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Senatskandidat El-Sayed: Mutter arbeitete für Netzwerk auf US-Terrorliste


Bundesakten belegen Fatten Elkomys Tätigkeit für die Islamic American Relief Agency. Das US-Finanzministerium warf dem weltweiten Netzwerk Unterstützung für bin Laden, Hamas und Taliban vor. Gegen Elkomy selbst wurde nie Anklage erhoben.

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Mitten im amerikanischen Senatswahlkampf holt Abdul El-Sayed eine Geschichte ein, für die er persönlich nicht verantwortlich ist, die aber aufgrund der dahinterstehenden Akten Aufmerksamkeit verdient. Seine leibliche Mutter Fatten Fathy Elkomy arbeitete nach nun ausgewerteten Unterlagen für die Islamic American Relief Agency, kurz IARA. Jene Organisation wurde im Oktober 2004 vom US-Finanzministerium auf die Terror-Sanktionsliste gesetzt. Die damaligen Vorwürfe gegen das internationale Netzwerk waren schwer: Unterstützung für Osama bin Laden, al-Qaida, die Taliban und Hamas.

Das Entscheidende vorweg: Es gibt keinen Beleg dafür, dass Abdul El-Sayed an diesen Vorgängen beteiligt war. Ebenso wurde seine Mutter weder wegen Terrorfinanzierung angeklagt noch als Mitverschwörerin beschuldigt. Eine familiäre Verbindung ist kein Schuldbeweis. Wer daraus eine persönliche Terrorverbindung des heutigen Senatskandidaten konstruiert, geht über die belegten Tatsachen hinaus.

Die belegten Tatsachen sind allerdings bemerkenswert genug.

Fatten Elkomy arbeitete nach den bisher veröffentlichten Recherchen von 1999 bis mindestens 2004 für die IARA. Dass sie dort nicht lediglich irgendwo in einer Mitgliederliste auftauchte, zeigen Unterlagen aus dem späteren amerikanischen Strafverfahren gegen die Organisation. In der Beweisliste der Bundesstaatsanwaltschaft finden sich Schreiben und aufgezeichnete Telefonate mit ihrem Namen. Ein Eintrag beschreibt beispielsweise einen von Fatten Elkomy stammenden Überweisungsauftrag vom Dezember 2000 über 24.607,34 Dollar an das IARA-Büro im Irak. Andere Unterlagen betreffen Korrespondenz über Gelder für Waisen in Jordanien sowie mehrere aufgezeichnete Gespräche. Diese Dokumente belegen ihre Tätigkeit für die Organisation. Sie belegen für sich allein jedoch weder eine terroristische Absicht noch, dass Elkomy von später erhobenen Vorwürfen gegen andere Verantwortliche wusste.

Genau diese Trennung ist wichtig, weil die Geschichte der IARA drastisch genug ist, ohne jemanden zusätzlich schuldig zu sprechen.

Am 13. Oktober 2004 setzte das US-Finanzministerium das weltweite Netzwerk der Islamic African Relief Agency, zu dem auch die als Islamic American Relief Agency bezeichnete amerikanische Organisation gehörte, als „Specially Designated Global Terrorist“ auf die Sanktionsliste. Sämtliche amerikanischen Vermögenswerte wurden damit blockiert, Unterstützung für die Organisation wurde untersagt.

Das Finanzministerium erklärte damals, internationale IARA-Büros hätten Osama bin Laden, al-Qaida, Hamas und andere Terrororganisationen finanziell unterstützt. Für den südasiatischen Bereich beschrieb die Behörde Unterstützung für al-Qaida und Taliban, darunter Geld, Unterkunft und Versorgung. Zum Hamas-Komplex hieß es, IARA habe nach Erkenntnissen der US-Behörden Geld in die palästinensischen Gebiete bewegt, das für terroristische Aktivitäten bestimmt gewesen sei. In einem westeuropäischen Land habe die Organisation als Verbindungskanal zur Hamas fungiert.

Das war nicht das Ende der Angelegenheit.

2008 erhob eine Bundesjury gegen IARA und mehrere frühere Funktionäre weitere Anklagepunkte. Dabei ging es unter anderem um Finanztransaktionen zugunsten von Gulbuddin Hekmatyar, der von den Vereinigten Staaten als globaler Terrorist eingestuft worden war und enge Verbindungen zu al-Qaida und den Taliban hatte. Rund 130.000 Dollar sollen 2003 und 2004 auf Konten in Pakistan geflossen sein, angeblich für ein Waisenhaus in Gebäuden, die Hekmatyar gehörten und von ihm kontrolliert wurden. Das US-Justizministerium stellte damals ausdrücklich klar, dass die Beschuldigten nicht wegen materieller Unterstützung des Terrorismus angeklagt wurden und ihnen auch nicht vorgeworfen wurde, wissentlich Terroranschläge finanziert zu haben. Vorgeworfen wurden vielmehr verbotene Finanztransaktionen zugunsten von Vermögen eines gelisteten Terroristen.

