Geheime Trump-Reden als Wettvorteil: Mitarbeiter soll über 100.000 Dollar gewonnen haben
Gabriel Perez sah die vorbereiteten Reden des US-Präsidenten kurz vor der Veröffentlichung. Nun wird geprüft, ob er dieses Wissen nutzte, um auf Trumps Worte zu wetten und hohe Gewinne zu erzielen.

Ein langjähriger Mitarbeiter von US-Präsident Donald Trump steht im Verdacht, seinen Zugang zu noch unveröffentlichten Redetexten für persönliche Wettgeschäfte genutzt zu haben. Gabriel Perez, der seit Trumps erstem Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2016 dessen Teleprompter bedient, soll auf der Handelsplattform Kalshi mehr als 100.000 Dollar gewonnen haben.
Nach übereinstimmenden Berichten von ABC News, Axios und dem Wall Street Journal untersucht die amerikanische Aufsichtsbehörde für den Terminhandel, die Commodity Futures Trading Commission, die Geschäfte von Perez. Dabei geht es nicht um gewöhnliche Wetten auf Wahlergebnisse oder politische Entscheidungen. Perez soll Verträge gekauft haben, deren Auszahlung davon abhing, ob Trump bei öffentlichen Auftritten bestimmte Wörter, Begriffe oder Themen erwähnen würde.
Perez verfügte dafür über einen entscheidenden Vorteil. Als technischer Mitarbeiter gehörte er nach Angaben mit dem Vorgang vertrauter Personen zu den letzten Menschen, die Trumps vorbereitete Reden vor dem öffentlichen Auftritt sahen. Er soll auch kurzfristige Änderungen des Präsidenten erhalten und anschließend in das Teleprompter-System übertragen haben. Damit kannte er Formulierungen, über die andere Teilnehmer auf Kalshi nur spekulieren konnten.
Das Weiße Haus reagierte nach Bekanntwerden der Vorwürfe und stellte Perez am 16. Juli 2026 unbezahlt vom Dienst frei. Sprecherin Karoline Leavitt erklärte, Trump habe die Angelegenheit als beschämend bezeichnet und die Entscheidung selbst getroffen. Zuvor hatte das Weiße Haus lediglich mitgeteilt, Perez arbeite mit den Ermittlern zusammen. Eine Verurteilung liegt nicht vor. Die Vorwürfe werden bislang im Rahmen einer aufsichtsrechtlichen Untersuchung geprüft.
Wetten auf einzelne Worte des Präsidenten
Kalshi betreibt sogenannte Prognosemärkte. Nutzer kaufen dort Verträge, deren Wert davon abhängt, ob ein bestimmtes Ereignis eintritt. Bei den betroffenen „Mention Markets“ konnten sie beispielsweise darauf setzen, ob Trump während einer Rede ein bestimmtes Land, eine Person oder einen politischen Begriff nennen würde.
Nach Angaben von ABC News fanden die Ermittler verdächtige Geschäfte zu mehr als einem Dutzend Reden innerhalb von etwa drei Monaten. Dazu sollen eine Fernsehansprache im Dezember, Trumps Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar, seine Rede zur Lage der Nation im Februar und eine Ansprache bei einer Ordensverleihung im März gehört haben.
Besonders auffällig ist der Verdacht, Perez habe nicht nur vor den Auftritten gehandelt. In einigen Fällen soll er Positionen noch während einer Rede zurückgezogen haben, nachdem Trump vom vorbereiteten Text abgewichen war und einen erwarteten Begriff nicht ausgesprochen hatte. Gerade dieses Verhalten könnte den Verdacht erhärtet haben, dass die Entscheidungen nicht allein auf politischer Einschätzung, sondern auf genauer Kenntnis der vorgesehenen Formulierungen beruhten.
