Liebe Leserinnen und Leser,
haOlam.de wird privat betrieben – ohne Verlag, ohne Unterstützung durch Institutionen. Damit wir unsere Arbeit auch 2026 fortführen können, möchten wir bis Jahresende mindestens 6.000 Euro erreichen, ideal wären 10.000 Euro. Jeder Beitrag hilft – auch kleine Beträge machen einen Unterschied.

Iran-Krieg überdehnt die US Navy, Trump erhöht gleichzeitig den Umbau-Druck


Monatelange Einsätze, beschädigte Logistik im Golf und eine bis an die Belastungsgrenze gefahrene USS Abraham Lincoln setzen die US Navy unter Druck. Gleichzeitig ordnet Donald Trump einen kostspieligen technischen Kurswechsel bei neuen Flugzeugträgern an und treibt eine Kriegsschiffflotte voran, die nach Schätzung des Kongresses 275 Milliarden Dollar kosten könnte.

haOlam-News.de - Nachrichten aus Israel, Deutschland und der Welt.

Die amerikanische Marine ist im Iran-Krieg zu einem der wichtigsten Instrumente Washingtons geworden. Flugzeugträger sichern die militärischen Operationen und die Blockade iranischer Häfen, Zerstörer überwachen die Seewege und zehntausende Soldaten sind seit Monaten in der Region gebunden. Verteidigungsminister Pete Hegseth sagt, die USA könnten die Blockade grundsätzlich unbegrenzt aufrechterhalten, indem Schiffe regelmäßig ausgetauscht werden.

Doch genau dieser Austausch funktioniert derzeit nur unter erheblichem Druck.

Besonders sichtbar wird das an der USS Abraham Lincoln. Der Flugzeugträger ist seit November 2025 im Einsatz und befindet sich seit Januar im Nahen Osten. Associated Press korrigierte inzwischen eine wichtige Zahl: Nicht mehr als 260 Tage ohne jeden Hafenaufenthalt, wie teilweise berichtet wurde, sondern mehr als 240 Tage ununterbrochen auf See und insgesamt mehr als 260 Tage im Einsatz. Auch das ist außergewöhnlich. Die übliche Dauer eines Flugzeugträgereinsatzes liegt deutlich darunter.

Rund 5.000 Menschen dienen auf dem Schiff. Angehörige und demokratische Abgeordnete berichten von Problemen mit der Wasserversorgung, sanitären Anlagen, Grundbedarf, Post und psychischer Belastung. Senator Richard Blumenthal wandte sich deshalb an das Pentagon. Mehrere Medien berichteten zudem über Seeleute, die über Bord gingen oder daran gehindert worden sein sollen. Die Navy hat zwar psychische Krisenfälle bestätigt, bestreitet aber, dass eine generelle Zunahme suizidalen Verhaltens nachgewiesen sei.

Hegseth weist die Darstellung katastrophaler Zustände als überzogen zurück. Die Besatzung werde nach Kräften versorgt, Kriegseinsätze könnten länger dauern als normale Missionen. Gleichzeitig befindet sich die USS George Washington auf dem Weg in die Region, um die Lincoln abzulösen.

Damit ist die Lage ernst, aber die Überschrift vom angeblich "sinkenden" amerikanischen Flottenverband wäre zu dramatisch. Die US Navy ist weiterhin die mit Abstand leistungsfähigste Marine des Westens. Das eigentliche Problem ist Überdehnung.

Iran traf einen entscheidenden Nerv der US-Logistik

Dass die Belastung so stark gestiegen ist, liegt nicht nur an der Dauer des Krieges.

Iran hat zu Beginn der Auseinandersetzung gezielt amerikanische Stützpunkte in der Golfregion angegriffen. Besonders betroffen war die Naval Support Activity Bahrain in Manama, Heimat des Hauptquartiers der 5. US-Flotte.

Iranische Drohnen trafen die Anlage am 28. Februar. Verifizierte Aufnahmen und Satellitenbilder zeigten zerstörte beziehungsweise beschädigte Kommunikationsanlagen. Zwei große SATCOM-Terminals wurden nach Auswertung von Satellitenbildern zerstört, zudem wurden weitere Teile der Basis getroffen. Amerikanisches Personal wurde zeitweise aus dem unmittelbar angrenzenden Gebiet gebracht.

Damit traf Iran einen neuralgischen Punkt. Bahrain ist nicht irgendein Stützpunkt. Von dort koordiniert die 5. Flotte seit Jahrzehnten amerikanische Marineoperationen im Persischen Golf, Arabischen Meer und Roten Meer.

N12 berichtet unter Berufung auf die New York Times, dass die US-Streitkräfte in der Folge einen bedeutenden Teil ihrer Versorgungslogistik auf den britisch-amerikanischen Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean verlagerten. Dass Diego Garcia im laufenden Krieg erheblich stärker für amerikanische Logistik genutzt wird, ist auch anderweitig dokumentiert. Die USS Tripoli legte dort beispielsweise auf ihrem Weg in das CENTCOM-Gebiet einen Logistikstopp ein.

Das Problem liegt auf der Karte: Diego Garcia befindet sich tausende Kilometer vom Operationsgebiet am Golf entfernt. Jeder zusätzliche Kilometer bedeutet längere Nachschubwege für Lebensmittel, Ersatzteile, Munition und Personal.

Selbst Diego Garcia ist dabei nicht vollkommen außerhalb iranischer Reichweite. Im März feuerte Iran zwei ballistische Raketen in Richtung der Insel. Nach amerikanischen und britischen Angaben erreichte keine das Ziel, eine versagte, die zweite wurde abgefangen.

