Transrechte in den Vereinigten Staaten. Einschränkungen bei medizinischer Versorgung, Gefängnispolitik und der Umgang mit Transmigranten werden als Ausdruck amerikanischen Imperialismus beschrieben. Daraus leitet die Organisation ihre Solidarität mit der Islamischen Republik und der „Achse des Widerstands“ ab.

Dabei blendet sie aus, wie der iranische Staat selbst mit sexuellen Minderheiten und politischen Gegnern umgeht.

Der UN-Menschenrechtsausschuss stellte fest, dass einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen in Iran kriminalisiert werden und unter bestimmten Voraussetzungen sogar mit dem Tod bestraft werden können. UN-Experten berichteten zudem über Belästigungen und Festnahmen von LGBT-Personen, Misshandlungen in Haft sowie über Fälle, in denen homosexuelle Menschen unter Druck gesetzt worden sein sollen, geschlechtsangleichende Eingriffe vorzunehmen.

Auch die Repression gegen Frauen und Regimegegner ist kein historisches Thema. UN-Sonderberichterstatter berichteten noch 2026 über willkürliche Festnahmen, Verschwindenlassen, Folter und Todesurteile im Zusammenhang mit den landesweiten Protesten.

„Arm the Dollz“ kennt diesen Widerspruch durchaus.

Bereits 2025 organisierte die Gruppe gemeinsam mit anderen antiimperialistischen Organisationen eine Veranstaltung, bei der Kritik an Iran wegen Frauen- und LGBT-Rechten als Instrument westlicher Kriegspropaganda und als „Pinkwashing“ behandelt wurde.

Die Logik ist damit bemerkenswert konsequent: Menschenrechtsverletzungen des iranischen Regimes werden nicht zum Anlass genommen, die Solidarität mit Teheran zu hinterfragen. Stattdessen wird die Thematisierung dieser Menschenrechtsverletzungen selbst als Teil westlicher Machtpolitik betrachtet.

Solidarität reicht bis zur „Achse des Widerstands“

Es handelt sich auch nicht um eine einmalige Entgleisung.

Bei einer im März in New York veranstalteten proiranischen Kundgebung gehörte „Arm the Dollz“ zu einer Koalition beteiligter Gruppen. Nach einer Dokumentation der Anti-Defamation League wurden dort die Revolutionsgarden ausdrücklich unterstützt und bewaffneter Kampf gegen „Zionismus“ und amerikanischen Imperialismus propagiert. Die Aussage eines Redners kann nicht automatisch jeder beteiligten Organisation zugerechnet werden. Die politische Umgebung, in der Arm the Dollz auftritt, ist damit jedoch dokumentiert.

Auch eine Gedenkveranstaltung für den iranischen Revolutionsführer wurde von einer Koalition organisiert, der neben Arm the Dollz unter anderem Bronx Anti-War Coalition, Workers World Party und International Action Center angehörten. Die Organisatoren erklärten dort ihre militante Solidarität mit Iran gegen das, was sie als amerikanisch-zionistische Herrschaft bezeichneten.

Im Juni tauchte dieselbe politische Verbindung sogar bei einer Pride-Veranstaltung in der Bronx auf.

Der Fotojournalist Javier Soriano dokumentierte beim „People's Pride“ neben Palästina- und Iranflaggen auch eine Flagge der Hisbollah. Arm the Dollz gehörte zu den teilnehmenden Organisationen. Bronx Anti-War erklärte anschließend selbst, queere und trans Teilnehmer hätten iranische und Hisbollah-Flaggen getragen und den sogenannten Widerstand gegen amerikanischen Imperialismus gefeiert.

Auch hier gilt: Das Tragen einer Hisbollah-Flagge durch einzelne Teilnehmer beweist nicht, dass jedes Mitglied jeder beteiligten Gruppe sämtliche Positionen der Terrororganisation teilt.

Bei Arm the Dollz kommt jedoch die eigene schriftliche Solidaritätserklärung mit der „Achse des Widerstands“ hinzu.

Das macht den politischen Zusammenhang erheblich eindeutiger.

Wenn Anti-Zionismus alles überlagert

Gerade darin liegt die eigentliche Geschichte.

Dass radikale linke Gruppen amerikanische Außenpolitik ablehnen, ist nicht neu. Auch Solidarität mit Palästinensern oder Widerstand gegen einen Krieg mit Iran ist für sich genommen weder extremistisch noch antisemitisch.

Hier wird jedoch eine andere Schwelle überschritten.

Eine Organisation, die ihre eigene politische Identität wesentlich aus dem Schutz gesellschaftlicher Minderheiten ableitet, jubelt militärischen Angriffen eines autoritären Regimes zu und solidarisiert sich mit dessen bewaffnetem Bündnissystem.

Der gemeinsame Nenner ist nicht eine progressive Menschenrechtspolitik.

Der gemeinsame Nenner ist der Gegner: Israel und die Vereinigten Staaten.

Das erklärt, weshalb ideologische Gegensätze plötzlich zweitrangig werden. Ein islamistisches Regime und eine marxistisch-leninistische Transorganisation müssen hinsichtlich Gesellschaft, Religion, Sexualität oder individueller Freiheit praktisch nichts gemeinsam haben, solange beide denselben politischen Feind definieren.

Genau deshalb ist diese Allianz bemerkenswert.

Nicht weil Transmenschen bestimmte politische Meinungen haben dürfen oder nicht dürfen.

Sondern weil eine Gruppe, die sich auf Befreiung und Minderheitenrechte beruft, ausgerechnet jene Kräfte als Verbündete feiert, deren Herrschaftssystem solche Rechte massiv einschränkt.

Wer die Revolutionsgarden bejubelt, kann deren Rolle nicht ausblenden.

Wer die „Achse des Widerstands“ unterstützt, kann Hisbollah, iranische Milizen und andere bewaffnete Organisationen nicht einfach aus dieser Bezeichnung herauslösen.

Und wer Menschenrechte zum Kern seiner eigenen politischen Identität macht, muss sich die Frage gefallen lassen, weshalb diese Rechte offenbar dort weniger zählen, wo ihre Verletzung nicht dem Westen oder Israel angelastet werden kann.

Das ist der Widerspruch hinter Arm the Dollz.

Und er zeigt, wie weit Teile einer radikalen antiisraelischen Szene inzwischen bereit sind zu gehen, wenn Anti-Zionismus und Anti-Amerikanismus zum übergeordneten politischen Prinzip werden.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 20. August 2026

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