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Terrorlektüre in öffentlicher Bibliothek: SJP Madison verklärt Bassel al-Araj


Eine Studentengruppe in Wisconsin will in einer öffentlichen Bibliothek Texte eines getöteten palästinensischen Terrorverdächtigen lesen. Der Fall zeigt, wie „politische Bildung“ zur Veredelung von Gewalt werden kann.

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Eine Gruppe von Students for Justice in Palestine in Madison will im Juni eine Veranstaltungsreihe in der Central Madison Public Library abhalten, bei der Texte von Bassel al-Araj gelesen werden sollen. Die Reihe trägt den Titel „The Praxis of Resistance: Selected Writings of Bassel al-Araj“ und soll nach Angaben der Gruppe an jedem Samstag im Juni stattfinden. Schon diese Rahmen ist bezeichnend: Aus einem Mann, der nach israelischen Angaben eine Terrorzelle leitete, Anschläge plante und Waffen beschaffte, wird ein „revolutionärer Schriftsteller“. Aus Terrornähe wird Widerstandsromantik. Aus Gewaltgeschichte wird Lesekreis.

Al-Araj wurde 2017 in Ramallah bei einem Schusswechsel mit IDF-Kräften getötet. Zuvor war er bereits von der Palästinensischen Autonomiebehörde festgenommen worden, weil ihm die Planung von Angriffen auf Israelis vorgeworfen wurde. Nach israelischer Darstellung stand er an der Spitze einer Terrorzelle. Das sind keine nebensächlichen biografischen Fußnoten, sondern der Kern der Einordnung. Wer seine Texte in einer öffentlichen Bibliothek als politische Bildung präsentiert, ohne diesen Kontext klar zu benennen, betreibt nicht Aufklärung, sondern Verharmlosung.

Natürlich dürfen auch radikale Texte wissenschaftlich oder historisch behandelt werden. Universitäten und Bibliotheken müssen schwierige, sogar abstoßende Materialien nicht ausblenden. Aber der Unterschied liegt in der Haltung. Es ist etwas anderes, Texte eines Terroristen kritisch zu analysieren, als sie unter dem Begriff „Praxis des Widerstands“ als politische Schulung anzubieten. Der Titel der Reihe deutet nicht auf Distanz hin, sondern auf Aneignung. Genau darin liegt das Problem.

Öffentliche Räume dürfen nicht zur Bühne für Terrorromantik werden

Besonders heikel ist der Veranstaltungsort. Eine öffentliche Bibliothek ist kein privater Aktivistenkeller. Sie steht für Bildung, Zugang, Bürgersinn und öffentliche Verantwortung. Wenn dort eine studentische Gruppe Texte eines Mannes lesen will, der mit der Planung von Angriffen auf Israelis in Verbindung gebracht wurde, muss die Bibliothek erklären, welche Maßstäbe gelten. Wird der Hintergrund offen benannt? Gibt es kritische Einordnung? Wird Gewalt verherrlicht oder relativiert? Oder wird unter dem Deckmantel politischer Bildung ein Märtyrerbild gepflegt?

Students for Justice in Palestine ist in den USA seit Jahren Teil einer radikalisierten Campuslandschaft, in der Israel nicht nur kritisiert, sondern häufig grundsätzlich delegitimiert wird. Nach dem 7. Oktober 2023 hat sich dieses Problem verschärft. An vielen Hochschulen wurden Begriffe wie „Widerstand“, „Befreiung“ und „Dekolonisierung“ so eingesetzt, dass selbst Massaker, Geiselnahmen und Terror nicht mehr eindeutig verurteilt, sondern in politische Erzählungen eingebettet wurden. Genau vor diesem Hintergrund wirkt eine Veranstaltungsreihe zu al-Araj nicht harmlos.

Der Fall in Madison zeigt, wie weich die Sprache geworden ist, wenn es um Gewalt gegen Israelis geht. Ein Mann, dem Terrorplanung vorgeworfen wurde, erscheint als „revolutionary and writer“. Das klingt kulturell, gebildet, fast literarisch. Doch solche Begriffe können verschleiern, worum es geht: um eine politische Tradition, in der Gewalt gegen Israelis nicht als Verbrechen, sondern als legitimer Widerstand verklärt wird.

Wer Frieden will, muss diese Romantisierung zurückweisen. Politische Bildung darf nicht bedeuten, jungen Menschen beizubringen, Terroristen als Denker zu verehren. Sie müsste gerade erklären, wie Gewaltideologie entsteht, wie Märtyrerbilder funktionieren und warum die Verklärung bewaffneter Akteure jeden Weg zu einem realistischen Frieden zerstört.

Die Madison Public Library hat auf eine Anfrage zunächst nicht reagiert. Gerade deshalb steht sie nun unter Druck. Eine öffentliche Einrichtung muss nicht jede externe Veranstaltung automatisch inhaltlich teilen. Aber sie trägt Verantwortung dafür, welche Veranstaltungen sie ermöglicht und ob ihr Raum zur Normalisierung extremistischer Symbolfiguren genutzt wird.

Der eigentliche Skandal ist nicht, dass Texte gelesen werden. Der Skandal ist, dass ein Terrorverdächtiger in der Sprache politischer Bildung veredelt wird. Wer Anschlagsplanung als „Widerstandspraxis“ rahmt, verschiebt die moralische Grenze. Und genau diese Verschiebung ist auf amerikanischen Campus längst zu einem der gefährlichsten Probleme geworden.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 6. Juni 2026

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