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UN-Plan verlangt Entwaffnung der Hamas und knüpft Wiederaufbau an klare Bedingungen


Internationaler Vorschlag setzt auf schrittweisen Waffenabbau, Kontrolle und neue Verwaltung in Gaza. Israel soll sich parallel zurückziehen, doch zentrale Streitpunkte bleiben bestehen.

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Ein neuer internationaler Vorstoß zur Zukunft des Gazastreifens legt erstmals konkrete Bedingungen für eine Entwaffnung der Hamas offen. Der Sondergesandte des sogenannten „Board of Peace“, Nickolay Mladenov, präsentierte vor dem UN-Sicherheitsrat ein mehrstufiges Konzept, das militärische Strukturen der Terrororganisation auflösen und gleichzeitig eine neue Ordnung in Gaza schaffen soll.

Der Plan basiert auf 5 klar definierten Prinzipien und verfolgt einen Ansatz, der militärische, politische und gesellschaftliche Aspekte miteinander verknüpft. Im Kern geht es darum, die Hamas dauerhaft zu entwaffnen und ihre Kontrolle über den Gazastreifen zu beenden.

Waffen zuerst, Kontrolle danach

Das zentrale Element des Vorschlags ist ein schrittweiser Abbau der militärischen Fähigkeiten. Zunächst sollen schwere Waffen wie Raketen, Sprengsätze und militärische Ausrüstung eingesammelt werden. Auch das weit verzweigte Tunnelsystem soll gezielt zerstört werden.

Erst in einem späteren Schritt ist vorgesehen, kleinere Waffen einzusammeln. Dieser Prozess soll organisiert und kontrolliert ablaufen, unter anderem durch Programme, die finanzielle Anreize und alternative Perspektiven bieten.

Parallel dazu ist eine neue Sicherheitsstruktur geplant. Eine palästinensische Polizeitruppe soll aufgebaut werden, die künftig die Kontrolle im Gazastreifen übernimmt. Diese Einheiten sollen international unterstützt und unter anderem durch Ägypten ausgebildet werden.

Rückzug Israels an Bedingungen geknüpft

Ein entscheidender Punkt des Plans ist die Verknüpfung von Entwaffnung und militärischem Rückzug Israels. Beide Schritte sollen parallel erfolgen. Damit soll verhindert werden, dass Sicherheitslücken entstehen oder die Hamas ihre Position erneut festigt.

Aus israelischer Sicht ist genau dieser Punkt hochsensibel. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass militärische Strukturen der Hamas nach Rückzügen immer wieder aufgebaut wurden. Ohne verlässliche Kontrolle und Überprüfung bleibt daher Skepsis gegenüber solchen Modellen.

Der Plan sieht deshalb eine umfassende Überwachung vor. Internationale Mechanismen sollen sicherstellen, dass Vereinbarungen eingehalten werden. Der Wiederaufbau Gazas ist direkt an diese Kontrolle gebunden.

Streitpunkt Amnestie und Realität vor Ort

Ein weiterer zentraler Bestandteil betrifft den Umgang mit Hamas-Mitgliedern. Der Vorschlag enthält Programme zur Wiedereingliederung, die es Kämpfern ermöglichen sollen, in ein ziviles Leben zurückzukehren.

Genau hier liegt ein wesentlicher Konfliktpunkt mit Israel. Für Personen, die an Terrorangriffen beteiligt waren, kommt eine Straffreiheit aus israelischer Sicht nicht infrage. Dieser Unterschied zeigt, wie weit die Positionen weiterhin auseinanderliegen.

Gleichzeitig bleibt die Lage im Gazastreifen angespannt. Große Teile der Infrastruktur sind zerstört, die medizinische Versorgung ist eingeschränkt, und ein funktionierendes Wirtschaftssystem existiert kaum noch. Der Wiederaufbau hängt unmittelbar davon ab, ob ein solcher Plan umgesetzt werden kann.

Zwischen Diplomatie und Realität

Der Vorschlag setzt auf eine grundlegende Veränderung der Machtverhältnisse in Gaza. Die Hamas soll ihre militärische Rolle aufgeben, während eine neue Verwaltung die Kontrolle übernimmt. Für die internationale Gemeinschaft ist dies der einzige Weg, um einen dauerhaften Zustand ohne wiederkehrende Gewalt zu erreichen.

Aus israelischer Perspektive bleibt jedoch die entscheidende Frage offen, ob eine vollständige Entwaffnung tatsächlich durchgesetzt werden kann. Die Erfahrungen der letzten 20 Jahre sprechen dagegen. Waffen wurden immer wieder neu beschafft, Strukturen neu aufgebaut.

Der Plan zeigt damit vor allem eines: Der Weg zu Stabilität führt nicht über kurzfristige Lösungen, sondern über tiefgreifende Veränderungen. Ob diese unter den aktuellen Bedingungen realistisch sind, ist offen.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 25. März 2026

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