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Pentagon nimmt Harvard, MIT und Berkeley wegen Forschungskontakten zu China, Russland und Iran ins Visier


30 US-Hochschulen müssen ihre Forschungskooperationen mit ausländischen Partnern überprüfen. Das Pentagon fürchtet, dass amerikanisches Wissen und mit Steuergeld finanzierte Forschung bei strategischen Gegnern und deren Militär landen.

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Das Pentagon verschärft seinen Zugriff auf die amerikanische Hochschulforschung. Insgesamt 30 Universitäten und wissenschaftliche Einrichtungen in den USA wurden angewiesen, ihre akademischen, finanziellen und wissenschaftlichen Beziehungen zu ausländischen Institutionen umfassend zu überprüfen. Im Mittelpunkt stehen Verbindungen zu Einrichtungen in China, Russland und Iran.

Nach einem Bericht der Jerusalem Post müssen die betroffenen Hochschulen sämtliche identifizierten Kooperationen prüfen, mögliche Berührungspunkte mit sensibler oder exportkontrollierter Forschung feststellen und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen einleiten. Problematische Partnerschaften sollen notfalls vollständig beendet werden. Die Ergebnisse müssen dem Pentagon bis zum 31. August vorgelegt werden.

Das US-Verteidigungsministerium veröffentlichte die Namen der 30 amerikanischen Einrichtungen zunächst nicht. Ein US-Regierungsvertreter nannte gegenüber Fox News jedoch eine Liste, auf der einige der bekanntesten Universitäten des Landes stehen.

Dazu gehören Harvard, das Massachusetts Institute of Technology, MIT, die University of California in Berkeley, UCLA, Cornell, Duke, Johns Hopkins, New York University, Georgetown, Penn State und die University of Southern California. Auch zahlreiche weitere staatliche und private Hochschulen sind betroffen.

Wichtig ist dabei: Die Aufnahme in diese Überprüfung bedeutet nicht, dass den 30 Universitäten Spionage oder illegale Technologietransfers nachgewiesen wurden. Sie sollen vielmehr feststellen, ob ihre bestehenden Kooperationen Risiken enthalten.

Der Hintergrund der Aktion ist allerdings wesentlich konkreter.

Das Pentagon veröffentlichte am 23. Juli eine aktualisierte Liste mit 130 ausländischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen in China, Russland und Iran, denen es problematische Aktivitäten im Zusammenhang mit Technologietransfer vorwirft. Nach Angaben des Ministeriums erhöhen diese Institutionen das Risiko, dass mit amerikanischen Staatsmitteln finanzierte Forschung zweckentfremdet und von strategischen Gegnern genutzt wird.

Grundlage ist Section 1286 des National Defense Authorization Act. Das Pentagon warnt bereits seit mehreren Jahren davor, dass wissenschaftliche Kooperationen, die auf den ersten Blick rein zivil erscheinen, zur Weitergabe von Technologien, Forschungsergebnissen und Fachwissen führen können. Besonders sensibel sind Bereiche wie künstliche Intelligenz, Quantentechnologie, Hyperschallwaffen, Halbleiter, Robotik und autonome Systeme.

Dass diese Sorge nicht lediglich theoretisch ist, zeigen frühere Untersuchungen des US-Kongresses.

Ein gemeinsamer Untersuchungsbericht des China-Ausschusses des Repräsentantenhauses und des Bildungsausschusses kam bereits 2024 zu dem Ergebnis, dass mehr als 8.800 wissenschaftliche Veröffentlichungen mit Finanzierung des Pentagon gemeinsam mit Forschern chinesischer Institutionen entstanden waren. Bei mehr als 2.000 dieser Arbeiten seien chinesische Mitautoren direkt mit dem chinesischen Verteidigungs- und Forschungsapparat verbunden gewesen. Untersucht wurden unter anderem Arbeiten über Hyperschalltechnik, künstliche Intelligenz, Kernphysik, gerichtete Energiewaffen und autonome Systeme.

Das Problem liegt in der besonderen Struktur moderner Forschung. Viele Technologien sind sogenannte Dual-Use-Technologien. Eine Entwicklung kann beispielsweise gleichzeitig für zivile Robotik und militärische autonome Systeme interessant sein. Grundlagenforschung, die amerikanische Steuerzahler finanzieren, kann deshalb Jahre später Bestandteil eines gegnerischen Waffensystems werden.

Wie unmittelbar dieser Wissenstransfer wirken kann, zeigt auch eine aktuelle Reuters-Recherche. Chinesische Militärforscher nutzten demnach Ergebnisse fortgeschrittener amerikanischer KI-Modelle, um eigene Systeme unter anderem für Drohnennavigation, Cyberoperationen und militärische Anwendungen weiterzuentwickeln.

Noch deutlicher wurde das Problem bei Robotik. Reuters berichtete am Dienstag, dass Technologien aus jahrelang mit amerikanischen Militärmitteln finanzierter Forschung wesentliche Grundlagen für chinesische Roboterentwicklungen lieferten. Systeme des chinesischen Herstellers Unitree wurden später auch in militärischem Zusammenhang präsentiert.

Genau diese Entwicklung versucht Washington nun früher zu stoppen.

Das Pentagon verlangt deshalb nicht nur eine Aufstellung bestehender Partnerschaften. Die Universitäten sollen auch prüfen, ob sensible Forschung betroffen ist und wie Risiken beseitigt werden können. Dazu kann ausdrücklich die Beendigung einer Zusammenarbeit gehören.

Unterstaatssekretär Emil Michael formulierte die Linie bereits bei der Veröffentlichung der Liste der 130 ausländischen Einrichtungen deutlich. Mit amerikanischen Steuergeldern finanzierte Forschung müsse vor unerlaubtem Technologietransfer und der Ausbeutung durch gegnerische Staaten geschützt werden.

Das stellt amerikanische Spitzenuniversitäten vor einen grundlegenden Konflikt.

Internationale Zusammenarbeit gehört zum Wesen moderner Wissenschaft. Spitzenforschung funktioniert über Grenzen hinweg, Wissenschaftler veröffentlichen ihre Ergebnisse und Universitäten werben weltweit um die besten Forscher.

Doch diese Offenheit kann ausgenutzt werden.

Vor allem China verfolgt seit Jahren eine Strategie, zivile und militärische Forschung eng miteinander zu verbinden. Das Pentagon warnt ausdrücklich davor, dass chinesische Unternehmen, Universitäten und Forschungsprogramme auf den ersten Blick zivile Einrichtungen sein können, während ihre Erkenntnisse zugleich der Modernisierung der Volksbefreiungsarmee zugutekommen.

Bei Russland und Iran stellen sich ähnliche Sicherheitsfragen, insbesondere bei militärisch nutzbarer Hochtechnologie.

Die jetzige Überprüfung ist deshalb mehr als ein weiterer bürokratischer Bericht.

Washington stellt den Universitäten eine einfache Frage: Wer profitiert am Ende von Forschung, die amerikanische Steuerzahler finanzieren?

Wenn die Antwort China, Russland oder Iran lautet und die Ergebnisse militärisch verwertbar sind, will das Pentagon solche Kooperationen künftig nicht mehr einfach hinnehmen.

Für Harvard, MIT, Berkeley und die übrigen betroffenen Hochschulen beginnt damit eine Prüfung, die weit über einzelne Forschungsprojekte hinausgehen könnte. Sie müssen zeigen, dass wissenschaftliche Offenheit nicht gleichzeitig zur offenen Tür für Amerikas strategische Gegner geworden ist.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 20. August 2026

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