Der falsche jüdische Josh entlarvt die Anti-Israel-Linke
Summer Lee greift Josh Gottheimer an, meint aber offenbar Josh Shapiro. Ilhan Omar will helfen und wird von ihrer eigenen Abstimmung eingeholt. Was wie eine peinliche Verwechslung wirkt, zeigt den gefährlichen Zustand der Demokratischen Partei.

Manchmal reicht ein einziger Satz, um ein politisches Problem sichtbar zu machen, das sich seit Jahren durch eine Partei frisst. Der demokratische Kongressabgeordnete Josh Gottheimer benötigte dafür nur wenige Worte: „Du weißt, dass das der andere jüdische Mann namens Josh war, oder?“
Dieser Satz traf Summer Lee härter als jede lange Erwiderung. Die progressive Abgeordnete aus Pennsylvania hatte Gottheimer vorgeworfen, zu jenen Demokraten zu gehören, die Geschosse unterschrieben und anschließend dafür gestimmt hätten, sie abwerfen zu lassen. Nur hatte Gottheimer nie ein solches Geschoss unterschrieben. Das bekannte Foto zeigte einen anderen demokratischen Politiker: Pennsylvanias Gouverneur Josh Shapiro. Wie Gottheimer ist auch er Jude, ein entschiedener Unterstützer Israels und ein innerparteilicher Gegner des sozialistischen Flügels.
Genau darin liegt die Brisanz. Lee verwechselte nicht zwei unbekannte Lokalpolitiker. Sie richtete ihren Angriff gegen einen jüdischen Demokraten und landete bei einem anderen jüdischen Demokraten, der denselben Vornamen trägt und ebenfalls als proisraelisch gilt. Gottheimers Reaktion war deshalb keine beiläufige Spitze. Sie legte offen, wie austauschbar solche Politiker im Feindbild eines Teils der amerikanischen Linken inzwischen erscheinen.
Ein Foto aus der Ukraine wird zur politischen Waffe
Das Bild, um das gestritten wurde, entstand im September 2024 im Scranton Army Ammunition Plant in Pennsylvania. Josh Shapiro besuchte die Fabrik gemeinsam mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Dort werden großkalibrige Geschosse hergestellt, die zur Verteidigung der Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg bestimmt waren. Mit Israel oder dem Gazastreifen hatte der Besuch nichts zu tun.
Summer Lee schrieb dennoch an Gottheimer gerichtet: Was sei mit Demokraten, die Geschosse unterschrieben und dafür gestimmt hätten, sie abwerfen zu lassen? Der Vorwurf konnte sich nur auf Shapiros Besuch beziehen. Gottheimer antwortete mit dem Hinweis auf den „anderen jüdischen Mann namens Josh“. Statt den offenkundigen Fehler einzugestehen, schaltete sich Ilhan Omar ein. Shapiro habe die Geschosse unterschrieben, deren Einsatz Gottheimer durch seine Stimme ermöglicht habe, erklärte sie sinngemäß.
Der Rettungsversuch machte die Blamage größer. Gottheimer hatte tatsächlich für das amerikanische Hilfspaket für die Ukraine gestimmt. Ilhan Omar ebenfalls. Auch Summer Lee stimmte dafür. Die offizielle Abstimmungsliste des Repräsentantenhauses weist bei allen drei Abgeordneten ein Ja aus. Omar und Lee griffen Gottheimer somit für eine Entscheidung an, die sie selbst mitgetragen hatten.
Es war kein komplizierter parlamentarischer Vorgang, bei dem sich Einzelheiten leicht verwechseln lassen. Das Paket trug den eindeutigen Namen „Ukraine Security Supplemental Appropriations Act“. Shapiro besuchte eine Fabrik mit dem ukrainischen Präsidenten. Die Geschosse waren für die Ukraine bestimmt. Lee verwechselte die Personen, Omar übersah ihre eigene Stimme und beide hielten dennoch am moralischen Angriff fest.
Omar schrieb in ihrem Beitrag nicht ausdrücklich, die Geschosse seien für Israel oder Gaza bestimmt gewesen. Diese Präzision ist wichtig, weil der direkte Wortlaut nicht verfälscht werden darf. Doch der politische Hintergrund lässt sich ebenso wenig ausblenden. Lee und Omar gehören zum antiisraelischen Flügel der Demokraten. Gottheimer und Shapiro stehen für jenen Teil der Partei, der das Bündnis mit Israel verteidigt und den wachsenden Einfluss der Democratic Socialists of America zurückdrängen will. Der Streit um die Ukraine wurde so innerhalb von Minuten zu einem weiteren Ausdruck des Kampfes um Israel, jüdische Identität und die Zukunft der Partei.
