Liebe Leserinnen und Leser,
haOlam.de wird privat betrieben – ohne Verlag, ohne Unterstützung durch Institutionen. Damit wir unsere Arbeit auch 2026 fortführen können, möchten wir bis Jahresende mindestens 6.000 Euro erreichen, ideal wären 10.000 Euro. Jeder Beitrag hilft – auch kleine Beträge machen einen Unterschied.

„Aktivismus ist Gottesdienst“: MAS-Jugendchef religiös überhöht Columbia-Protestcamp


Ein führender Funktionär der Muslim American Society preist die eigene Präsenz im Columbia-Camp als Vorbild muslimischer Jugendarbeit. Dort dokumentierte die Universität massive antisemitische Ausgrenzung.

haOlam-News.de - Nachrichten aus Israel, Deutschland und der Welt.

Das ist keine harmlose Rede über gesellschaftliches Engagement. Malik Hassan, Jugenddirektor der Muslim American Society (MAS), stellt ein antiisraelisches Protestcamp, in dessen Umfeld jüdische und israelische Studenten ausgegrenzt, beschimpft und teilweise körperlich angegriffen wurden, als Beispiel dafür dar, wie junge Muslime religiös geprägt und politisch mobilisiert werden sollen.

Hassan sprach am 26. Dezember 2025 auf der MAS-ICNA Convention in Chicago. In einer inzwischen von MEMRI veröffentlichten Aufnahme verweist er ausdrücklich auf das Protestcamp an der Columbia University. Dort habe ein Zelt seiner Organisation gestanden, auf dem zu lesen gewesen sei: „Muslim American Society, activism is worship from the mosque to the tent.“

Also: „Aktivismus ist Gottesdienst, von der Moschee bis zum Zelt.“

Hassan belässt es nicht bei diesem Satz. Er erklärt unmittelbar danach, genau dies bedeute es, in junge Muslime zu investieren: nicht nur in ihr religiöses Wissen, sondern auch in ihr Handeln. Dieses Handeln solle sich in Moscheen, Schulen, Familien und auf den Straßen amerikanischer Großstädte zeigen. MAS werde nicht aufhören, bis junge Muslime im ganzen Land zu dauerhaft „God-centered agents of change“, also religiös ausgerichteten Akteuren gesellschaftlicher Veränderung, herangebildet würden.

Damit verschwindet die bequeme Trennlinie zwischen Religion und politischer Mobilisierung. Hassan zieht sie selbst ein.



Wenn Antisemitismus religiös geadelt wird

Das Problem ist nicht, dass Muslime politisch aktiv sind. Politische Betätigung gehört in einer Demokratie selbstverständlich auch für Muslime zur Freiheit des Einzelnen.

Der entscheidende Punkt ist, welcher Aktivismus hier religiös aufgeladen wird.

Das Columbia-Camp war nicht irgendeine Demonstration gegen eine einzelne Entscheidung der israelischen Regierung. Die universitätseigene Task Force gegen Antisemitismus dokumentierte später ein Klima, in dem jüdische und israelische Studenten beschimpft, ausgegrenzt, bedroht und in einzelnen Fällen körperlich angegriffen wurden. Die Kommission hörte fast 500 Studenten an und stellte fest, dass israelische Studenten besonders häufig herausgegriffen worden seien. Während der Camp-Phase seien die Erfahrungen teilweise noch extremer gewesen.

Studenten berichteten der Kommission davon, gestoßen oder zu Boden gedrückt worden zu sein, weil sie sich zionistisch äußerten. Andere schilderten pro-Hamas-Parolen, verbrannte israelische Flaggen, antisemitische Schmierereien und den Ausschluss aus studentischen Gruppen wegen tatsächlicher oder unterstellter Verbindungen zu Israel.

Columbia selbst definierte in diesem Zusammenhang Antisemitismus ausdrücklich auch als Ausgrenzung oder Diskriminierung von Juden und Israelis wegen ihrer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu Israel.

Genau dieses Umfeld nimmt Hassan als positives Beispiel.

Wer ein solches Milieu nicht kritisch aufarbeitet, sondern es mit der Formel „Aktivismus ist Gottesdienst“ religiös überhöht, tut mehr als politische Solidarität zu zeigen. Er verleiht einem Aktivismus religiöse Würde, in dessen Umfeld antisemitische Ausgrenzung nachweislich zum Alltag jüdischer Studenten gehörte.

