Hamas unter ziviler Flagge: Sa’ar legt Netzwerk hinter Gaza-Flottille offen
Israels Außenminister präsentierte in Washington Dokumente zu Finanzierung, Organisation und verdeckten Eigentümern der Global Sumud Flotilla. Die Hinweise reichen nach israelischer Darstellung bis zu Hamas, Muslimbruderschaft und Hisbollah.

Israels Außenminister Gideon Sa’ar hat bei einer internationalen Konferenz in Washington Verbindungen zwischen führenden Organisatoren der Global Sumud Flotilla und mehreren Terrororganisationen dargestellt. Nach seinen Angaben zeigen im Gazastreifen beschlagnahmte Hamas-Dokumente, dass hinter der vermeintlich rein zivilen Bewegung ein Netzwerk aus Finanzierung, operativer Beteiligung und verdeckten Eigentumsstrukturen steht.
Die Konferenz über die Zunahme politisch motivierter Gewalt und des transnationalen linksextremistischen Terrorismus wurde von US-Außenminister Marco Rubio geleitet. Vertreter aus rund 60 Staaten nahmen daran teil.
Sa’ar beschrieb dort eine wachsende Zusammenarbeit zwischen radikalen linken Bewegungen im Westen und islamistischen Terrororganisationen. Diese Verbindung stelle eine reale Gefahr für Freiheit und Demokratie dar. Als Beispiel nannte er die Global Sumud Flotilla, deren Schiffe mehrfach versucht hatten, die israelische Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen.
Nach Darstellung des israelischen Außenministers ging es bei diesen Fahrten nicht in erster Linie um humanitäre Hilfe. Die Flottille habe vielmehr den politischen und strategischen Interessen der Hamas gedient. Bei mindestens einer der von ihm thematisierten Aktionen habe sich nach israelischen Angaben überhaupt keine Hilfsladung an Bord befunden.
Andere Flottillen führten geringe oder symbolische Mengen an Lebensmitteln und medizinischen Gütern mit. Das allein beweist jedoch keinen humanitären Hauptzweck. Entscheidend ist, ob die Organisatoren bereit waren, Hilfsgüter über kontrollierte Häfen an die Bevölkerung übergeben zu lassen. Entsprechende Angebote Israels wurden wiederholt abgelehnt, weil das erklärte Ziel gerade im Durchbrechen der Blockade und der damit verbundenen politischen Inszenierung bestand.
Beschlagnahmte Dokumente führen zu Hamas-Netzwerken
Sa’ar verwies auf Dokumente, die israelische Soldaten in Hamas-Anlagen im Gazastreifen sichergestellt haben sollen. Nach Angaben des israelischen Außenministeriums belegen sie eine direkte Verbindung zwischen der Hamas und der Palestinian Conference for Palestinians Abroad, kurz PCPA.
Israel beschreibt die 2018 gegründete Organisation als Auslandsvertretung der Hamas, die unter ziviler Tarnung Kampagnen, Demonstrationen und Flottillen gegen Israel organisiert. Die Global Sumud Flotilla soll über Personen und Einrichtungen aus diesem Umfeld unterstützt worden sein.
Die Unterlagen sollen außerdem auf die verdeckte Eigentümerschaft mehrerer Schiffe über eine spanische Gesellschaft hinweisen. Nach israelischer Darstellung war ein mit der PCPA verbundener Funktionär zugleich Geschäftsführer des Unternehmens, dem mehrere an der Flottille beteiligte Schiffe gehörten.
Damit geht der Vorwurf über politische Sympathien einzelner Aktivisten hinaus. Sollte die Zuordnung der Dokumente und Unternehmen zutreffen, wäre eine organisatorische Struktur erkennbar, in der ein vermeintlich unabhängiges ziviles Projekt durch Personen aus einem Hamas-nahen Netzwerk finanziert und kontrolliert wurde.
Die Dokumente sind von israelischen Behörden veröffentlicht und erläutert worden. Ihre Echtheit und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen wurden bislang jedoch nicht in einem öffentlich zugänglichen Gerichtsverfahren abschließend geprüft. Journalistisch sauber ist deshalb die Feststellung, dass Israel belastbare Unterlagen für eine direkte Verbindung vorgelegt hat, nicht aber die Behauptung, jede beteiligte Person sei damit bereits als Hamas-Mitglied überführt.
Im Mittelpunkt von Sa’ars Vortrag stand Zaher Birawi, ein in Großbritannien lebender palästinensischer Aktivist und langjähriger Organisator von Gaza-Flottillen. Ein von Ismail Haniyeh im Jahr 2021 unterzeichnetes Hamas-Dokument soll Birawi als Leiter des Hamas-Bereichs innerhalb der PCPA aufführen.
Das israelische Außenministerium bezeichnet ihn deshalb als führenden Hamas-Aktivisten und Leiter ihres europäischen Flügels. Britische Behörden haben Birawi bislang nicht öffentlich wegen einer Hamas-Mitgliedschaft verurteilt. Berichten zufolge wurde jedoch geprüft, ob er aufgrund seiner mutmaßlichen Verbindungen zur Terrororganisation mit Sanktionen belegt werden soll.