Gottheimers ursprünglicher Beitrag hatte sich gegen die DSA gerichtet. Diese seien keine Demokraten, sondern Sozialisten, die versuchten, die Partei zu übernehmen. Eine demokratische Partei könne viele politische Richtungen aufnehmen, aber nicht Menschen, die ihre grundlegenden Werte und ihre Führung bekämpften. Lee reagierte darauf nicht mit einer Verteidigung sozialistischer Politik. Sie wechselte sofort zu Bomben, Krieg und moralischer Schuld.
Das ist bezeichnend. Wer im linken Flügel der Demokraten einen proisraelischen Juden politisch treffen will, greift zunehmend nicht mehr dessen konkrete Argumente an. Er macht ihn zum Vertreter von Krieg, Bomben, Israel oder angeblicher Unterdrückung. Die Person verschwindet hinter der Zuschreibung. Am Ende genügt offenbar der falsche Vorname, solange der Betroffene jüdisch, ein Demokrat und nicht bereit ist, Israel preiszugeben.
Josh Shapiro ist das eigentliche Ziel des Richtungsstreits
Josh Shapiro ist für den linken Parteiflügel besonders unbequem. Er führt Pennsylvania, einen der wichtigsten umkämpften Bundesstaaten der USA, und gilt als möglicher Bewerber um die demokratische Präsidentschaftskandidatur 2028. Er verbindet eine erkennbare jüdische Identität und Unterstützung für Israel mit politischem Erfolg in einem Staat, den Demokraten ohne Stimmen aus der Mitte kaum gewinnen können.
Damit widerspricht er einer zentralen Behauptung der radikalen Progressiven: dass die Zukunft der Demokratischen Partei nur in einem scharfen Linksruck und einer Distanzierung von Israel liegen könne. Shapiro zeigt, dass ein Politiker offen jüdisch, proisraelisch und zugleich mehrheitsfähig sein kann. Für eine Bewegung, die Israel immer stärker zur Prüfung politischer Reinheit macht, ist das eine Provokation.
Schon bei der Auswahl der demokratischen Vizepräsidentschaftskandidaten 2024 wurde Shapiros Haltung zu Israel intensiver geprüft als bei anderen Bewerbern. Nach späteren Berichten wurde er im Auswahlverfahren sogar gefragt, ob er jemals für die israelische Regierung gearbeitet habe. Eine solche Frage an einen jüdischen amerikanischen Gouverneur berührt den alten antisemitischen Verdacht einer doppelten Loyalität.
Die Verwechslung mit Gottheimer fällt deshalb nicht in einen leeren Raum. Sie passt in ein Klima, in dem jüdische Demokraten häufiger beweisen sollen, dass ihre Bindung an Israel sie nicht politisch verdächtig macht. Wer Israel verteidigt, wird nicht nur in einer außenpolitischen Frage kritisiert. Er wird schnell als Vertreter einer angeblichen Kriegspolitik markiert.
Natürlich kann die Unterschrift auf einem Artilleriegeschoss kritisiert werden. Auch Waffenhilfe für die Ukraine ist keine heilige Handlung, die jeder politischen Debatte entzogen wäre. Doch wer solche Kritik übt, sollte wenigstens wissen, wen er beschuldigt, für welchen Krieg die Munition bestimmt war und wie er selbst darüber abgestimmt hat.
Lee und Omar scheiterten an allen drei Punkten.
Der Vorgang wäre nur eine amüsante Panne, wenn er nicht so viel über die Demokraten verraten würde. Der gemäßigte und proisraelische Flügel versucht, die Partei vor einer Übernahme durch radikale Sozialisten und antiamerikanische Aktivisten zu bewahren. Der progressive Flügel reagiert darauf mit moralischen Anklagen, bei denen Fakten offenbar zweitrangig werden. Entscheidend ist nur noch, wer als Gegner markiert werden soll.
Gottheimer war der falsche Josh. Shapiro war der richtige Josh. Die Geschosse waren für die Ukraine. Lee und Omar hatten selbst für die Hilfe gestimmt. Keine dieser Tatsachen hinderte sie daran, den Angriff fortzusetzen.
Das ist keine politische Stärke. Es ist eine Form ideologischer Selbstentlarvung.
Die Demokratische Partei steht vor einer Richtungsentscheidung. Sie kann jüdische Politiker wie Shapiro und Gottheimer als selbstverständlichen Teil ihrer politischen Breite behandeln. Oder sie kann zulassen, dass ihre Verbindung zu Israel sie zunehmend zu Verdächtigen innerhalb der eigenen Partei macht.
Der falsche Josh war nur ein Fehler in einem Beitrag auf X. Das dahinter erkennbare Feindbild ist sehr viel ernster.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 24. Juli 2026