2016 bekannte sich IARA schließlich schuldig, fast 1,4 Millionen Dollar unter Umgehung amerikanischer Sanktionen in den Irak transferiert zu haben. Die Organisation bekannte sich außerdem zu einer Verschwörung zur Geldwäsche und zur Behinderung der Steuerverwaltung. Mehrere frühere Funktionäre waren zuvor bereits verurteilt worden. Anschließend wurde die Organisation endgültig aufgelöst.

Die Akten sind relevant, aber keine Erbschuld

Warum spielt das heute eine Rolle? Abdul El-Sayed hat gerade die demokratische Vorwahl für den offenen Senatssitz in Michigan gewonnen. Er setzte sich knapp gegen die Abgeordnete Haley Stevens durch und trifft bei der Wahl im November auf den Republikaner Mike Rogers. Ein Sieg würde ihn zum ersten muslimischen Mitglied des US-Senats machen.

El-Sayed gehört zum progressiven Flügel der Demokraten und hat Israel zu einem wichtigen Bestandteil seiner politischen Positionierung gemacht. Er bezeichnet den Krieg Israels gegen die Hamas in Gaza als Völkermord und tritt für ein Ende amerikanischer Militärhilfe an Israel ein. Auf einer Unterstützerseite seiner Kampagne wird diese Position ausdrücklich vertreten.

Nach dem antisemitischen Angriff auf Temple Israel in West Bloomfield im März geriet El-Sayed zudem selbst in eine heftige Debatte. Er verurteilte den Angriff ausdrücklich, erklärte Antisemitismus für inakzeptabel und betonte das Recht jüdischer Amerikaner auf Sicherheit. Gleichzeitig stellte er die Tat in einen Zusammenhang mit dem Tod von Angehörigen des Angreifers bei einem israelischen Luftangriff und verwendete mehrfach den Satz „Hurt people hurt people“. Dafür wurde er von Teilen der jüdischen Gemeinschaft scharf kritisiert. El-Sayed hielt später an der Formulierung fest, bezeichnete den Angriff jedoch erneut ausdrücklich als antisemitisch.

Diese Positionen darf und muss man politisch bewerten. Sie sind seine eigenen.

Die berufliche Vergangenheit seiner Mutter ist etwas anderes.

Es wäre unseriös, aus ihrer damaligen Beschäftigung bei IARA eine gerade Linie zu den heutigen Ansichten ihres Sohnes zu ziehen. Dafür gibt es keinen Beleg. Eltern vererben ihren erwachsenen Kindern weder strafrechtliche Verantwortung noch automatisch politische Überzeugungen.

Ebenso unseriös wäre es jedoch, die Geschichte deshalb für bedeutungslos zu erklären.

Die Bundesakten existieren. Fatten Elkomys Name steht darin. Das US-Finanzministerium setzte das Netzwerk, für das sie arbeitete, auf die Terrorliste und erhob schwerwiegende Vorwürfe wegen Unterstützung von bin Laden, Hamas, al-Qaida und Taliban. Später folgten umfangreiche Strafverfahren gegen die Organisation und mehrere Verantwortliche.

Was die Akten nicht zeigen, ist ebenso wichtig: Fatten Elkomy wurde nicht als Terrorfinanziererin angeklagt. Dass sie Überweisungen und Korrespondenz für IARA bearbeitete, sagt nichts darüber aus, welches Wissen sie über mögliche illegale Aktivitäten anderer Personen besaß. Genau an dieser Grenze muss seriöser Journalismus stehenbleiben.

Die Geschichte braucht keine künstliche Zuspitzung.

Dass die Mutter eines Kandidaten für den US-Senat jahrelang für eine Organisation arbeitete, die später von der amerikanischen Regierung als globales Terrornetzwerk sanktioniert wurde, ist bereits eine Nachricht.

Dass diese Organisation nach Angaben des US-Finanzministeriums Verbindungen zu einigen der berüchtigtsten Terrorakteure der vergangenen Jahrzehnte unterhielt, macht sie politisch brisant.

Aber Abdul El-Sayed muss für das beurteilt werden, was er selbst sagt und tut.

Und daran herrscht im aktuellen Wahlkampf wahrlich kein Mangel.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 21. August 2026

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