IDF baut 41 Stellungen in Gaza und zerschlägt Hamas Tunnel in Beit Hanun
Israel kontrolliert inzwischen große Teile des Gazastreifens und befestigt die sogenannte gelbe Linie. Während die Hamas Zeit gewinnen will, räumt die IDF Tunnel, Waffenwerkstätten und letzte Terrorzellen.

Die israelische Armee baut ihre Kontrolle im Gazastreifen systematisch aus. Nach israelischen Berichten hält die IDF inzwischen rund 60 Prozent des Gebiets und errichtet entlang der sogenannten gelben Linie 41 feste Stellungen. Diese Linie soll nicht nur die Verteidigung gegen neue Angriffe sichern, sondern auch als Ausgangspunkt dienen, falls die Hamas sich weiter weigert, ihre Waffen abzugeben. Für Israel bedeutet das: Die nächste Phase des Krieges wird nicht mehr nur in einzelnen Operationen entschieden, sondern durch eine dauerhafte militärische Neuordnung des Raums.
Besonders deutlich wird das in Beit Hanun im Norden des Gazastreifens. Dort haben israelische Kräfte nach langer und systematischer Arbeit nach eigenen Angaben die letzten Tunnelabschnitte zerstört. Insgesamt geht es um ein unterirdisches Netz von rund 14 Kilometern, das die Hamas über Jahre in einem der dichtesten und schwierigsten Kampfräume Gazas aufgebaut hatte. Die IDF teilte den Bereich in einzelne Abschnitte ein, untersuchte jeden Raum, zerstörte oberirdische Verstecke und legte die unterirdischen Strukturen frei. Erst wenn ein Gebiet ober und unter der Erde als geräumt galt, rückten die Kräfte weiter.
Ein Vorfall aus dem Februar zeigt, wie lange einzelne Hamas Zellen in den Tunneln überleben konnten. Beobachterinnen der IDF entdeckten damals fünf Terroristen, die aus einem Tunnel im Raum Beit Hanun auftauchten und offenbar versuchten, sich einem israelischen Posten zu nähern. Die Kräfte reagierten schnell und töteten die Männer. Bei ihnen wurde ein persönliches und operatives Tagebuch gefunden. Daraus ging hervor, dass es sich um den Kommandeur der Hamas Kompanie Beit Hanun und vier Unterstützer gehandelt haben soll. Sie hatten demnach sieben Monate in den verbliebenen Tunneln ausgeharrt.
Die Aufzeichnungen schildern eine Lage der Erschöpfung. Die Terroristen ernährten sich demnach von Datteln und Resten, sammelten Wasser mit Plastikplanen und waren am Ende offenbar ausgehungert und entkräftet. Ihre Kameraden waren getötet worden, ihre Struktur zerfallen. Der Ausbruch aus dem Tunnel wirkte nach israelischer Einschätzung wie ein letzter verzweifelter Versuch, noch einen Anschlag auszuführen. Für die IDF ist dieser Fund wichtig, weil er zeigt, wie tief die Hamas ihre Kämpfer in unterirdischen Strukturen verankert hatte und wie lange solche Reste eines Bataillons weiter gefährlich bleiben können.
Parallel entsteht entlang der gelben Linie eine neue militärische Infrastruktur. Zwischen dieser Linie und dem Grenzzaun wurden tiefe Panzergräben angelegt. Die Armee setzt auf systematische Bohrungen, um verbliebene Tunnel aufzuspüren. Nach den Berichten wurden bereits mehr als 2500 Bohrpunkte gesetzt. Etwa jeder zehnte soll auf einen Tunnel getroffen sein. In der IDF geht man davon aus, dass mehr als 90 Prozent der unterirdischen Infrastruktur zwischen der gelben Linie und dem Zaun zerstört wurden.
Die neuen Stellungen unterscheiden sich von früheren provisorischen Absicherungen. Es handelt sich nicht mehr nur um improvisierte Schutzräume in Gebäuden, sondern um gebaute und befestigte Posten. Sie sollen den Soldaten bessere Beobachtung, schnellere Reaktion und eine stabilere Ausgangslage geben. Sollte Israel erneut breiter gegen Hamas Kräfte vorgehen müssen, könnten Logistik und Rückraum aus diesen Stellungen heraus organisiert werden. Das würde die Operationsfähigkeit westlich der gelben Linie deutlich verbessern.
