15 Jahre Haft für IS-Anhänger, der Anschläge auf Juden in Maryland plante
Michael Sam Teekaye bereitete seine Reise zu Terroristen in Somalia vor. Sollte sie scheitern, wollte er in den USA Juden und Unterstützer Israels angreifen. Nun muss er 15 Jahre ins Gefängnis.

Ein Bundesgericht im US-Bundesstaat Maryland hat den 22 Jahre alten Michael Sam Teekaye zu 15 Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung soll er lebenslang unter behördlicher Aufsicht stehen. Teekaye hatte sich schuldig bekannt, versucht zu haben, den Islamischen Staat materiell zu unterstützen. Hinter dieser juristischen Formulierung steht ein konkreter Weg in den Terror: Schießtraining, der versuchte Kauf eines Gewehrs, Reisepläne nach Somalia und die Vorbereitung möglicher Angriffe auf Juden in den Vereinigten Staaten.
Teekaye wollte nach Erkenntnissen der Ermittler nicht nur im Ausland für eine Terrororganisation kämpfen. Gegenüber einem verdeckt arbeitenden Beamten erklärte er bereits 2023, sein Ersatzplan bestehe in einem Anschlag auf Juden und Menschen, die Israel unterstützen. Er habe in seiner Umgebung nach Einrichtungen gesucht, die Israel nahestehen, und darüber nachgedacht, führende Mitglieder oder andere Beteiligte zu erschießen.
Damit war der Antisemitismus kein beiläufiger Bestandteil seiner Radikalisierung. Juden wurden von ihm gezielt als mögliche Opfer ausgewählt. Der Hass auf Israel diente dabei als Brücke zum Hass auf jüdische Menschen in Maryland. Wer Israel unterstützte, wer einer jüdischen Organisation angehörte oder öffentlich als Jude erkennbar war, konnte in sein Blickfeld geraten.
Eine spätere Auswertung seines Mobiltelefons bestätigte, dass es nicht bei allgemeinen Gewaltfantasien geblieben war. Teekaye hatte nach bestimmten jüdischen und israelischen Personen sowie Organisationen im Howard County gesucht. Außerdem interessierte er sich nach Angaben des Justizministeriums dafür, wie man in ein Haus einbrechen und nach einem Mord entkommen könne. Einer der Betroffenen, ein Rabbiner, schilderte dem Gericht, welche Folgen die Bedrohung für ihn und die jüdische Gemeinschaft hatte.
Vom Schießstand bis zum Flughafen
Im Mai und Juni 2024 kaufte Teekaye mehrfach Munition und bezahlte für Aufenthalte auf einem Schießstand in Severn. Gegenüber dem verdeckten Ermittler bezeichnete er dies als Ausbildung für den Islamischen Staat. Im Juli versuchte er, ein Gewehr vom Typ Kalaschnikow K-9 im Kaliber neun Millimeter zu erwerben. Der Kauf scheiterte, weil er sich wegen eines anderen Strafverfahrens bereits unter staatlicher Bewährungsaufsicht befand.
Auch dieser Umstand hielt ihn nicht auf. Zwischen August und Oktober 2024 stand er nach eigenen Angaben mit einem somalischen Kämpfer des Islamischen Staates in Verbindung. Der Reiseplan führte von den Vereinigten Staaten zunächst in die Türkei, anschließend nach Äthiopien und von dort über die Grenze nach Somalia. Teekaye schickte dem vermeintlichen Vertrauten Aufnahmen seines elektronischen Visums und seiner Flugverbindung.
Vier Tage vor der geplanten Abreise verschickte er ein Bild von sich. Darauf trug er eine schwarze Maske und hielt eine große Machete in der Hand. Dazu schrieb er: „Sieg oder Märtyrertod.“ Er fügte hinzu, man könne die Tat hier, dort oder an beiden Orten ausführen. Auf die Frage, ob er sich wirklich sicher sei, antwortete er, er habe gründlich nachgeforscht. Der Islamische Staat sei für ihn die Gruppe mit den angeblich wahrhaftigsten und aufrichtigsten Absichten.
