US-Armee vergibt 20-Milliarden-Dollar-Auftrag für KI-Kriegssysteme an Anduril
Die Vereinigten Staaten treiben ihre militärische Modernisierung mit einem der größten Technologieaufträge der letzten Jahre voran. Ein KI-System soll künftig Sensoren, Drohnen und Gefechtsführung in Echtzeit vernetzen.

Die US-Armee hat dem amerikanischen Rüstungsunternehmen Anduril Industries einen Vertrag im Umfang von bis zu 20 Milliarden Dollar vergeben. Das entspricht rund 18 bis 19 Milliarden Euro. Ziel ist der Aufbau eines einheitlichen, KI-gestützten Systems für militärische Operationen.
Das Projekt soll kommerzielle Technologien, Sensoren, autonome Plattformen und militärische Führungsstrukturen in ein gemeinsames digitales Gefechtsnetz integrieren. Herzstück ist die Plattform „Lattice“, ein künstlich-intelligentes System, das große Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen zusammenführt und daraus ein gemeinsames Lagebild erstellt.
Die Software nutzt Methoden wie Computer Vision, maschinelles Lernen und vernetzte Kommunikationssysteme. Dadurch können Informationen aus Drohnen, Radar, Satelliten und anderen Sensoren in Sekunden ausgewertet werden. Ziel ist es, Bedrohungen schneller zu erkennen und militärische Entscheidungen deutlich zu beschleunigen.
Der Vertrag läuft bis März 2036. Die konkreten Projekte werden jeweils einzeln vergeben und vom Army Contracting Command im amerikanischen Aberdeen Proving Ground im Bundesstaat Maryland koordiniert.
Reaktion auf Drohnenkrieg
Ein Schwerpunkt des Programms liegt auf der Bekämpfung unbemannter Fluggeräte. Eine gemeinsame Task Force des US-Militärs erklärte, dass der Vertrag vor allem die Zusammenarbeit verschiedener Behörden und militärischer Einheiten verbessern soll, die an der Abwehr von Drohnen beteiligt sind.
Bislang wurden entsprechende Technologien über zahlreiche einzelne Beschaffungsverträge organisiert. Teilweise liefen mehr als hundert getrennte Programme parallel. Der neue Großauftrag soll diese Struktur vereinfachen und den schnellen Einsatz neuer Systeme ermöglichen.
Militärvertreter sehen darin einen grundlegenden Wandel in der Beschaffungspolitik des Pentagon. Statt viele kleinere Programme zu koordinieren, soll ein zentraler Vertrag den Aufbau eines gemeinsamen digitalen Verteidigungsnetzwerks ermöglichen.
Krieg gegen Iran beschleunigt technologische Aufrüstung
Die Entscheidung fällt in einer Phase intensiver militärischer Auseinandersetzungen im Nahen Osten. Seit Beginn der aktuellen Kämpfe hat Iran nach westlichen Angaben tausende Drohnen und hunderte ballistische Raketen eingesetzt.
Diese Entwicklung hat die Bedeutung schneller automatisierter Auswertungssysteme deutlich erhöht. Klassische militärische Entscheidungsstrukturen gelten in solchen Szenarien oft als zu langsam.
KI-gestützte Plattformen sollen deshalb in der Lage sein, Bedrohungen automatisch zu erkennen und Einsatzkräften ein sofortiges Lagebild zu liefern. Dadurch können Luftabwehrsysteme, Drohnenabwehr und militärische Operationen besser koordiniert werden.
Aufstieg eines neuen Rüstungskonzerns
Anduril Industries gehört zu den schnell wachsenden Technologieunternehmen im amerikanischen Verteidigungssektor. Das Unternehmen wurde 2017 von Palmer Luckey gegründet und hat sich auf autonome Systeme, Drohnenabwehr und KI-basierte Militärsoftware spezialisiert.
In den vergangenen Jahren erhielt Anduril bereits mehrere Aufträge des Pentagon sowie internationaler Streitkräfte. Das Unternehmen arbeitet derzeit an einer neuen Finanzierungsrunde, bei der bis zu acht Milliarden Dollar eingesammelt werden sollen. Die Bewertung könnte dabei rund 60 Milliarden Dollar erreichen.
Luckey gilt zudem als Unterstützer Israels. Anfang Februar besuchte er Israel und traf sich mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie mit Verteidigungsminister Israel Katz und Vertretern der israelischen Rüstungsindustrie.
Der Großauftrag der US-Armee zeigt, wie stark sich militärische Strategien zunehmend auf künstliche Intelligenz, vernetzte Sensorik und automatisierte Systeme stützen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Anduril
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 19. März 2026