Dritter Angriff in einem Jahr: Antisemitische Schmiererei an jüdischem Museum in Philadelphia
Erneut wird das Weitzman National Museum of American Jewish History zum Ziel antisemitischer Hetze. Ein Unbekannter beschmierte ausgerechnet die bekannte OY/YO-Skulptur vor dem Museum. Schon 2025 war das Haus zweimal innerhalb weniger Tage attackiert worden.

Das Weitzman National Museum of American Jewish History in Philadelphia ist erneut Ziel eines mutmaßlich antisemitischen Angriffs geworden. Nach Angaben der Polizei beschmierte ein bislang unbekannter Mann am Donnerstagabend die vor dem Museum stehende OY/YO-Skulptur mit einer antisemitischen Botschaft.
Der Vorfall ereignete sich gegen 20.15 Uhr unmittelbar vor dem Museum im historischen Zentrum Philadelphias, nur wenige Schritte von Independence Hall und Liberty Bell entfernt. Die konkrete Formulierung der Schmiererei wurde von der Polizei bislang nicht veröffentlicht.
Überwachungskameras zeichneten den mutmaßlichen Täter auf. Nach Angaben der Jerusalem Post konnte nachvollzogen werden, wie er nach der Tat zu einer nahe gelegenen Station ging und in einen Zug stieg. Festgenommen wurde er bislang nicht.
Die antisemitische Schmiererei wurde inzwischen entfernt.
Damit wurde eines der bedeutendsten jüdischen Museen der Vereinigten Staaten innerhalb von rund zwölf Monaten zum dritten Mal angegriffen.
Schon 2025 zweimal mit roter Farbe attackiert
Im August 2025 war das Weitzman Museum bereits zweimal innerhalb weniger Tage mit roter Farbe beschmiert worden. Besonders betroffen war damals eine große israelische Flagge an der Außenfassade mit der Botschaft „The Weitzman Stands With Israel“.
Am 18. August wurde die Fassade erstmals mit roter Farbe besprüht. Nur eine Woche später folgte ein zweiter Angriff. Die Vorfälle lösten innerhalb der jüdischen Gemeinde Philadelphias erhebliche Empörung aus.
Das Museum erwog anschließend zunächst, die israelische Flagge im Zuge einer ohnehin geplanten Änderung der Fassade vorübergehend abzunehmen. Nach Kritik aus der jüdischen Gemeinschaft änderte die Leitung diese Entscheidung ausdrücklich, um nicht den Eindruck entstehen zu lassen, vor den Vandalen einzuknicken. Die Flagge sollte wieder aufgehängt werden.
Später stellte sich ein 33 Jahre alter Mann aus New Jersey der Polizei. Gegen ihn wurden unter anderem Vorwürfe wegen ethnischer Einschüchterung und Sachbeschädigung erhoben.
Nun trifft es ein anderes Symbol des Museums.
Die monumentale OY/YO-Skulptur der jüdischen Künstlerin Deborah Kass verbindet bewusst jüdische und lokale Identität. Von einer Seite sind die Buchstaben „OY“ zu lesen, die bekannte jiddische Interjektion. Von der anderen Seite erscheint „YO“, ein umgangssprachlicher Gruß, der besonders eng mit Philadelphia verbunden ist.
Gerade dieses Kunstwerk mit einer antisemitischen Botschaft zu beschmieren, besitzt deshalb eine besondere Symbolik.
Hier wird nicht die israelische Regierung kritisiert.
Hier wird ein ausdrücklich jüdischer Ort mit antisemitischer Sprache markiert.
Muslimischer Abgeordneter meldete den Vorfall
Entdeckt wurde die Schmiererei ausgerechnet von Tarik Khan, einem demokratischen Abgeordneten im Parlament von Pennsylvania.
Khan ist Muslim, gehört aber dem Pennsylvania Jewish Legislative Caucus an und pflegt seit Jahren enge Beziehungen zur jüdischen Gemeinschaft. Nach eigenen Worten wuchs er als muslimisches Kind in einem jüdisch geprägten Viertel mit einer katholischen Mutter auf.
Er meldete die Beschädigung der Polizei.
Gegenüber dem Fernsehsender WPVI erklärte Khan, der Anblick habe ihm den Magen umgedreht. Unabhängig davon, ob jemand Jude sei oder nicht, müsse man sich gegen Hass in der eigenen Gemeinschaft stellen.
Diese Reaktion ist gerade in einer Zeit wichtig, in der Antisemitismus zu häufig sofort entlang politischer Lager relativiert wird.
Ein antisemitischer Angriff auf ein jüdisches Museum braucht keine komplizierte politische Erklärung. Er muss verurteilt werden.
Die Zahlen der Anti-Defamation League zeigen zugleich, dass der Vorfall nicht isoliert betrachtet werden kann.
Für Pennsylvania registrierte die ADL im Jahr 2025 insgesamt 281 antisemitische Vorfälle. Zwar waren das 40 Prozent weniger als im außergewöhnlich belasteten Jahr 2024, doch Pennsylvania lag damit weiterhin auf Platz fünf aller US-Bundesstaaten. Allein 80 Fälle waren antisemitische Sachbeschädigungen. Philadelphia war mit 106 registrierten Vorfällen der mit Abstand stärkste Schwerpunkt innerhalb des Bundesstaates.
Besonders bemerkenswert ist die längerfristige Entwicklung.
2022 hatte die ADL in Pennsylvania noch 29 Fälle antisemitischer Sachbeschädigung registriert. 2025 waren es 80. Damit hat sich die Zahl innerhalb von drei Jahren nahezu verdreifacht.
Gleichzeitig sollte die Entwicklung nicht verzerrt werden. Insgesamt gingen antisemitische Vorfälle in Pennsylvania 2025 gegenüber dem Rekordjahr 2024 deutlich zurück. Das Problem ist also nicht, dass jede einzelne Statistik ununterbrochen steigt.
Das Problem ist das Niveau, auf dem sich Antisemitismus inzwischen bewegt.
Jüdische Museen, Synagogen, Universitäten, Unternehmen und Privatpersonen werden weiterhin regelmäßig zum Ziel. 63 der von der ADL 2025 in Pennsylvania registrierten Vorfälle richteten sich gegen jüdische Einrichtungen.
Das Weitzman Museum steht dafür inzwischen exemplarisch.
Im vergangenen Sommer wurde seine Israel-Solidarität mit roter Farbe attackiert. Ein Jahr später wird die jüdische Skulptur vor dem Gebäude mit einer antisemitischen Botschaft beschmiert.
Der Täter mag gewechselt haben.
Das Ziel ist dasselbe geblieben.
Eine jüdische Institution soll eingeschüchtert, beschädigt und öffentlich markiert werden.
Das Museum selbst steht ausgerechnet auf der Independence Mall, jenem Ort, an dem amerikanische Geschichte, Freiheit und Gleichberechtigung beinahe museal verdichtet sind.
Dass dort heute ein jüdisches Museum zum dritten Mal innerhalb eines Jahres angegriffen wird, ist deshalb mehr als eine lokale Sachbeschädigung.
Es ist ein ziemlich bitterer Kommentar dazu, wie selbstverständlich jüdische Einrichtungen selbst im Herzen amerikanischer Geschichte wieder Ziel von Hass werden können.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 16. August 2026