New Yorks Bürgermeister meidet Israel-Parade und Bennett spricht von Feigheit
Die Israel Day Parade wurde in New York zum Signal jüdischer Selbstbehauptung. Doch Bürgermeister Zohran Mamdani blieb fern und löste scharfe Kritik aus Israel aus.

Die jährliche Israel Day Parade in New York ist in diesem Jahr weit mehr als ein Festzug gewesen. Sie wurde zu einem politischen und gesellschaftlichen Test dafür, ob jüdisches Leben in einer der wichtigsten Städte der Welt noch öffentlich, selbstbewusst und ohne Entschuldigung sichtbar sein darf. Während Tausende Unterstützer Israels auf der Fifth Avenue Flagge zeigten, blieb New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani der Veranstaltung fern. Der frühere israelische Ministerpräsident Naftali Bennett nannte diese Entscheidung „feige“ und traf damit einen wunden Punkt: In einer Zeit, in der Juden in westlichen Städten angefeindet, eingeschüchtert und für Israel kollektiv verantwortlich gemacht werden, ist Abwesenheit nicht neutral. Sie wird zur Botschaft.
Bennett schrieb auf X, gerade jetzt sei die Teilnahme an einem solchen Marsch ein Akt des Mutes. Wenn Juden auf Straßen bedrängt, angegriffen oder aufgefordert würden, sich für ihre Identität zu verstecken oder zu entschuldigen, dann sei öffentliches Mitgehen mehr als eine Geste. Es sei die Erklärung, dass Juden sich nicht einschüchtern lassen und dass der jüdische Staat nicht verschwinden werde, nur weil andere sich das wünschten. An Mamdani gerichtet erklärte Bennett sinngemäß, Führung bedeute, für alle New Yorker sichtbar da zu sein, auch für jene Juden, die diese Stadt ihr Zuhause nennen.
Der Vorgang ist deshalb politisch so bemerkenswert, weil Mamdani nach Berichten der erste New Yorker Bürgermeister seit 1964 ist, der nicht an der Israel-Parade teilnimmt. Noch 2024 hatte er selbst an der Veranstaltung teilgenommen und öffentlich erklärt, er werde immer an der Seite der jüdischen Brüder und Schwestern stehen. In diesem Jahr erklärte er zwar, sein Fernbleiben dürfe nicht als Weigerung verstanden werden, Sicherheit oder Genehmigungen für die Parade zu gewährleisten. Doch genau diese Trennung überzeugt viele jüdische New Yorker nicht. Sicherheit zu erlauben ist Verwaltung. Präsenz zu zeigen ist Führung.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu griff Mamdani nicht namentlich an, setzte aber einen klaren Gegenakzent. Er erklärte, das Volk Israels umarme die jüdischen New Yorker und die Freunde jüdischer New Yorker. Dabei erinnerte er daran, dass Zion, Jerusalem und die Bindung an das Land Israel seit mehr als 3.000 Jahren Grundlagen jüdischer Identität seien. Diese Aussage war mehr als historische Einordnung. Sie war eine Antwort auf jene Stimmen, die Zionismus als politische Störung darstellen wollen, statt ihn als Ausdruck jüdischer Geschichte, religiöser Erinnerung und nationaler Selbstbestimmung zu verstehen.
Auch Israels UN-Botschafter Danny Danon hob die Bedeutung der Parade hervor. Es sei bewegend, die Fifth Avenue in den Farben Israels zu sehen, besonders in einer Zeit, in der Antisemitismus wieder offen auftrete und Israelhass von gewählten Amtsträgern ermutigt werde. Niemand werde Juden dazu bringen, die israelischen Flaggen zu senken, nicht in New York und nirgendwo sonst auf der Welt. Diese Worte beschreiben die eigentliche Bedeutung des Tages: Es ging nicht nur um eine Parade, sondern um sichtbaren Widerstand gegen Einschüchterung.
Die Sicherheitsvorkehrungen zeigten zugleich, wie angespannt die Lage ist. Die New Yorker Polizei kündigte Kontrollen für alle Teilnehmer an. Waffen, Drohnen, große Taschen, Pakete, Rucksäcke und Kühlboxen waren verboten. Straßen wurden gesperrt, Zuschauer durften nur über bestimmte Zugänge in den Bereich der Parade. All das macht sichtbar, unter welchen Bedingungen jüdische und proisraelische Veranstaltungen in westlichen Metropolen inzwischen stattfinden. Was früher ein öffentliches Kulturereignis war, benötigt heute ein umfangreiches Sicherheitskonzept.
