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US Ermittler decken mutmaßliche Hamas Finanzierung über angebliche Gaza Hilfe auf


Ein Mann aus San Diego soll Hunderttausende Dollar unter dem Vorwand humanitärer Hilfe gesammelt haben. Laut US Justizministerium floss ein Teil des Geldes an Hamas Strukturen.

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Wer nach dem 7. Oktober 2023 Geld für notleidende Menschen im Gazastreifen sammeln wollte, konnte auf eine starke emotionale Reaktion hoffen. Bilder zerstörter Straßen, verzweifelter Familien und hungernder Kinder bewegten weltweit viele Menschen. Genau diese Bereitschaft zur Hilfe soll nach Darstellung des US Justizministeriums nun in einem besonders schweren Fall ausgenutzt worden sein. Ein 38 Jahre alter Mann aus San Diego, Reda Mazen Rida Sabassi, wurde festgenommen. Die amerikanischen Behörden werfen ihm vor, über soziale Medien, Crowdfunding Seiten und eine angebliche Wohltätigkeitsorganisation Hunderttausende Dollar gesammelt zu haben. Nach außen sei es um Hilfe für Zivilisten in Gaza gegangen. Laut Ermittlern sollte das Geld jedoch zumindest teilweise der Terrororganisation Hamas zugutekommen.

Der Fall ist deshalb so brisant, weil er eine alte, aber nach dem Hamas Massaker vom 7. Oktober 2023 wieder hochaktuelle Frage berührt: Wie lässt sich echte humanitäre Hilfe von Finanzierungswegen trennen, die Terrorstrukturen stärken? Gerade Israel weist seit Jahren darauf hin, dass die Hamas ziviles Leid politisch und finanziell nutzt. Sie beherrschte Gaza nicht nur mit Waffen, Tunneln und Einschüchterung, sondern auch mit einem Netzwerk aus Propaganda, Hilfsfassaden, internationalen Sympathiekampagnen und verdeckten Geldströmen. Der nun bekannt gewordene Fall aus Kalifornien zeigt, dass diese Sorge keineswegs nur ein israelisches Argument ist. Sie ist Gegenstand amerikanischer Strafverfolgung.

Nach Angaben des Justizministeriums wurde Sabassi in einer fünf Punkte umfassenden Strafanzeige beschuldigt. Es geht um mutmaßliche Verschwörung zur materiellen Unterstützung von Hamas, Sanktionsumgehung, Drahtbetrug, Geldwäsche und Falschaussagen gegenüber Ermittlern. Vier dieser Vorwürfe können jeweils mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden, der Vorwurf der Falschaussage mit bis zu fünf Jahren. Das bedeutet nicht, dass Sabassi verurteilt ist. Es bedeutet aber, dass die amerikanischen Behörden den Fall als ernstes nationales Sicherheitsverfahren behandeln.

Die Ermittler zeichnen ein klares Muster. Sabassi soll seit mindestens 2022 soziale Medien, Spendenplattformen und die von ihm geführte Organisation Ikram, The Arab Charity Foundation Inc., genutzt haben, um weltweit Spenden einzuwerben. In den Kampagnen sei behauptet worden, das Geld diene humanitärer Unterstützung für Menschen in Gaza. Laut Strafanzeige soll die tatsächliche Absicht jedoch gewesen sein, Geld an Hamas zu leiten. Zwischen Dezember 2023 und Februar 2024 sollen auf diese Weise rund 600.000 Dollar zusammengekommen sein. Davon soll Sabassi etwa 116.000 Dollar an ein Hamas Mitglied geschickt und versucht haben, rund 382.000 Dollar in Kryptowährung umzuwandeln, um sie über Gaza Now an Hamas weiterzuleiten.

Gerade der Hinweis auf Kryptowährungen ist wichtig. Terrorfinanzierung findet längst nicht mehr nur über Bargeldkuriere, Scheinfirmen oder klassische Bankwege statt. Digitale Spenden, verschleierte Wallets, anonyme Unterstützerkreise und internationale Plattformen sind für Ermittler zu einem zentralen Feld geworden. Für gutgläubige Spender entsteht damit ein gefährlicher Graubereich. Wer glaubt, eine Familie oder ein Krankenhaus zu unterstützen, kann am Ende Teil eines Geldstroms werden, der Waffen, Tunnel, Kämpfer oder Propaganda finanziert. Der moralische Impuls, helfen zu wollen, wird dann gegen die Opfer selbst gewendet.

