Iran nimmt die Golfstaaten in die Zange: Huthis bedrohen Hormus-Alternative am Roten Meer
Iran setzt die Straße von Hormus unter Druck, während seine Huthi-Verbündeten strategische Positionen am Bab al-Mandab erobern. Für Israel, Saudi-Arabien und den Welthandel entsteht damit eine gefährliche zweite Front.

Was die Internationale Presse als schwierige Entscheidung der Golfstaaten zwischen wirtschaftlichen Schäden und einer Verständigung mit Teheran beschreibt, ist zunächst das Ergebnis gezielt aufgebauten militärischen Drucks: Iran und die von ihm unterstützte Huthi-Terrororganisation bedrohen inzwischen die beiden wichtigsten Seewege an den gegenüberliegenden Seiten der Arabischen Halbinsel. Während Teheran den Verkehr durch die Straße von Hormus massiv beeinträchtigt, haben die Huthis große Teile der jemenitischen Rotmeerküste, die Hafenstadt Mocha und die strategisch gelegene Insel Mayun, auch Perim genannt, erobert. Damit sitzen sie unmittelbar am Bab al-Mandab.
Die Entwicklung ist nicht nur ein Problem Saudi-Arabiens. Der Bab al-Mandab verbindet den Indischen Ozean mit dem Roten Meer und damit dem Suezkanal sowie Israels südlichem Seezugang über Eilat. Wer dort Schiffe mit Raketen, Drohnen und Sprengbooten bedrohen kann, besitzt einen Hebel gegen Israel, die Golfstaaten und einen erheblichen Teil des Welthandels.
Für Teheran ist genau das strategisch wertvoll. Reuters zitiert einen regionalen Vertreter mit der Einschätzung, Iran betreibe ein langfristiges „Schachspiel“. Die Huthis seien der verbliebene iranische Verbündete mit besonders starken operativen Fähigkeiten. Bereits vor ihrem jüngsten Vormarsch konnten sie Handelsschiffe angreifen und Saudi-Arabien sowie Israel mit Raketen und Drohnen bedrohen. Nun kommt die Kontrolle über strategische Küstenabschnitte und Inseln hinzu.
Zwei Meerengen, dieselbe iranische Strategie
Saudi-Arabien hatte einen Teil seiner Ölexporte vom Persischen Golf an das Rote Meer verlagert, weil die Straße von Hormus durch den Krieg mit Iran zu einem immer unsichereren Exportweg geworden war. Die Ost-West-Pipeline verbindet die saudischen Ölfelder mit dem Rotmeerhafen Yanbu und ermöglicht es Riad, Hormus vollständig zu umgehen.
Doch auch diese Ausweichroute gerät unter Druck. Saudi-Arabien stellte den Betrieb der Pipeline am Freitag vorsorglich ein, nachdem sie von Drohnen getroffen worden war. Nach saudischen Angaben kamen die Drohnen aus dem Irak. Die Regierung in Bagdad leitete Ermittlungen ein und entließ einen örtlichen Kommandeur, nachdem festgestellt worden sei, dass Angriffe auf Saudi-Arabien aus der Provinz Maysan gestartet wurden.
Es wäre deshalb falsch, diesen konkreten Pipelineangriff ohne weitere Belege unmittelbar den Huthis zuzuschreiben. Das größere strategische Muster ist jedoch kaum zu übersehen: Auf der Golfseite bedroht Iran Hormus. Aus dem Irak operieren proiranische Milizen gegen saudische Ziele. Im Süden erweitert die Huthi-Terrororganisation ihre Position am Bab al-Mandab. Die verschiedenen Fronten erhöhen gemeinsam den wirtschaftlichen und militärischen Druck auf Staaten, die mit Washington verbunden sind.
haOlam hatte bereits Anfang August auf diese Entwicklung hingewiesen. Damals leitete Saudi-Arabien immer mehr Öl an das Rote Meer um, während die Huthis ihre Angriffe auf saudische Schiffe und Energieanlagen verstärkten. Der damalige mögliche Zangenangriff ist inzwischen wesentlich konkreter geworden: Die Huthis haben Mocha eingenommen und mit Mayun eine Insel besetzt, die mitten im Bab al-Mandab liegt.
Die Terrororganisation behauptet, die internationale Schifffahrt nicht generell bedrohen zu wollen und lediglich saudische Schiffe ins Visier zu nehmen. Ihre bisherige Bilanz liefert wenig Anlass, solchen Zusagen Vertrauen entgegenzubringen. Bereits bis Januar 2025 hatten die Huthis nach Angaben des Weißen Hauses mehr als 100 Handelsschiffe am Bab al-Mandab angegriffen und mehr als 300 Flugkörper auf Israel abgefeuert. Vier zivile Seeleute waren damals bereits durch Angriffe auf die Schifffahrt getötet worden. Die Vereinigten Staaten stuften Ansar Allah anschließend erneut als ausländische Terrororganisation ein.
