Trump plant den Nahen Osten nach dem Iran Krieg neu: Israel soll ins Zentrum einer regionalen Ordnung
Washington arbeitet an einem Plan für die Zeit nach dem Krieg mit Iran. Teheran soll regional eingedämmt, die Abraham Abkommen erweitert und Saudi Arabien an Israel herangeführt werden. Für Jerusalem liegt darin eine historische Chance, aber auch eine klare Gefahr.

Donald Trump denkt offenbar längst über den nächsten Schritt hinaus. Während der Krieg mit Iran noch nicht beendet ist, arbeitet seine Regierung bereits an einer neuen politischen Ordnung für den Nahen Osten. Nach Informationen von Axios laufen die Vorbereitungen sowohl auf höchster politischer Ebene als auch zwischen mehreren US Behörden. Trump selbst soll in den vergangenen Wochen mindestens zweimal mit führenden Beratern über das Konzept gesprochen und intern von „etwas viel Größerem“ gesprochen haben, das nach dem Iran Krieg entstehen könne. Der Plan ist noch nicht fertig. Seine Richtung ist jedoch bemerkenswert klar: Iran eindämmen, Israel tiefer in die Region integrieren und die offenen Konflikte seit dem Hamas Massaker vom 7. Oktober 2023 möglichst in eine neue Sicherheitsarchitektur überführen.
Im Zentrum stehen nach Axios drei große Bausteine. Washington will erstens eine engere Zusammenarbeit seiner Verbündeten gegen einen geschwächten, aber weiterhin gefährlichen Iran schaffen. Zweitens sollen die Abraham Abkommen erweitert werden, möglichst mit einem historischen Normalisierungsabkommen zwischen Israel und Saudi Arabien. Drittens will die Trump Regierung die offenen Fronten nach dem 7. Oktober politisch schließen: Gaza soll in die nächste Phase des amerikanischen Plans geführt, zwischen Israel und Syrien ein Sicherheitsabkommen erreicht und das bereits vereinbarte Modell zwischen Israel und Libanon umgesetzt werden. Alles zusammen würde aus einzelnen Abkommen erstmals den Versuch machen, eine zusammenhängende regionale Ordnung zu schaffen.
Der Iran soll nicht einfach Zeit für den nächsten Anlauf bekommen
Für Israel ist vor allem der erste Punkt entscheidend. Ein Ende des aktuellen Krieges darf nicht bedeuten, dass Teheran lediglich einige Jahre erhält, um Raketenbestände, Luftabwehr, Revolutionsgarden und seine regionalen Stellvertreter wieder aufzubauen. Genau deshalb ist die amerikanische Idee einer regionalen Eindämmung wichtiger als ein weiterer Waffenstillstand mit Ablaufdatum. Die Golfstaaten haben inzwischen selbst erfahren, dass iranische Eskalation nicht nur Israel trifft. Noch am 1. September wurden zwei mit saudischem Öl beladene Tanker in der Straße von Hormus von Projektilen getroffen. Auch wenn die Verantwortlichkeit für diese konkreten Angriffe nicht abschließend geklärt war, zeigt die Entwicklung, wie unmittelbar die regionale Sicherheit mit Irans Fähigkeit verbunden ist, Handelswege und Energieversorgung unter Druck zu setzen.
Trump versucht genau daraus politischen Nutzen zu ziehen. Saudi Arabien ist dabei der große Preis. Bereits im Juli machte der US Präsident ein geplantes amerikanisch saudisches Nuklearabkommen ausdrücklich davon abhängig, dass Riad den Abraham Abkommen beitritt und Beziehungen zu Israel normalisiert. Das ist weit mehr als diplomatische Symbolik. Eine offene Achse zwischen Israel, Saudi Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und weiteren amerikanischen Partnern würde Iran politisch, wirtschaftlich und militärisch deutlich stärker einhegen als eine Reihe isolierter bilateraler Abkommen. Saudi Arabien verlangt allerdings weiterhin einen glaubhaften Weg zu palästinensischer Staatlichkeit. Genau dort dürfte einer der schwierigsten Konflikte des gesamten Plans liegen.
Die Abraham Abkommen haben bereits gezeigt, dass arabische Staaten ihre Beziehungen zu Israel nicht dauerhaft der palästinensischen Führung unterordnen müssen. Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain, Marokko und Sudan gingen seit 2020 unterschiedliche Schritte zur Normalisierung. Ein Beitritt Saudi Arabiens hätte jedoch eine völlig andere Größenordnung. Er könnte auch weiteren Staaten den politischen Schutz geben, Beziehungen zu Jerusalem aufzunehmen. Für Israel wäre das eine der bedeutendsten strategischen Veränderungen seit Jahrzehnten.
