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Trump erklärt Irans Militär für zerstört, doch 21 Prozent Raketen reichen für den nächsten Krieg


Donald Trump spricht von einem vernichtend geschwächten Iran. Doch selbst ein stark beschädigtes Regime bleibt gefährlich, solange es Raketen, Drohnen und Atomambitionen behält.

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US-Präsident Donald Trump hat Iran in einem Interview mit NBC News praktisch für militärisch niedergerungen erklärt. Teherans Streitkräfte seien „völlig zerstört“, sagte er. Nach seiner Darstellung verfügt das Regime nur noch über etwa 21 bis 22 Prozent seiner früheren Raketenfähigkeit. Die USA wüssten fast genau, wie viele Raketen und Drohnen Iran noch habe, wo sich Drohnen befinden und wo Fabriken standen. Die meisten Produktionsstätten für Drohnen und Raketen seien durch amerikanisch-israelische Schläge ausgeschaltet worden.

Das klingt nach Triumph. Es klingt nach maximaler Stärke. Es klingt nach einer Botschaft an Teheran: Wir sehen euch, wir kennen eure Waffen, wir können wieder zuschlagen. Doch die entscheidende Frage lautet nicht, ob Iran weniger gefährlich ist als vorher. Die entscheidende Frage lautet, ob Iran ungefährlich geworden ist. Und genau das ist nicht der Fall.

Trump selbst lieferte den wichtigsten Vorbehalt gleich mit. Auch 21 Prozent seien noch „viele Raketen“, sagte er sinngemäß. Genau darin liegt der Punkt. Ein Regime wie Iran braucht keine vollständige frühere Kapazität, um Israel, die Golfstaaten oder amerikanische Stützpunkte zu bedrohen. Es braucht genug Raketen, genug Drohnen, genug Stellvertreter und genug Zeit. Schon ein geschrumpftes Arsenal kann töten, Flughäfen treffen, Schifffahrtswege gefährden und Verhandlungen vergiften.

Teheran ist angeschlagen, nicht besiegt

Trump beschreibt Iran als Regime, das seine eigene Lage kaum fassen könne. Die Führung sei praktisch enthauptet, die militärischen Fähigkeiten seien massiv reduziert, die Verhandlungen liefen angeblich gut. Doch diese Sprache darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Iran seit Jahrzehnten darin geübt ist, Schwäche in Taktik zu verwandeln. Teheran verhandelt nicht aus Einsicht. Teheran verhandelt, wenn Druck entsteht. Und es nutzt Gespräche, um Zeit, Geld und internationale Spaltung zu gewinnen.

Genau deshalb ist Trumps Optimismus gefährlich, wenn daraus zu früh politische Entlastung entsteht. Ein Iran, der noch Raketen hat, noch Drohnen hat, noch Revolutionsgarden hat und weiter auf sein Atomprogramm setzt, ist kein erledigter Gegner. Er ist ein Gegner, der blutet, aber weiter zuschlagen kann. Gerade solche Regime werden unberechenbar, wenn sie ihr Gesicht wahren müssen.

Für Israel ist das die entscheidende Lehre. Jeder zerstörte Drohnenstandort, jede beschädigte Raketenfabrik und jede getroffene iranische Kommandoebene ist ein Erfolg. Aber kein Erfolg ersetzt Wachsamkeit. Israel kann seine Sicherheit nicht auf Trumps Prozentzahlen stützen. Jerusalem muss davon ausgehen, dass Iran alles tun wird, um Kapazitäten wieder aufzubauen, Stellvertreter zu aktivieren und im Schatten möglicher Verhandlungen neue Spielräume zu gewinnen.

Trump sagte, es sei militärisch sehr einfach, die Angriffe wieder aufzunehmen. Lieber wolle er aber ein schriftliches Ergebnis erreichen, das dasselbe Ziel ohne weiteres Töten erfülle. Das klingt vernünftig. Aber es ist nur dann vernünftig, wenn dieses Papier Iran wirklich bindet. Ein Abkommen, das Teheran Geld, Zeit oder Anerkennung verschafft, ohne Raketen, Drohnen, Urananreicherung und Inspektionen knallhart zu regeln, wäre kein Frieden. Es wäre die nächste Pause vor der nächsten Eskalation.

Der Westen darf sich nicht vom eigenen Erfolg betäuben lassen

Die größte Gefahr nach erfolgreichen Schlägen ist Selbstberuhigung. Man sieht zerstörte Anlagen, spricht von historischen Verlusten und glaubt, das Problem sei kleiner geworden, als es tatsächlich ist. Iran lebt aber nicht nur von Fabriken. Iran lebt von Ideologie, Repression, Täuschung, Schmuggel, Schattennetzwerken und Stellvertretern. Hamas, Hisbollah, Huthi und andere Akteure verschwinden nicht, nur weil Raketenlager beschädigt wurden.

Trump will Stärke zeigen. Das ist richtig. Aber Stärke besteht nicht darin, den Gegner für erledigt zu erklären, solange er weiter bewaffnet ist. Stärke besteht darin, ihm keinen Wiederaufbau zu erlauben. Keine Milliarden vor überprüfbaren Schritten. Keine Sanktionserleichterung für schöne Worte. Keine diplomatische Bühne, auf der Iran als gleichberechtigter Friedenspartner auftreten darf, während es die Region weiter bedroht.

Iran ist nicht mehr in der Lage, so aufzutreten wie vor den Schlägen. Das ist gut. Aber das Regime ist noch immer gefährlich genug, um Krieg zu führen, Terror zu finanzieren und Verhandlungen als Waffe zu benutzen. Wer jetzt zu früh Entwarnung gibt, macht denselben Fehler, der die Iran-Politik des Westens seit Jahren vergiftet: Man verwechselt Schwächung mit Lösung.

Trump hat recht, wenn er sagt, Iran sei schwer getroffen. Er hätte unrecht, wenn er daraus ableitet, Teheran sei bereits unter Kontrolle. Für Israel, die USA und die Golfstaaten zählt am Ende nicht, wie viel Prozent der alten Raketen übrig sind. Es zählt, ob Iran noch genug hat, um den nächsten Angriff zu planen.

Und nach Trumps eigenen Worten lautet die Antwort: Ja.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 6. Juni 2026

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