Nach Zerstörung des Hisbollah-Bollwerks: IDF zieht von Ali Taher ab, Beaufort bleibt
Der unterirdische Komplex ist vernichtet, nun ordnet Israel seine Kräfte im Südlibanon neu. Rückkehrversuche der Hisbollah sollen weiterhin mit Feuer und Aufklärung verhindert werden.

Die israelische Armee hat sich nach Abschluss der Operation gegen den strategischen Hisbollah-Komplex vom Ali-Taher-Höhenzug im Südlibanon zurückgezogen. Nach einem Bericht von N12 organisieren sich die Truppen nun entlang der sogenannten gelben Linie neu. Einen vollständigen Rückzug aus den vorgeschobenen Positionen bedeutet das jedoch nicht: Die IDF bleibt vorerst am strategisch wichtigen Beaufort-Rücken. Gleichzeitig greifen israelische Kräfte weiterhin im Raum Ali Taher und in umliegenden Dörfern an, um eine Rückkehr von Terroristen der Hisbollah in das zuvor geräumte Gebiet zu verhindern.
Damit beginnt unmittelbar nach einer der aufwendigsten israelischen Operationen im Südlibanon die nächste Phase. Erst am Donnerstag hatte die IDF die unterirdischen Anlagen unter Ali Taher vollständig zerstört. Nach israelischen Angaben erstreckten sich die Tunnel über mehr als zwei Kilometer. In dem Komplex befanden sich Kommandozentralen, Waffenlager, Aufenthaltsräume sowie iranische Raketen, Flugkörper, Drohnen und Panzerabwehrwaffen. Die Anlage war über rund zwei Jahrzehnte mit iranischer Finanzierung und Planung aufgebaut worden.
Rund 1.100 Tonnen Sprengstoff waren erforderlich, um das Tunnelsystem endgültig unbrauchbar zu machen. Die IDF hatte zuvor wochenlang ober- und unterirdisch um die Kontrolle des Höhenzuges gekämpft. Ein Teil der Hisbollah-Terroristen wurde dabei getötet, andere flohen. Militärsprecher Effie Defrin erklärte nach Abschluss der Operation, die Terrororganisation habe angekündigt, die Infrastruktur „um jeden Preis“ verteidigen zu wollen, sei damit jedoch gescheitert.
Auftrag erfüllt, aber das Gebiet bleibt unter Beobachtung
Der jetzige Abzug vom Höhenzug ist deshalb nicht mit einer Rückkehr zur früheren Sicherheitslage gleichzusetzen. Israel gibt zwar die unmittelbare Stellung auf Ali Taher auf, will der Hisbollah aber nicht erlauben, nachzurücken und das Gebiet erneut militärisch zu nutzen. Laut N12 überwacht die IDF die geräumten Bereiche weiter durch Aufklärung und Feuerwirkung. Parallel laufen Gespräche mit der libanesischen Regierung darüber, ob Einheiten der libanesischen Armee in die von Israel verlassenen Gebiete einrücken können.
Genau darin liegt die entscheidende Frage der kommenden Wochen. Die Zerstörung eines Tunnelsystems ist dauerhaft. Die Kontrolle des Geländes darüber ist es nicht automatisch. Sollte die libanesische Armee tatsächlich nachrücken und verhindern, dass die Hisbollah erneut Stellungen, Waffenlager und Tunnel errichtet, könnte aus dem israelischen Militäreinsatz eine neue Sicherheitsordnung entstehen. Gelingt das nicht, würde sich das alte Problem lediglich wiederholen.
Die Erfahrung spricht für israelische Vorsicht. Über Jahre hatte die Hisbollah unterhalb strategischer Höhenzüge eine militärische Infrastruktur aufgebaut, obwohl internationale Vereinbarungen und die Präsenz libanesischer sowie internationaler Kräfte genau eine solche Bewaffnung im Süden verhindern sollten. Der Beaufort und Ali Taher wurden zu befestigten Stützpunkten einer Terrororganisation, die von dort aus israelische Gemeinden beobachten, Raketen abschießen und Angriffe vorbereiten konnte. Die IDF erklärte nach der Zerstörung, die unterirdischen Anlagen hätten zu den zentralen Kommando-, Kontroll- und Kampfstrukturen der Hisbollah gehört.
Dass Israel den Beaufort vorerst nicht räumt, ist deshalb sicherheitspolitisch folgerichtig. Der Höhenzug beherrscht weite Teile des Südlibanon und bietet Sicht auf Gebiete zwischen Litani und israelischer Grenze. Eine vorschnelle Aufgabe solcher Positionen, solange die Entwaffnung der Hisbollah nicht umgesetzt ist, würde der Terrororganisation erneut Raum verschaffen.
IDF prüft deutliche Reduzierung der Truppen
Gleichzeitig deutet sich eine größere Veränderung der israelischen Kräfteverteilung an. Nach Angaben von N12 prüft die Armee eine möglicherweise erhebliche Reduzierung ihrer Truppen im Libanon. Reguläre Brigaden könnten nach Judäa und Samaria verlegt werden. Dadurch soll vor allem die Belastung der Reservisten sinken, die seit Beginn des Krieges über lange Zeiträume hinweg immer wieder eingezogen wurden. Eine endgültige Entscheidung ist bislang nicht gefallen.
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Nur wenige Tage zuvor hatte die IDF erklärt, nach der Sprengung von Ali Taher sei die Sicherung der israelischen Sicherheitszone im Südlibanon abgeschlossen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz kündigten zugleich an, Israel werde in der Sicherheitszone präsent bleiben, um einen Wiederaufbau der Hisbollah-Infrastruktur zu verhindern.
Auch die politische Entwicklung läuft parallel weiter. Die Vereinigten Staaten versuchen, zwischen Israel und dem Libanon eine Vereinbarung voranzutreiben, die den Rückzug israelischer Kräfte mit einer tatsächlichen Entwaffnung der Hisbollah verbinden soll. Weitere Gespräche sind für Oktober in Rom vorgesehen. Bislang bleibt jedoch gerade dieser Kernpunkt ungelöst: Die Hisbollah weigert sich weiterhin, ihre Waffen vollständig abzugeben.
Israel zieht sich deshalb nicht einfach zurück. Es verschiebt Kräfte, nachdem ein strategisches Angriffssystem der Hisbollah zerstört wurde, hält aber wichtige Positionen und die Fähigkeit zum erneuten Eingreifen aufrecht.
Ali Taher zeigt damit, wie eine israelische Sicherheitsstrategie nach dem 7. Oktober aussehen soll: Bedrohungen nicht mehr jahrelang direkt an der Grenze wachsen lassen, militärische Infrastruktur zerstören und erst dann Gelände räumen, wenn die unmittelbare Gefahr beseitigt wurde. Ob diese Rechnung langfristig aufgeht, hängt nun vor allem davon ab, wer in die geräumten Gebiete nachrückt: der libanesische Staat oder erneut die Hisbollah.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de
Artikel veröffentlicht am: Montag, 14. September 2026