Doch Washington will mehr als neue Botschaften und Direktflüge. Der Plan soll gleichzeitig die militärischen Folgen des 7. Oktober ordnen. In Gaza hängt Trumps Konzept weiterhin an der entscheidenden Frage, ob Hamas tatsächlich entwaffnet wird. Die amerikanische Roadmap sieht eine schrittweise israelische Rücknahme militärischer Präsenz vor, gekoppelt an überprüfbare Entwaffnung und eine neue palästinensische Verwaltung. Genau an der Reihenfolge gibt es weiterhin Streit. Israel verlangt zu Recht, dass Hamas ihre militärische Macht tatsächlich verliert, bevor Sicherheitspositionen aufgegeben werden.
haOlam berichtete bereits Ende August, dass Hamas der Entwaffnung zwar grundsätzlich zugestimmt hat, bislang aber keine Waffen abgegeben wurden. Das ist für jeden größeren amerikanischen Regionalplan der entscheidende Realitätstest. Eine neue Nahost Ordnung, in der Hamas ihre Waffen behält, wäre keine neue Ordnung. Sie wäre lediglich die Vorbereitung auf den nächsten Krieg.
Syrien und Libanon dürfen nicht zum Preis für schöne Bilder werden
Ähnliches gilt im Norden. Washington will ein Sicherheitsabkommen zwischen Israel und Syrien erreichen und die Vereinbarungen mit dem Libanon weiter umsetzen. haOlam hat bereits über die laufenden Gespräche mit Damaskus und Beirut berichtet. Ein Syrien ohne iranische Truppen, ohne Hisbollah Nachschub und ohne feindliche Kräfte unmittelbar an Israels Grenze wäre ein erheblicher strategischer Gewinn. Im Libanon gilt dasselbe Prinzip: Ein Rückzug Israels kann nur dauerhaft funktionieren, wenn die Hisbollah ihre militärische Parallelmacht verliert.
Wie weit diese Aufgabe von einer Lösung entfernt ist, zeigen die Kämpfe am Ali Taher Höhenzug. Israel meldete Anfang September die Räumung großer unterirdischer Hisbollah Anlagen, während die Terrororganisation weiterhin gegen das amerikanisch vermittelte Sicherheitsmodell Widerstand leistet. Ein Vertrag auf Papier ist deshalb noch keine sichere Grenze.
haOlam hatte bereits im Juni darauf hingewiesen, dass beim Libanon Abkommen zuerst die Hisbollah zurückgedrängt werden muss, bevor Israel das Risiko eines Rückzugs eingeht. Diese Reihenfolge wird auch bei Trumps größerem Plan entscheidend sein. Diplomatie kann Israels Sicherheitslage verbessern. Sie darf aber nicht verlangen, dass Israel militärische Sicherheiten aufgibt, bevor die Bedrohung tatsächlich verschwunden ist.
Interessant ist auch der Zeitpunkt. Israel wählt am 27. Oktober eine neue Knesset. Das israelische Innenministerium bestätigt diesen Termin offiziell. Nach Axios hofft Washington, dass die danach gebildete Regierung den amerikanischen Regionalplan unterstützt. Gleichzeitig machen US Vertreter deutlich, dass Trump seine Strategie auch dann vorantreiben will, wenn die israelischen Wahlergebnisse politische Widerstände erzeugen.
Das ist Chance und Warnsignal zugleich. Trump will offenbar nicht nur einen weiteren Waffenstillstand oder ein einzelnes Normalisierungsabkommen. Er versucht, Iran, Gaza, Syrien, Libanon und die Abraham Abkommen zu einem einzigen politischen Projekt zusammenzuführen. Für Israel könnte daraus eine außergewöhnlich günstige regionale Lage entstehen: ein isolierterer Iran, ein entwaffnetes Hamas Regime, eine zurückgedrängte Hisbollah und offene Beziehungen zu Saudi Arabien.
Aber nur, wenn diese Ergebnisse wirklich erreicht werden.
Israel darf nicht zum Preis eines großen diplomatischen Bildes Sicherheitspositionen räumen, während Hamas ihre Waffen versteckt, Hisbollah ihre Tunnel behält oder Iran lediglich auf den nächsten Anlauf wartet. Trump denkt groß. Für Israel kann das historisch werden.
Die entscheidende Frage ist nur, ob am Ende nicht lediglich die Verträge größer sind, sondern auch die Sicherheit.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 6. September 2026