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Tlaib-Auftritt in Florida abgesagt: Jüdischer Veranstalter zieht nach Protest die Reißleine


Ein Veranstaltungszentrum in Fort Lauderdale wollte eine Wahlkampfkundgebung mit Rashida Tlaib ausrichten. Nach scharfer Kritik eines jüdischen demokratischen Abgeordneten und wachsenden Sicherheitsbedenken wurde die Buchung gestrichen. Der Streit reicht tief in die Demokratische Partei hinein.

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Eine geplante Wahlkampfveranstaltung mit der demokratischen US-Kongressabgeordneten Rashida Tlaib ist in Fort Lauderdale kurzfristig aus dem ursprünglichen Veranstaltungsort verbannt worden. The Venue Fort Lauderdale zog seine Zusage zurück, nachdem der demokratische Abgeordnete Michael Gottlieb die Kundgebung öffentlich als „anti-jüdisch“ bezeichnet hatte. Das Unternehmen verwies zusätzlich auf gestiegene Sicherheitsbedenken und seine besondere Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaft.

Tlaib sollte am Freitag bei einer Veranstaltung für drei Kandidaten der demokratischen Vorwahl in Florida auftreten. Unterstützt wurden die Kandidaten unter anderem von der Florida Youth Justice Coalition, Gen-Z for Change und einem örtlichen Verband der Democratic Socialists of America.

Die Absage bedeutet allerdings kein behördliches Verbot der Veranstaltung. Der private Betreiber entschied, seine Räume nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Nach Angaben eines Organisators sollte die Kundgebung anschließend in einer Weinbar in Fort Lauderdale stattfinden. Reuters konnte zunächst nicht bestätigen, ob die Veranstaltung dort wie geplant durchgeführt wurde.

Damit geht es weniger um staatliche Einschränkung der Meinungsfreiheit als um einen politischen und gesellschaftlichen Konflikt innerhalb der Demokratischen Partei.

Zwei jüdische Demokraten geraten unter Druck

Der Streit wird dadurch verschärft, dass Tlaibs Auftritt unmittelbar vor der Vorwahl am 18. August stattfinden sollte und zwei der unterstützten Kandidaten gegen jüdische demokratische Kongressabgeordnete antreten.

Elijah Manley tritt gegen einen jüdischen demokratischen Amtsinhaber an, ebenso richtet sich eine weitere progressive Herausforderung gegen Debbie Wasserman Schultz. Der republikanische Abgeordnete Randy Fine behauptete deshalb bereits vor der Absage, es sei kein Zufall, dass Tlaib ausgerechnet Kandidaten unterstütze, die jüdische Demokraten aus dem Kongress verdrängen wollten. Das ist eine politische Anschuldigung Fines, kein Beleg für ein antisemitisches Motiv der Kandidaturen.

Der deutlich relevantere Einwand kam allerdings von Michael Gottlieb.

Gottlieb ist selbst Demokrat und Vorsitzender des Florida Legislative Jewish Caucus. Er bezeichnete die Veranstaltung als „anti-Jew“ und machte öffentlich gegen die geplante Durchführung mobil. Kurz darauf erklärte The Venue, man habe sich aufgrund gestiegener Sicherheitsbedenken zur Absage entschlossen. Der Betrieb sei in jüdischem Besitz und seine Werte sowie die Verbindung zur jüdischen Gemeinschaft seien von großer Bedeutung.

Die progressive Parteiseite reagierte mit dem entgegengesetzten Vorwurf. Der Florida Democratic Progressive Caucus erklärte, die Absage sei von antimuslimischen Ressentiments geprägt.

Damit stehen sich zwei sehr schwere Anschuldigungen gegenüber.

Es wäre journalistisch falsch, Gottliebs Bezeichnung der Kundgebung als „anti-jüdisch“ einfach als feststehende Tatsache zu übernehmen. Ebenso wenig ist belegt, dass der Veranstaltungsort Tlaib allein deshalb ablehnte, weil sie Muslimin oder Palästinenseramerikanerin ist.

Was sich dagegen klar feststellen lässt, ist die Vorgeschichte Tlaibs.

Tlaibs Israel-Kurs ist seit Jahren hoch umstritten

Rashida Tlaib ist nicht lediglich eine gewöhnliche Kritikerin einer bestimmten israelischen Regierung. Ihre Positionen zur Existenz und politischen Zukunft Israels haben bereits zuvor massive Kontroversen ausgelöst.

Das US-Repräsentantenhaus tadelte Tlaib im November 2023 offiziell mit 234 zu 188 Stimmen. Grundlage war die Resolution H.Res. 845. Darin wurde ihr unter anderem vorgeworfen, nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober falsche Darstellungen verbreitet und die Parole „From the river to the sea“ verwendet zu haben.

Tlaib selbst weist die Interpretation zurück. Sie erklärte damals, die Parole sei für sie ein Aufruf zu Freiheit, Menschenrechten und friedlicher Koexistenz. Sie betont zudem regelmäßig, dass ihre Kritik der israelischen Regierung und nicht Juden gelte. Antisemitismus lehne sie ausdrücklich ab.

Auch 2025 erklärte sie öffentlich, Unterstützung für ein „Free Palestine“ und der Kampf gegen Antisemitismus seien für sie kein Widerspruch.

Diese Selbstbeschreibung ändert jedoch nichts daran, dass ihre Sprache und ihre politische Bündnispolitik innerhalb großer Teile der jüdischen Gemeinschaft als hoch problematisch wahrgenommen werden.

Besonders die Parole „From the river to the sea“ ist dafür ein Beispiel. Im 2023 verabschiedeten Tadelbeschluss des Repräsentantenhauses wurde sie ausdrücklich als Forderung interpretiert, die Israels Existenz ablehne. Tlaib bestreitet diese Interpretation.

Genau vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung des Veranstaltungsortes zu verstehen.

Das Unternehmen erklärte nicht, dass Tlaib als Muslimin unerwünscht sei. Es verwies auf Sicherheitsbedenken und darauf, dass es sich um einen jüdischen Betrieb handele, dem die Beziehung zur jüdischen Gemeinschaft besonders wichtig sei.

Das darf man kritisieren. Ein privater Veranstalter muss jedoch nicht so behandelt werden, als hätte er eine politische Rednerin staatlich zum Schweigen gebracht.

Tlaib konnte weiter sprechen. Die Organisatoren konnten einen anderen Ort suchen. Genau das taten sie nach den verfügbaren Berichten auch.

Der politische Schaden liegt deshalb an anderer Stelle.

Der Konflikt zeigt, wie tief die Auseinandersetzung über Israel inzwischen durch die Demokratische Partei verläuft. Auf der einen Seite stehen Politiker wie Tlaib und die Democratic Socialists of America, die amerikanische Unterstützung für Israel grundsätzlich infrage stellen. Auf der anderen Seite stehen jüdische Demokraten, die darin längst nicht mehr nur Kritik an Netanjahu erkennen, sondern einen politischen Kurs, bei dem Israel selbst zunehmend zum Problem erklärt wird.

Fort Lauderdale ist deshalb mehr als ein Streit um einen gebuchten Saal.

Vier Tage vor der Vorwahl wurde sichtbar, dass der Konflikt um Israel inzwischen selbst innerhalb der Demokraten darüber entscheidet, wer mit wem auf einer Bühne stehen will und wer bereit ist, einen politischen Preis dafür zu zahlen.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 15. August 2026

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