Birawi organisiert seit mehr als 15 Jahren Flottillen und politische Kampagnen gegen Israel. Ältere Äußerungen von ihm zeigen zudem, dass solche Aktionen nicht allein dem Transport von Hilfsgütern dienen sollten. Er beschrieb die Flottillen vielmehr als Instrument im politischen Kampf um die öffentliche Wahrnehmung.
Auf veröffentlichten Fotos ist Birawi gemeinsam mit dem damaligen Hamas-Führer Ismail Haniyeh zu sehen. Andere Bilder zeigen ihn im Umfeld westlicher Flottillen-Aktivisten, darunter Greta Thunberg. Ein gemeinsames Foto beweist weder Mitgliedschaft noch Wissen über sämtliche Hintergründe des anderen. Es zeigt jedoch, wie Personen mit mutmaßlich erheblichen Hamas-Verbindungen in westliche Aktivistenmilieus eingebunden werden und dadurch gesellschaftliche Legitimität erhalten.
Vom Klimaprotest zum Terroristenkult
Als zweites Beispiel nannte Sa’ar den brasilianischen Aktivisten Thiago Ávila, eine führende Persönlichkeit mehrerer Gaza-Flottillen. Ávila trat gemeinsam mit westlichen Prominenten auf und wurde auch im Umfeld von Greta Thunberg fotografiert.
Seine politische Nähe zu militanten Organisationen ist keine bloße israelische Behauptung. Ávila nahm im Februar 2025 in Beirut an der Beerdigung des getöteten Hisbollah-Generalsekretärs Hassan Nasrallah teil. Er veröffentlichte selbst Beiträge von der Veranstaltung und würdigte Nasrallah als inspirierende Figur des angeblich antikolonialen Kampfes.
Ávila erklärte außerdem, er habe Nasrallah bereits als junger Mann getroffen. Weitere Aufnahmen zeigen ihn mit Leila Khaled, einem Mitglied der Terrororganisation Volksfront zur Befreiung Palästinas, die an Flugzeugentführungen beteiligt war. Ávila bezeichnete sie öffentlich als eine der von ihm am meisten bewunderten Personen.
Diese Verbindungen machen nicht automatisch jeden Mitreisenden der Flottille zum Terrorunterstützer. Sie widerlegen aber das sorgfältig gepflegte Bild einer politisch unbefangenen Hilfsaktion. Wer einen führenden Flottillen-Organisator als gewöhnlichen Menschenrechtsaktivisten präsentiert, darf dessen Verehrung für Nasrallah und Khaled nicht verschweigen.
Sa’ars zentrale These lautet, dass Terrororganisationen westliche Aktivisten als zivile Fassade verwenden. Bekannte Namen sorgen für Aufmerksamkeit, studentische Gruppen mobilisieren Proteste und internationale Medien übernehmen Bilder vermeintlich friedlicher Helfer. Die dahinterliegenden Organisatoren, Geldgeber und Eigentumsverhältnisse bleiben dagegen häufig unbeachtet.
Der Vorwurf trifft auch große westliche Medien. Sa’ar beschuldigte unter anderem die BBC und die New York Times, auf diese Strategie hereingefallen zu sein und Bewegungen mit Verbindungen zu Terrororganisationen gesellschaftliche Glaubwürdigkeit verschafft zu haben.
Dabei besteht das Problem nicht darin, über Flottillen oder Kritik an Israel zu berichten. Journalismus muss auch die Positionen der Aktivisten abbilden. Versagen beginnt dort, wo deren Selbstdarstellung als humanitäre Helfer übernommen wird, während dokumentierte Kontakte zu Hamas, Hisbollah und anderen Terrororganisationen als nebensächlich behandelt oder vollständig ausgeblendet werden.
Die Hamas braucht in Europa keine bewaffneten Kämpfer auf jedem Schiff. Für ihre politische Strategie sind glaubwürdige westliche Gesichter oft wertvoller. Sie verwandeln eine von einschlägigen Netzwerken unterstützte Kampagne in ein emotionales Medienereignis und verschieben die Aufmerksamkeit von den israelischen Geiseln, der Entwaffnung der Hamas und dem Terror des 7. Oktober auf die angebliche Grausamkeit Israels.
Das ist die eigentliche Funktion der Flottillen: nicht die Versorgung der Menschen im Gazastreifen, sondern das Durchbrechen der politischen Isolation einer Terrororganisation. Die Schiffe transportieren dabei vor allem Bilder, Schlagzeilen und moralischen Druck.
Sa’ars Präsentation beweist nicht, dass jeder Teilnehmer diese Hintergründe kannte oder unterstützte. Sie zeigt jedoch, dass führende Organisatoren nicht als beliebige Friedensaktivisten behandelt werden dürfen. Wo Hamas-Funktionäre, Verehrer der Hisbollah und westliche Prominente in derselben Kampagne zusammenfinden, ist kritische Prüfung keine Diffamierung, sondern journalistische Pflicht.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 18. Juli 2026