Wo Juden als Juden oder wegen ihrer Verbindung zu Israel ausgeschlossen werden, ist die Grenze zum Rassismus und Antisemitismus überschritten.

Und wer diese Ausgrenzung religiös legitimiert oder als Glaubenspraxis verklärt, kann sich nicht anschließend hinter dem Wort „Aktivismus“ verstecken.

MAS sagt selbst, was sie aus jungen Muslimen machen will

Auch hier braucht es keine Spekulation über verborgene Ziele.

MAS beschreibt sich selbst als Organisation mit mehr als 40 Niederlassungen in den Vereinigten Staaten. Nach eigenen Angaben erreicht sie wöchentlich rund 7.000 junge Menschen. Zu ihren ausdrücklich genannten Tätigkeitsfeldern gehören „Community Mobilization“, Führungsausbildung und politischer Aktivismus.

Die Organisation erklärt auf ihrer eigenen Webseite, eine neue Generation von Führungskräften für „activism and Islamic work“ ausbilden zu wollen. Ihr Ziel sei es, Menschen zu lebenslangen, „God-centered agents of change“ zu machen.

Noch deutlicher wird es beim Spendensammeln. Dort wirbt MAS damit, Programme zu finanzieren, die junge Muslime zu „great leaders and activists“ entwickeln sollen. Unter „Advocacy & Social Justice“ nennt die Organisation ausdrücklich Ausbildungsprogramme für studentischen Aktivismus.

All das wäre für sich genommen weder illegitim noch antisemitisch.

Der Skandal entsteht dort, wo Hassan selbst zeigt, welche Form von Aktivismus er als gelungenes Beispiel präsentiert: das Columbia-Camp.

Ausgerechnet dort, wo die Universität später dokumentieren musste, dass Juden und Israelis wegen ihrer Identität und wegen ihrer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu Israel ausgegrenzt wurden, sieht ein nationaler MAS-Jugendfunktionär offenbar ein Vorbild dafür, junge Muslime vom Glauben zum politischen Handeln zu führen.

Das ist der Punkt, den man nicht weichzeichnen darf.

Hassan sagt nicht: Wir müssen aus den antisemitischen Exzessen von Columbia lernen.

Er sagt nicht: Unsere religiösen Werte verbieten die Ausgrenzung jüdischer Studenten.

Er hält stattdessen das MAS-Zelt hoch und erklärt dessen Botschaft zum Beispiel dafür, wie junge Muslime erzogen werden sollen.

„Aktivismus ist Gottesdienst.“

Damit macht er politische Mobilisierung nicht nur zu einer gesellschaftlichen Aufgabe, sondern zu einer religiösen.

Wer Judenhass heiligt, heiligt Rassismus

Niemand kann aus Hass gegen Schwarze, Muslime oder andere Minderheiten einen religiösen Wert machen und anschließend verlangen, dass dies als harmlose Glaubenspraxis behandelt wird.

Für Juden darf kein anderer Maßstab gelten.

Antisemitismus bleibt Antisemitismus, wenn er sich „Antizionismus“ nennt. Diskriminierung bleibt Diskriminierung, wenn Juden nicht wegen ihres Glaubens, sondern wegen ihrer Verbindung zu Israel ausgeschlossen werden. Und Rassismus wird nicht akzeptabler, weil jemand ihn mit religiösen Begriffen umgibt.

Dabei wäre es ebenso falsch, daraus eine pauschale Aussage über alle Muslime oder den Islam insgesamt abzuleiten. Hassan spricht für eine konkrete Organisation und deren Jugendarbeit. Die Verantwortung liegt bei denen, die diese Botschaft verbreiten, unterstützen oder übernehmen.

Aber für diese Verantwortung gibt es auch keine Ausrede.

Wer die Ausgrenzung von Juden oder Zionisten zum religiösen Auftrag erhebt, bekennt sich nicht zu gesellschaftlicher Gerechtigkeit. Er gibt Antisemitismus und rassistischer Diskriminierung einen religiösen Anstrich.

Und genau deshalb ist Hassans Rede so brisant.

Sie zeigt, wie aus einem antiisraelischen Camp ein Vorbild wird, aus politischer Mobilisierung eine religiöse Aufgabe und aus dem Weg „von der Moschee zum Zelt“ ein Programm für die nächste Generation.

Nach den dokumentierten Erfahrungen jüdischer Studenten an Columbia ist das keine Erfolgsgeschichte.

Es ist ein Alarmsignal.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 19. September 2026

Unterstütze unser Projekt


Newsletter