Der Iran-Krieg zeigt damit eine Schwachstelle amerikanischer Machtprojektion: Ein Flugzeugträger kann monatelang auf See bleiben, aber auch ein nuklear angetriebenes Schiff benötigt eine gewaltige logistische Infrastruktur.

Und genau diese Infrastruktur versucht Iran anzugreifen.

Während die Flotte kämpft, ordnet Trump einen technischen Rückwärtsgang an

Ausgerechnet in dieser Situation verlangt Präsident Donald Trump tiefgreifende Änderungen an den kommenden amerikanischen Flugzeugträgern.

Am 13. August ordnete Trump an, bei zukünftigen Schiffen der Ford-Klasse wieder auf Dampfkatapulte zum Start von Flugzeugen zurückzugehen. Das betrifft zunächst die zukünftige USS Doris Miller. Die ersten drei Schiffe der Klasse behalten das elektromagnetische EMALS-System.

Trump kritisiert EMALS seit Jahren als zu kompliziert und zu teuer.

Das Problem: Die Doris Miller ist längst für EMALS geplant. General Atomics erklärte, die Produktion der entsprechenden Systeme sei bereits fast zur Hälfte abgeschlossen. Ein Wechsel zu diesem Zeitpunkt berge erhebliche Risiken für Kosten, Zeitplan und Integration. Reuters berichtet, allein die Umplanung könne Hunderte Millionen Dollar kosten, AP hält zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe für möglich.

Hinzu kommt, dass die Navy selbst EMALS inzwischen ausdrücklich positiv bewertet. NAVAIR nennt als Vorteile gegenüber Dampfkatapulten höhere Effizienz, präzisere Beschleunigung, weniger Belastung für Flugzeuge, geringeren Personal- und Wartungsbedarf und die Möglichkeit, ein größeres Spektrum unterschiedlicher Flugzeuge zu starten.

Das System hatte in seiner Entwicklung erhebliche Schwierigkeiten. Inzwischen hat es jedoch zehntausende Starts absolviert. Reuters nennt für die USS Gerald R. Ford bis März 2026 insgesamt 36.863 EMALS-Starts.

Auch bei der Doris Miller gibt es eine relevante Korrektur zur N12-Darstellung: Das Schiff soll nach aktueller Planung nicht bereits 2032 in Dienst gehen. Reuters nennt eine erwartete Lieferung Anfang 2034. Der ursprüngliche EMALS-Vertrag sah Unterstützungsleistungen bis 2032 vor, was vermutlich zur Verwechslung geführt hat.

N12 berichtet außerdem unter Berufung auf die Washington Post, dass innerhalb der Navy erneut untersucht werde, den sogenannten "Island", also den Kommandoturm zukünftiger Träger, weiter Richtung Schiffsmitte zu verschieben. Eine solche Änderung wäre weit mehr als Kosmetik, weil sie Flugdeck, Gewichtsverteilung, Versorgungsleitungen und interne Strukturen beeinflussen würde. Eine endgültige Entscheidung hierzu ist bislang nicht bekannt.

Noch größer wird die finanzielle Dimension bei Trumps "Golden Fleet".

Das Congressional Budget Office schätzt das erste geplante nuklear angetriebene Schlachtschiff inzwischen auf ungefähr 23 Milliarden Dollar. Für 15 weitere Schiffe kalkuliert das CBO im Durchschnitt jeweils etwas mehr als 18 Milliarden Dollar. Zusammen könnte das Programm bis 2056 rund 275 Milliarden Dollar verschlingen.

Und Geld allein löst das Problem nicht.

Die amerikanische Schiffbauindustrie kämpft bereits mit Verzögerungen und begrenzten Kapazitäten. Das CBO weist darauf hin, dass die Navy seit Jahren mehr Schiffe plant, als die Werften tatsächlich termingerecht liefern können.

Der Plan für die neuen nuklearen Schlachtschiffe zeigt das Dilemma besonders deutlich. Module sollen in mehreren Werften entstehen, die Endmontage ist in Newport News vorgesehen. Dort werden jedoch bereits die Ford-Flugzeugträger und Teile der amerikanischen nuklearen U-Boot-Flotte gebaut. Die Navy behauptet, die Kapazität könne entsprechend organisiert werden. Ob das ohne zusätzliche Verzögerungen gelingt, ist eine andere Frage.

Damit treffen derzeit drei Probleme gleichzeitig aufeinander.

Der Iran-Krieg verschleißt Schiffe und Besatzungen schneller als vorgesehen. Iran hat wichtige amerikanische Logistikstandorte angegriffen und damit die Versorgung erschwert. Gleichzeitig verlangt das Weiße Haus kostspielige technische Änderungen und eine massive Erweiterung der Flotte.

Die USA können diese Belastung kurzfristig tragen. Hegseths Aussage, die Blockade könne durch Rotation der Schiffe unbegrenzt fortgeführt werden, ist militärisch nachvollziehbar.

Die schwierigere Frage ist, was diese Rotation nach Monaten und Jahren noch kostet.

Denn ein Flugzeugträger, der neun oder elf Monate im Kriegseinsatz bleibt, fehlt anschließend für Wartung, Ausbildung und andere Regionen. Ein Schiff, dessen Konstruktion während des Baus grundlegend verändert wird, kommt später und teurer. Und ein neues Schlachtschiffprogramm hilft der heute überlasteten Flotte erst in vielen Jahren.

Iran muss die US Navy deshalb nicht besiegen, um ihr Probleme zu bereiten.

Es reicht, Washington zu zwingen, immer mehr Schiffe, Besatzungen, Nachschub und Geld über immer längere Zeiträume zu binden.

Genau das geschieht derzeit.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Montag, 17. August 2026

Unterstütze unser Projekt


Newsletter