Trump selbst hat wiederholt darauf hingewiesen, dass er häufig vom Teleprompter abweicht. Bei einer Rede im Januar erklärte er, er verlasse den vorbereiteten Text ungefähr 80 Prozent der Zeit. Für einen Händler, der die schriftliche Fassung kannte, bedeutete diese Unberechenbarkeit offenbar ein besonderes Risiko. Der mutmaßliche Informationsvorteil endete in dem Augenblick, in dem der Präsident improvisierte.
Kalshi erklärte, das eigene Überwachungssystem habe die auffälligen Geschäfte erkannt. Das Unternehmen habe die Vorgänge an die zuständige Behörde weitergeleitet, das Konto eingefroren und den Ermittlern gesammelte Beweise übergeben. Dadurch soll verhindert worden sein, dass Perez einen Teil der rechnerischen Gewinne tatsächlich auszahlen lassen konnte.
Die Regeln der Plattform verbieten Geschäfte, wenn ein Nutzer über wesentliche, nicht öffentliche Informationen verfügt, für die jeweilige Quelle arbeitet oder den Ausgang des gehandelten Ereignisses selbst beeinflussen kann. Kalshi verlangt inzwischen außerdem Angaben zum Arbeitgeber, um mögliche Interessenkonflikte schneller zu erkennen.
Ein Fall mit Folgen weit über das Weiße Haus hinaus
Perez soll in Gesprächen mit den Ermittlern einen Teil der Geschäfte eingeräumt haben. Die Aufsichtsbehörde verhandelt nach Medienberichten über eine mögliche Einigung. Diese könnte vorsehen, dass er Gewinne zurückzahlt und künftig keine vergleichbaren Geschäfte mehr tätigt. Die Bundesstaatsanwaltschaft in Manhattan entschied nach den bislang vorliegenden Berichten, vorerst kein strafrechtliches Ermittlungsverfahren einzuleiten. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Geschäfte erlaubt waren oder dass die aufsichtsrechtliche Prüfung beendet ist.
Der Vorgang legt ein grundsätzliches Problem offen. Prognosemärkte leben davon, dass Teilnehmer öffentlich zugängliche Informationen bewerten und daraus unterschiedliche Erwartungen ableiten. Dieses Prinzip verliert seine Glaubwürdigkeit, wenn Menschen mit direktem Zugang zu vertraulichen Unterlagen gegen gewöhnliche Nutzer handeln können.
Bei politischen Reden ist die Gefahr besonders groß. Mitarbeiter von Regierungen, Ministerien und Wahlkampfteams erfahren häufig vor der Öffentlichkeit, welche Maßnahmen angekündigt, welche Personen erwähnt oder welche politischen Begriffe verwendet werden. Sobald auf solche Einzelheiten Geld gesetzt werden kann, entsteht aus jedem vertraulichen Entwurf ein möglicher finanzieller Vorteil.
Der Fall zeigt zugleich, dass eine technische Tätigkeit im Umfeld eines Präsidenten keineswegs unbedeutend ist. Wer den Teleprompter vorbereitet, sitzt möglicherweise nicht mit am politischen Verhandlungstisch. Er kennt aber im entscheidenden Augenblick den Text, den Millionen Menschen erst Minuten später hören werden. Dieses Wissen ist politisch sensibel und kann auf einer Wettplattform einen unmittelbaren Geldwert besitzen.
Das Weiße Haus hatte bereits im März ein internes Schreiben verbreitet, das Mitarbeiter vor Wetten mit nicht öffentlichen Informationen warnte. Nun muss geklärt werden, ob diese Regeln zu spät kamen, nicht ausreichend kontrolliert wurden oder bewusst missachtet worden sind.
Bis zum Abschluss der Untersuchung gilt für Perez die Unschuldsvermutung. Die bisher bekannten Hinweise sind dennoch schwerwiegend. Sollten sie sich bestätigen, wäre dies keine harmlose Wette auf die Redekunst eines unberechenbaren Präsidenten. Es wäre die gezielte Umwandlung dienstlichen Vertrauens in persönlichen Gewinn.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 17. Juli 2026