Für Israel ist die Entwicklung deshalb keine entfernte Auseinandersetzung um saudische Ölexporte. Die Huthis haben seit dem 7. Oktober 2023 immer wieder versucht, israelische Städte und Infrastruktur mit ballistischen Raketen und Drohnen anzugreifen. Gleichzeitig richten sich ihre Operationen gegen die freie Schifffahrt im Roten Meer. Eine stärkere militärische Position am Bab al-Mandab bedeutet damit auch mehr Druck auf Israels südliche maritime Verbindung.
Verhandlungen unter militärischem Druck
Reuters beschreibt nun eine zunehmende Bereitschaft einiger Golfstaaten, direkt mit Iran über ihre Sicherheit zu verhandeln. Nach Darstellung regionaler Quellen verstärkt auch die amerikanische Zurückhaltung diesen Trend. Präsident Donald Trump habe eine saudische Bitte um direkte US-Angriffe gegen die Huthis abgelehnt. Ein für Montag in Oman geplantes Treffen arabischer Golfstaaten mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi über eine Regelung für Hormus wurde inzwischen allerdings wegen Streit über die Bedingungen verschoben.
Die Frage ist, wie solche Gespräche politisch eingeordnet werden. Diplomatie ist an sich kein Zugeständnis an Terrorismus. Wenn Verhandlungen jedoch stattfinden, weil Iran eine Meerenge unter Druck setzt und eine von ihm bewaffnete Terrororganisation gleichzeitig die zweite wichtige Schifffahrtsroute bedroht, dann entstehen sie nicht in einem neutralen Umfeld. Sie finden unter militärischem und wirtschaftlichem Zwang statt.
Genau darin liegt der Erfolg, auf den Teheran offenbar setzt. Iran muss Saudi-Arabien militärisch nicht besiegen und den Bab al-Mandab nicht vollständig sperren. Es genügt, Versicherungsprämien steigen zu lassen, Tanker umzuleiten, saudische Exporte unsicher zu machen und Ölpreise nach oben zu treiben. Je größer die wirtschaftlichen Verluste werden, desto stärker wird der Druck auf die Golfstaaten, sich mit Teheran zu arrangieren.
Die Huthis sind dabei keine bloße Marionette Irans. Sie verfolgen eigene Machtinteressen und kämpfen seit Jahren gegen Saudi-Arabien und die international anerkannte Regierung des Jemen. Doch ihre militärische Entwicklung ist ohne iranische Unterstützung nicht zu erklären. Reuters berichtete bereits nach der Einnahme Mochas unter Berufung auf jemenitische, iranische und regionale Quellen, dass der Vormarsch mit direkter Beratung der iranischen Revolutionsgarden erfolgt sei.
Auch militärisch ist die Lage keineswegs entschieden. Die jemenitische Regierung kündigte am Sonntag an, ihre Kräfte neu zu ordnen und verlorene Gebiete zurückzuerobern. Regierungstruppen griffen Huthi-Stellungen in Mocha, Dhubab und anderen Teilen der Provinz Taiz an. Gleichzeitig feuerten die Huthis erneut Raketen und Drohnen auf Saudi-Arabien. Mehr als 80.000 Menschen wurden allein seit Anfang September durch die Kämpfe vertrieben.
Für Israel bestätigt der Vormarsch dennoch eine Erfahrung, die sich seit dem 7. Oktober immer wieder gezeigt hat: Iran baut seine regionale Macht nicht nur mit eigenen Streitkräften auf. Teheran schafft bewaffnete Organisationen und unterstützt sie so lange, bis sie Nachbarstaaten, Handelswege und zivile Zentren bedrohen können. Hamas im Gazastreifen, die Hisbollah im Libanon, proiranische Milizen im Irak und die Huthis im Jemen sind unterschiedliche Organisationen mit eigenen Interessen. Gemeinsam ist ihnen jedoch die militärische Unterstützung aus Iran und die Bereitschaft, Gewalt gegen Israel oder andere Gegner Teherans einzusetzen.
Deshalb wäre es ein Fehler, die jüngste Entwicklung lediglich als saudisches Dilemma zu betrachten. Ein dauerhafter Huthi-Machtgewinn am Bab al-Mandab stärkt eine Terrororganisation, die Israel offen bekämpft, amerikanische Kräfte bedroht und den internationalen Handel bereits wiederholt angegriffen hat.
Die eigentliche Entscheidung lautet deshalb nicht, ob sich die Region irgendwann mit der geografischen Existenz Irans arrangieren muss. Iran ist selbstverständlich ein unveränderlicher Teil des Nahen Ostens. Entscheidend ist vielmehr, ob das Regime daraus das Recht ableiten kann, mit Terrororganisationen und bewaffneten Stellvertretern zwei der wichtigsten Seewege der Welt als Druckmittel zu benutzen.
Für Israel kann darauf keine dauerhafte Sicherheitsordnung aufgebaut werden. Solange die Huthis Raketen auf Israel richten, Handelsschiffe angreifen und ihre militärische Reichweite mit iranischer Hilfe ausbauen, bleibt ihre Schwächung nicht nur ein saudisches oder amerikanisches Interesse. Sie ist auch ein unmittelbares israelisches Sicherheitsinteresse.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de
Artikel veröffentlicht am: Montag, 14. September 2026