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Tucker Carlson verliert Einfluss, aber jüdische Republikaner warnen vor dem nächsten Machtkampf


Einige jüdische Republikaner glauben, die Partei habe Carlson, Owens und Fuentes zurückgedrängt. Andere fürchten, dass Carlsons Medienmacht in eine Präsidentschaftskampagne münden könnte.

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Bei der Republican Jewish Coalition herrschte vor einem halben Jahr Alarmstimmung. Führende Republikaner warnten offen vor rechtem Antisemitismus in der eigenen Partei. Namen wie Tucker Carlson, Candace Owens und Nick Fuentes standen im Raum, als Ted Cruz von einer existenziellen Krise der Republikaner sprach. Der Abgeordnete Randy Fine nannte Carlson damals sogar den gefährlichsten Antisemiten Amerikas.

Sechs Monate später klingt die Lage in Teilen der jüdisch-republikanischen Szene deutlich entspannter. Beim jüngsten RJC-Treffen in Manhattan erklärten mehrere Redner, die Partei habe reagiert. Carlson sei öffentlich kritisiert worden, Trump habe ihn auf Abstand gehalten, antiisraelische Stimmen seien in wichtigen Rennen gescheitert. Der frühere Israelkritiker Thomas Massie verlor seine Vorwahl, Marjorie Taylor Greene ist nicht mehr im Kongress, und die RJC verweist darauf, dass antiisraelische Politik in der Republikanischen Partei kein Weg nach oben sei.

Das ist der Kern der neuen Debatte: Ist Carlson nur noch ein beschädigter Medienakteur oder bleibt er der mögliche Kristallisationspunkt einer rechten Bewegung, die Israel und jüdische Republikaner vor eine neue Machtprobe stellt?

Randy Fine sieht die Gefahr inzwischen anders gewichtet. Er erklärte, Carlsons Marke sei in den vergangenen Monaten schwer beschädigt worden, auch durch Carlsons eigenes Auftreten. Als gefährlichere Figur nennt Fine nun Zohran Mamdani, den anti-zionistischen Bürgermeister von New York. Auch RJC-Chef Matt Brooks sieht Carlson, Owens und Fuentes geschwächt. Sie stünden nicht für den Kern der MAGA-Bewegung, und Trump habe deutlich gemacht, dass diese Strömung nicht die Partei definiere.

Doch genau diese Entwarnung überzeugt nicht alle. Die Anti-Defamation League warnt davor, Carlsons Wirkung auf seine reine Parteimacht zu reduzieren. Die Sorge sei nicht nur, ob Carlson gute Beziehungen zu Mandatsträgern habe. Entscheidend sei die Normalisierung seiner Positionen. Carlson habe Verschwörungserzählungen wie jene um die USS Liberty neu belebt, die seit Jahrzehnten von Israelgegnern genutzt werden, um Misstrauen gegen den jüdischen Staat zu säen. Solche Themen verschwinden nicht, nur weil ein Kandidat eine Vorwahl verliert.

Der heikelste Punkt ist die Spekulation über eine mögliche Präsidentschaftskandidatur. Carlson selbst hat sie zurückgewiesen und erklärt, Politik sei nicht sein Geschäft. Doch politische Beobachter sehen theoretisch eine Lücke für jemanden wie ihn: konservativ, medienstark, antiinterventionistisch, kritisch gegenüber Trump und gegen den Krieg mit Iran. Candace Owens sagte sogar im russischen Staatsfernsehen, sie würde Carlson als Präsidentschaftskandidaten unterstützen.

Genau darin liegt die eigentliche Brisanz. Es geht nicht nur um einen Moderator mit fragwürdigen Israel-Thesen. Es geht um die Frage, ob sich aus seinem Umfeld ein politischer Flügel formen könnte, der Israelunterstützung in der Republikanischen Partei nicht mehr als Selbstverständlichkeit behandelt, sondern als verdächtige Fremdbindung. Das wäre für jüdische Republikaner ein strategischer Einschnitt.

Die RJC verweist zu Recht auf eigene Erfolge. Sie hat Geld in Rennen investiert, antiisraelische Kandidaten bekämpft und zeigt, dass es in der Republikanischen Partei weiterhin starke proisraelische Kräfte gibt. Doch die Gegenseite hat ein anderes Machtmittel: Medienreichweite. Carlson braucht keine Parteistruktur, um Misstrauen zu verbreiten. Er braucht ein Publikum. Und dieses Publikum existiert weiter.

Die Lage ist deshalb weniger beruhigend, als manche in der RJC glauben möchten. Ja, Carlson ist beschädigt. Ja, Trump hat sich von ihm distanziert. Ja, einige seiner politischen Verbündeten haben verloren. Aber der Konflikt ist nicht erledigt. Er verschiebt sich nur: weg von einzelnen Wahlsiegen, hin zur Frage, welche Sprache und welche Weltsicht im konservativen Amerika normal werden.

Für jüdische Republikaner ist das besonders gefährlich. Sie kämpfen seit Jahren gegen den linken Antizionismus in der Demokratischen Partei und verweisen auf Tlaib, Omar, Campus-Radikalisierung und BDS. Doch wenn auf der rechten Seite Figuren wie Carlson Israel als Problem amerikanischer Politik darstellen, entsteht ein zweiter Druckpunkt. Dann steht proisraelische Politik nicht nur links unter Beschuss, sondern auch rechts unter Rechtfertigungszwang.

Die RJC kann Erfolge feiern. Aber Entwarnung wäre verfrüht. Carlson muss nicht sofort kandidieren, um gefährlich zu bleiben. Es reicht, wenn seine Themen in der Partei Fuß fassen: Misstrauen gegen Israel, Abwehr amerikanischer Verantwortung im Nahen Osten, Verharmlosung rechter Radikaler und der Verdacht, proisraelische Politik diene fremden Interessen. Genau diese Mischung ist der eigentliche Kern des Streits.

Die Republikanische Partei hat Carlson nicht besiegt, nur weil sie ihn zeitweise zurückgedrängt hat. Sie steht vor der Frage, ob sie dauerhaft klare Grenzen zieht oder ob der nächste Wahlzyklus den alten Konflikt wieder öffnet. Für jüdische Republikaner geht es deshalb nicht um persönliche Abneigung gegen einen Moderator. Es geht um die Zukunft einer Partei, in der Israelunterstützung bisher ein starkes Fundament war und in der nun geprüft wird, wie tragfähig dieses Fundament wirklich bleibt.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 7. Juni 2026

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