Am 14. Oktober 2024 wurde Teekaye am internationalen Flughafen Baltimore-Washington festgenommen. Er hatte bereits für seinen Flug eingecheckt und die Sicherheitskontrolle passiert. Die Ermittler griffen damit nicht einen Menschen auf, der lediglich im Internet über den Terror gesprochen hatte. Sie stoppten einen Mann, der Munition gekauft, Schießen geübt, eine Waffe zu erwerben versucht und eine Reise zu Kämpfern des Islamischen Staates vorbereitet hatte.
Nach seiner Festnahme zeigte Teekaye keine erkennbare Abkehr von seinen Plänen. Er kündigte vielmehr an, den bewaffneten Dschihad nach seiner späteren Freilassung fortsetzen zu wollen. Er drohte damit, Soldaten und Beamte zu töten, trat nach einem der festnehmenden Ermittler und spuckte ihn an.
Selbst nach seinem Schuldbekenntnis im Januar 2026 fanden Bedienstete in seiner Gefängniszelle zwei selbst gefertigte Waffen. Darunter befand sich ein großes Messer. Der Fund erklärt, weshalb das Gericht nicht nur eine lange Haftstrafe, sondern auch eine lebenslange Aufsicht nach der Entlassung anordnete. Die Gefahr endete offenkundig nicht mit der Festnahme am Flughafen.
Der geplante Anschlag verschwand hinter dem Wort Ersatzplan
Der Fall zeigt, wie mühelos sich dschihadistische und antisemitische Vorstellungen verbinden. Teekayes erste Absicht bestand darin, sich einer Terrororganisation im Ausland anzuschließen. Falls dieser Weg scheiterte, sollten Juden in Amerika sterben. Der geplante Angriff auf eine jüdische Gemeinschaft war für ihn lediglich eine andere Möglichkeit, denselben ideologischen Auftrag zu erfüllen.
Besonders erschreckend ist die Selbstverständlichkeit, mit der jüdische Einrichtungen und Unterstützer Israels zu möglichen Zielen wurden. In Teekayes Denken genügte bereits eine Verbindung zu Israel, um Menschen als Feinde zu markieren. Diese Sichtweise fällt nicht vom Himmel. Sie gedeiht in einem Klima, in dem Israel als Verkörperung des Bösen dargestellt und der Hass auf den jüdischen Staat zunehmend als moralische Haltung verkauft wird.
Nicht jeder, der Israel verurteilt, wird zum Terroristen. Doch wer Juden kollektiv für israelische Politik verantwortlich macht, bereitet gedanklich genau jene Verschiebung vor, die in diesem Fall sichtbar wurde. Aus „Unterstützern Israels“ werden Ziele. Aus jüdischen Einrichtungen werden angebliche Stützpunkte des Feindes. Aus Nachbarn werden Menschen, deren Tötung als religiös oder politisch gerechtfertigt erscheint.
Der Islamische Staat benötigte Teekaye dafür nicht einmal zwingend in Somalia. Seine Ideologie hatte ihn bereits in Maryland erreicht. Der Mann musste nicht in ein entferntes Kampfgebiet gelangen, um gefährlich zu werden. Munition, ein Schießstand, ein Mobiltelefon und die Namen jüdischer Menschen in seiner Umgebung reichten aus, um einen möglichen Anschlag vorzubereiten.
Die Ermittler gehen davon aus, dass durch das rechtzeitige Eingreifen Menschenleben gerettet wurden. Diese Einschätzung ist angesichts der dokumentierten Schritte nachvollziehbar. Teekaye hatte seine Opfergruppe benannt, mögliche Ziele gesucht, den Umgang mit Waffen geübt und über das Eindringen in Häuser sowie die Flucht nach einem Mord recherchiert.
Das Urteil schützt die betroffenen jüdischen Gemeinden zunächst für viele Jahre. Es beantwortet jedoch nicht die Frage, weshalb ein junger Mann in Maryland zu der Überzeugung gelangte, Juden zu erschießen sei eine mögliche Form des Glaubens oder des politischen Kampfes. Strafverfolgung kann einen vorbereiteten Anschlag verhindern. Sie kann die Ideologie dahinter nicht allein beseitigen.
Die lebenslange Aufsicht nach Teekayes Freilassung ist deshalb kein übertriebener Zusatz. Sie ist die Folge seiner eigenen Worte und Taten. Er hatte den Ermittlern ausdrücklich angekündigt, dass er auch nach Jahrzehnten nicht aufgeben werde. Der Rechtsstaat nahm ihn beim Wort.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 12. Juli 2026