Vor Beginn der Parade protestierten auch antiisraelische ultraorthodoxe Gruppen wie Neturei Karta gegen die Veranstaltung. Einige hielten Plakate mit Botschaften, die Zionismus und Staat Israel grundsätzlich ablehnten. Andere schwenkten palästinensische Flaggen. Solche Gruppen werden in antiisraelischen Milieus gern überhöht, weil sie als jüdisches Feigenblatt gegen Israel dienen. Tatsächlich handelt es sich um eine kleine Strömung, die nicht für die Mehrheit jüdischen Lebens spricht. Ihre öffentliche Inszenierung wird dennoch regelmäßig genutzt, um den Eindruck zu erzeugen, jüdische Identität und Israel stünden in einem natürlichen Widerspruch. Für die meisten Juden weltweit ist das Gegenteil richtig: Israel ist nicht der Ersatz jüdischer Identität, sondern ein zentraler Ausdruck jüdischer Selbstbestimmung.
Besonders bemerkenswert war dagegen die angekündigte Teilnahme einer muslimischen Delegation. Die pakistanischstämmige Bürgerrechtsaktivistin Anila Ali wollte nach Angaben der Organisatoren mit muslimischen Unterstützern, darunter einem Imam und mehreren Kindern, an der Parade teilnehmen. Sie hatte dafür Drohungen und Kritik erhalten. Gerade diese Teilnahme zeigt, dass Solidarität mit Israel nicht auf Juden beschränkt ist. Sie ist eine Frage politischer Klarheit und menschlicher Anständigkeit. Wer sich an die Seite jüdischer Bürger stellt, stellt sich nicht gegen Muslime, Araber oder Palästinenser. Er stellt sich gegen Hass, Einschüchterung und die Dämonisierung des jüdischen Staates.
Israels Generalkonsul in New York, Ofir Akunis, nannte die Parade den wichtigsten Marsch ihrer Geschichte. Die Juden New Yorks seien gekommen, um zu bleiben. Der Staat Israel, die Heimat der Juden, sei gekommen, um zu bleiben. Niemand werde Juden mehr vorschreiben, wo sie leben dürften. Auch dieser Satz ist in der aktuellen Lage mehr als Rhetorik. Er erinnert daran, dass jüdische Sicherheit nicht aus Stillhalten entsteht. Sie entsteht aus Sichtbarkeit, Solidarität und der Weigerung, sich aus dem öffentlichen Raum drängen zu lassen.
Mamdani hätte an diesem Tag ein einfaches Zeichen setzen können. Er hätte nicht jede politische Position Israels teilen müssen. Er hätte keine Rede zur Nahostpolitik halten müssen. Er hätte nur erscheinen müssen, als Bürgermeister einer Stadt mit einer der größten jüdischen Gemeinschaften außerhalb Israels. Er hätte zeigen können: Diese Bürger gehören zu New York. Ihre Angst zählt. Ihre Freude zählt. Ihre Verbindung zu Israel ist kein Makel. Seine Abwesenheit tat das Gegenteil. Sie hinterließ genau dort eine Leerstelle, wo Führung sichtbar werden müsste.
Die Israel Day Parade hat deshalb eine größere Bedeutung bekommen, als ihren Organisatoren vielleicht lieb sein konnte. Sie wurde zu einem Bild für die Gegenwart: jüdische Bürger, die trotz Drohungen und politischer Feindseligkeit auf die Straße gehen; israelische Vertreter, die ihnen den Rücken stärken; antiisraelische Gruppen, die den Staat der Juden delegitimieren wollen; Sicherheitskräfte, die eine Parade schützen müssen; und ein Bürgermeister, der ausgerechnet in diesem Moment nicht erscheint.
Für Israel wird diese Szene aufmerksam registriert. Jerusalem sieht sehr genau, wo jüdische Gemeinschaften im Ausland Unterstützung erfahren und wo politische Führung ausweicht. New York ist nicht irgendeine Stadt. Sie ist ein Zentrum jüdischen Lebens, ein Symbol amerikanischer Vielfalt und ein wichtiger Ort der Beziehung zwischen Israel und der Diaspora. Wenn der Bürgermeister dieser Stadt der Israel-Parade fernbleibt, ist das kein lokaler Terminfehler. Es ist ein politisches Signal.
Am Ende bleibt die Frage, die Bennett so scharf formulierte: Was bedeutet Führung, wenn jüdische Bürger öffentlich angefeindet werden? Sie bedeutet nicht nur, Genehmigungen zu erteilen und Polizei bereitzustellen. Sie bedeutet, zu erscheinen. Gerade dann, wenn es unbequem ist. Gerade dann, wenn laute Gegner Druck machen. Gerade dann, wenn jüdische Bürger wissen müssen, dass sie nicht allein sind.
Die Menschen, die auf der Fifth Avenue mit israelischen Fahnen marschierten, gaben ihre eigene Antwort. Sie versteckten sich nicht. Sie senkten ihre Flaggen nicht. Sie erklärten sichtbar, dass jüdisches Leben und die Verbundenheit mit Israel keinen Rückzug brauchen. In einer Zeit wachsender Einschüchterung ist das kein Folklorebild. Es ist ein Akt demokratischer Selbstbehauptung.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Montag, 1. Juni 2026