Nach Darstellung des Justizministeriums soll Sabassi Hamas auch öffentlich unterstützt haben. Er soll unter anderem ein etwa einstündiges Propagandavideo über das Massaker vom 7. Oktober erstellt und auf von ihm kontrollierten Social Media Konten verbreitet haben. In privaten Gesprächen mit einem mutmaßlichen Mitverschwörer sollen die Beteiligten sogar darüber gescherzt haben, eine Spendenkampagne nach den Izzadin al-Qassam Brigaden zu benennen, also nach der bewaffneten Hamas Struktur. Am Ende hätten sie sich laut Ermittlern für den Namen der angeblichen Wohltätigkeitsorganisation entschieden.

Diese Details sind nicht nebensächlich. Sie sprechen, falls sie sich vor Gericht bestätigen, gegen das Bild eines naiven Aktivisten, der die Zielrichtung seiner Kampagne nicht verstanden habe. Sie würden vielmehr darauf hindeuten, dass humanitäre Sprache bewusst als Tarnung eingesetzt wurde. Genau darin liegt die politische Sprengkraft des Falles. Die Hamas lebt nicht nur von Raketen und Tunneln. Sie lebt auch von der Fähigkeit, sich hinter Leid zu verstecken und aus weltweiter Anteilnahme neue Ressourcen zu gewinnen.

Der zuständige Vertreter der nationalen Sicherheitsabteilung des Justizministeriums, John A. Eisenberg, erklärte, der Beschuldigte habe die Terrorakte vom 7. Oktober mutmaßlich ausgenutzt, um Spender für betrügerische humanitäre Zwecke zu gewinnen. Das FBI sprach ebenfalls von einem schweren Vorwurf: Nach außen sei Geld für Wohltätigkeit gesammelt worden, tatsächlich aber habe der Beschuldigte mutmaßlich Hamas finanziert und zugleich eigene Ausgaben gedeckt. Auch persönliche Zahlungen, unter anderem für Kreditkarte und Miete, tauchen in den Vorwürfen auf.

Für Israel ist dieser Fall mehr als eine amerikanische Strafsache. Er bestätigt einen Kernkonflikt der gesamten Gaza Debatte. Niemand bestreitet, dass Zivilisten Hilfe benötigen. Gerade deshalb ist es so verheerend, wenn Terrororganisationen humanitäre Sprache als Schutzschild verwenden. Jede missbrauchte Spende schwächt nicht nur die Sicherheit Israels. Sie beschädigt auch das Vertrauen in echte Hilfe. Wer Hilfsbereitschaft zur Terrorfinanzierung macht, bestiehlt die Opfer doppelt: Er nimmt ihnen das Geld, das sie erreichen sollte, und stärkt jene Strukturen, die ihr Leid politisch ausnutzen.

Die Vereinigten Staaten führen Hamas seit 1997 als ausländische Terrororganisation. Das ist keine Formalie. Es bedeutet, dass finanzielle Unterstützung, direkte oder verschleierte Transfers und Umgehungsgeschäfte nicht als politische Meinungsäußerung behandelt werden, sondern als schwere Straftaten. Wenn die Vorwürfe gegen Sabassi vor Gericht Bestand haben, wäre der Fall ein Beispiel dafür, wie moderne Terrorfinanzierung im Gewand der Menschenliebe auftreten kann. Nicht mit offenem Kampfruf, sondern mit Spendenaufruf. Nicht mit Waffenbild, sondern mit Hilfsversprechen.

Gerade Medien, Politik und Hilfsorganisationen müssen daraus lernen. Es reicht nicht, jede Gaza Spendenkampagne automatisch als humanitär zu behandeln. Es braucht Transparenz, überprüfbare Empfänger, klare Zahlungswege, Kontrolle und die Bereitschaft, unangenehme Fragen zu stellen. Das schützt nicht nur Israel. Es schützt auch die Menschen in Gaza, die nicht erneut zu Statisten einer Hamas Finanzstrategie gemacht werden dürfen.

Sabassi ist nicht verurteilt. Die Vorwürfe müssen in einem rechtsstaatlichen Verfahren bewiesen werden. Aber schon die Anklage zeigt, wie ernst amerikanische Behörden die Gefahr nehmen. Der Fall legt offen, was in der öffentlichen Debatte oft verdrängt wird: Terrororganisationen finanzieren sich nicht nur durch Staaten, Schmuggel und kriminelle Netzwerke. Sie suchen auch den Weg durch Mitgefühl. Genau deshalb muss Hilfe für Gaza möglich bleiben, aber sie darf nicht blind sein. Wer helfen will, muss sicherstellen, dass sein Geld nicht dort landet, wo aus Spenden Gewalt wird.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 18. Juni 2026

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