„Syria Shines Again“: Israel-Hetze auf Messe mit offiziellem deutschem Pavillon
Damaskus feiert seine wirtschaftliche Rückkehr, fast 60 Länder machen mit. Doch auf der internationalen Vorzeigemesse ertönen Parolen gegen Israel. Wenige Wochen zuvor drohten syrische Soldaten offen Juden mit dem Tod.

Syrien will der Welt zeigen, dass es zurück ist. „Syria Shines Again“ lautete das Motto der 63. Internationalen Messe von Damaskus. Fast 1.000 Unternehmen, Institutionen und andere Teilnehmer aus rund 60 Ländern kamen nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur SANA zusammen. Mehr als 1,4 Millionen Besucher sollen die Messe gesehen haben, Verträge und Vereinbarungen mit einem Volumen von umgerechnet mehr als einer Milliarde Dollar wurden verkündet. Auch Deutschland war nach mehr als vier Jahrzehnten erstmals wieder mit einem offiziellen Gemeinschaftsstand vertreten. Auf der deutschen Messeplattform werden 14 Aussteller aufgeführt. SANA sprach von 13 deutschen Unternehmen.
Doch ausgerechnet auf diesem Schaufenster des angeblich neuen Syrien waren am letzten Messetag ganz andere Töne zu hören. Aufnahmen, über die die Jerusalem Post berichtet, zeigen Personen auf dem Messegelände, die Al Aqsa und Gaza zum Durchhalten aufrufen und ankündigen, man werde kommen, egal wie viele Jahre es dauere. Schließlich folgt die Parole, man werde „Palästina vom zionistischen Abschaum befreien“. Wer genau die Beteiligten waren und welche Funktion sie auf der Messe hatten, ist bislang nicht zweifelsfrei geklärt. Dass die Rufe auf dem Gelände der staatlich organisierten Großveranstaltung ertönten, ist dagegen dokumentiert.
„Syria Shines Again“ und die erstaunlich alte Sprache
Das ist für Präsident Ahmed al-Sharaa mehr als eine peinliche Begleiterscheinung. Seine Regierung versucht gerade, Syrien wieder an internationale Märkte anzuschließen, Investoren anzulocken und nach Jahren von Krieg und Assad Herrschaft den Eindruck eines berechenbareren Staates zu vermitteln. Auf der Messe wurde erstmals auch das Damascus World Economic Forum gestartet. Regierung, Privatwirtschaft und internationale Investoren sollen dort zusammengebracht werden. SANA bezeichnet die internationale Beteiligung ausdrücklich als Zeichen neuen Vertrauens in Syrien.
Gleichzeitig steht Damaskus in Gesprächen mit Israel über Sicherheitsregelungen. haOlam berichtete bereits über die vorsichtige Annäherung und die Möglichkeit eines Sicherheitsabkommens zwischen Israel und Syrien. Wenige Wochen später wurden die Gespräche trotz neuer militärischer Spannungen fortgesetzt. Auch darüber berichtete haOlam: Damaskus spricht von einer historischen Gelegenheit, verlangt von Israel aber weitreichende Zugeständnisse.
Genau deshalb lassen sich die Parolen auf der Messe nicht einfach als belanglose Folklore abtun. Der syrische Journalist Ghassan Ibrahim warnte gegenüber der Jerusalem Post zwar davor, daraus automatisch eine staatliche Strategie abzuleiten. Jahrzehntelange antiisraelische Indoktrination unter Assad verschwinde nicht innerhalb weniger Monate. Die neue Regierung versuche pragmatisch zu handeln und Konflikte zu entschärfen. Diese Einordnung ist wichtig. Es gibt bislang keinen Beleg dafür, dass die Regierung al-Sharaas die Rufe angeordnet oder organisiert hat.
Nur steht der Vorfall eben nicht allein.
Im August wurden Angehörige der neuen syrischen Armee vor der historischen Zitadelle von Damaskus gefilmt. Sie riefen nach übereinstimmenden Berichten nicht nur gegen Israel, sondern ausdrücklich gegen Juden. Einer der dokumentierten Sätze lautete sinngemäß, man komme für den Juden und werde sein Blut in Strömen fließen lassen. Die Anti-Defamation League verwies zusätzlich auf Aufnahmen von Medizinabsolventen der Universität Aleppo, bei denen ähnliche Drohparolen zu hören gewesen sein sollen.
Damit wird aus einem einzelnen hässlichen Ruf ein größeres Problem. Syriens neue Führung kann für die jahrzehntelange Assad Propaganda nicht verantwortlich gemacht werden. Sie wird sich aber daran messen lassen müssen, was sie mit diesem Erbe macht. Soldaten, die Juden mit Blutvergießen drohen, und Besucher einer internationalen Wirtschaftsmesse, die Israel als „zionistischen Abschaum“ beschimpfen, passen schlecht zu dem Bild eines Staates, der westliche Investitionen und gleichzeitig ein Sicherheitsabkommen mit Israel sucht.
Deutschland kehrt offiziell nach Damaskus zurück
Für Deutschland bekommt die Geschichte eine zusätzliche Brisanz. Die deutsche Beteiligung bestand nicht lediglich aus einigen Unternehmen, die auf eigene Rechnung nach Syrien gereist waren. Der German Pavilion war Teil des Auslandsmesseprogramms des Bundes. Auf der offiziellen Seite wird ausdrücklich erklärt, dass das Bundeswirtschaftsministerium über solche Beteiligungen entscheidet und deutsche Messeauftritte im Ausland unterstützt. Die Plattform listet 14 Aussteller aus Bereichen wie Medizintechnik, Beratung, Logistik, Maschinenbau und Infrastruktur.
Das bedeutet nicht, dass diese Unternehmen oder die Bundesregierung etwas mit den Parolen zu tun hätten. Eine solche Behauptung wäre falsch. Aber ihre Anwesenheit zeigt, wie schnell Syrien international wieder Anschluss findet. Genau deshalb darf die politische Entwicklung hinter den neuen Geschäftsgelegenheiten nicht zur Nebensache werden.
Sarit Zehavi vom israelischen Alma Research and Education Center sieht in den Szenen von Damaskus ein weiteres Warnsignal. Gegenüber der Jerusalem Post erklärte sie, ein wirklich neues Syrien müsste eher Platz für einen israelischen Messestand schaffen, als solche Stimmen auf seiner wichtigsten internationalen Wirtschaftsveranstaltung zu erleben. Für Israel seien derartige Bilder ein weiteres Argument, bei den eigenen Sicherheitspositionen in Syrien vorsichtig zu bleiben.
Das trifft den eigentlichen Widerspruch. Al-Sharaa möchte Investoren überzeugen, außenpolitische Isolation überwinden und Syrien als normalen Staat zurück auf die internationale Bühne führen. Gleichzeitig sind in Armee und Gesellschaft noch immer Stimmen zu hören, deren Verhältnis zu Israel und Juden alles andere als normal ist.
Die Internationale Messe sollte zeigen, dass Syrien wieder glänzt.
Am letzten Tag zeigte sie unfreiwillig auch, was vom alten Hass noch übrig ist.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de
Artikel veröffentlicht am: Montag, 7. September 2026