Die Hamas versucht währenddessen, Zeit zu gewinnen. Nach israelischer Einschätzung befindet sich die Terrororganisation in einem strategischen Dilemma. Akzeptiert sie ein Abkommen, müsste sie sich entwaffnen. Lehnt sie ab, droht eine erneute Ausweitung der militärischen Operationen, die ebenfalls auf ihre Entwaffnung hinauslaufen würde. Deshalb setzt die Hamas offenbar auf Verzögerung. Jeder zusätzliche Monat kann ihr helfen, Herrschaftsstrukturen zu festigen, neue Sprengsätze zu bauen, verbliebene Kämpfer zu ordnen und auf politische Veränderungen zu hoffen.
Von einer vollständigen militärischen Erholung ist die Hamas aber weit entfernt. Der Gazastreifen ist abgeriegelt, Israel kontrolliert die Zugänge und damit weitgehend, was in das Gebiet gelangt. Nach Einschätzung des Südkommandos kann die Hamas keine regulären Waffen in größerem Umfang einschmuggeln. Zugleich stellt sie weiter improvisierte Waffen her, darunter Sprengsätze und RPG Munition aus nicht explodierten Kampfmitteln. Jede entdeckte Werkstatt wird nach Angaben der Armee möglichst schnell angegriffen.
Auch die Ausbildung der Hamas ist eingeschränkt. Nachdem die IDF praktische Trainings mehrfach angegriffen hatte, soll die Organisation teilweise auf theoretische Schulungen ausgewichen sein. Das schwächt ihre Fähigkeit, neue Kräfte professionell auszubilden. Stärker scheint die Hamas derzeit in den Bereich der inneren Kontrolle zu investieren. Nach israelischer Einschätzung baut sie eine Art eigene „Basidsch“ Struktur auf, also lokale Kontroll und Einschüchterungseinheiten, die gegenüber der Bevölkerung Präsenz zeigen und die Herrschaft der Hamas absichern sollen.
Für Israel ist das ein warnendes Zeichen. Die Hamas mag militärisch geschwächt sein, aber sie versucht weiter, Macht über die Bevölkerung auszuüben. Sie will nicht nur überleben, sondern wieder herrschen. Genau deshalb reicht es aus israelischer Sicht nicht, einzelne Tunnel zu zerstören oder Kommandeure auszuschalten. Entscheidend ist, ob die Hamas ihre Fähigkeit verliert, den Gazastreifen politisch, militärisch und gesellschaftlich erneut zu kontrollieren.
Der Preis dieser langen Operation ist auch für Israel hoch. Reserveeinheiten sind seit vielen Monaten immer wieder im Einsatz. In einem der genannten Bataillone sollen 90 Prozent der Soldaten trotz bereits sechs Kampfrunden erneut erschienen sein. Zugleich berichten Kommandeure von schweren Belastungen für Familien, Arbeitsplätze und ziviles Leben. Besonders alarmierend ist die Angabe, dass 23 Prozent der Soldaten eines Reservebataillons ihren Arbeitsplatz verloren hätten. Das zeigt, wie tief der Krieg inzwischen in die israelische Gesellschaft hineinreicht.
Trotzdem bleibt die Aufgabe klar. Für die Bewohner des westlichen Negev kann Sicherheit nicht nur ein Versprechen auf dem Papier sein. Nach dem 7. Oktober muss Israel verhindern, dass an der Grenze erneut ein Terrorraum entsteht, aus dem Anschläge vorbereitet und Gemeinden bedroht werden. Die gelbe Linie, die 41 Stellungen, die Bohrungen, Gräben und Tunnelzerstörungen sind Ausdruck dieser neuen Realität: Israel will nicht noch einmal darauf vertrauen, dass Abschreckung allein genügt.
Der Kampf um Gaza geht damit in eine Phase, die weniger spektakulär wirkt als große Angriffe, aber strategisch entscheidend ist. Meter für Meter, Tunnel für Tunnel, Werkstatt für Werkstatt versucht die IDF, der Hamas den Raum zu nehmen. Die Terrororganisation setzt auf Zeit. Israel setzt auf Kontrolle. Am Ende wird sich daran entscheiden, ob Gaza erneut zur Abschussrampe gegen Israel wird oder ob die Hamas ihre militärische Macht verliert.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 22. Mai 2026