„Es fühlte sich wie ein Sieg an“: IDF-Zahnarzt über die Identifizierung von Ran Gvili
Mehr als zwei Jahre nach dem 7. Oktober ist der letzte israelische Vermisste aus dem Gazastreifen identifiziert. Nicht auf einem Schlachtfeld, nicht in einem triumphalen Moment, sondern in stiller, gefährlicher Präzisionsarbeit. Für die Soldaten war es dennoch ein Sieg.

Als die Nachricht durch die Einheit ging, war es kein Jubel wie nach einem militärischen Erfolg. Kein lauter Moment, kein Pathos. Und doch sagte einer der ersten Männer, die es wussten, später einen Satz, der alles erklärte: Es fühlte sich wie ein Sieg an.
Hauptmann L., Zahnarzt in der Spezialeinheit 6017 der israelischen Armee, war Teil jenes Teams, das die sterblichen Überreste von Stabsfeldwebel Ran Gvili identifizierte. Gvili galt seit dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 als vermisst. Zwei Jahre lang lebte seine Familie zwischen Hoffnung und Gewissheit. Zwei Jahre lang blieb eine offene Wunde im Land.
Nun ist dieser Kreis geschlossen.
Die Überreste wurden in einem Friedhof im Norden des Gazastreifens gefunden. Möglich wurde dies durch einen entscheidenden geheimdienstlichen Durchbruch, an dem der Inlandsgeheimdienst Shin Bet beteiligt war. Erst danach begann eine Arbeit, die kaum jemand sieht, die aber über Wahrheit, Gewissheit und Würde entscheidet.
Rund 250 Leichname wurden exhumiert, untersucht, dokumentiert. Jeder einzelne mit derselben Sorgfalt. Kein Schnellverfahren. Kein Risiko. Kein Zweifel durfte bleiben.
Die Einheit 6017 ist für die Identifizierung von Gefallenen zuständig. Ihre Arbeit basiert auf drei forensischen Säulen: Fingerabdrücke, Zahnstatus und DNA. Mindestens zwei davon müssen übereinstimmen, bevor eine Identität offiziell bestätigt werden darf.
Seit dem 7. Oktober arbeitet die Einheit nahezu ununterbrochen. Tausende Schicksale, unzählige Körper, unzählige Stunden. Doch dieser Einsatz war anders.
Vor der Operation mit dem Namen „Brave Heart“ lernte das Team jedes Detail von Ran Gvilis Zahnstatus auswendig. Jede Füllung, jede kleine Beschädigung, jede Besonderheit. Nicht aus Routine, sondern aus Verantwortung.
„Wir kannten seine Zähne auswendig“, sagte der Zahnarzt später. „Jede kleine Spur.“
Als sie schließlich vor einem der exhumierten Körper standen, genügte ein Blick.
In diesem Moment wussten sie es.
Alles Weitere war formale Pflicht. Protokoll. Absicherung. Wissenschaftliche Bestätigung. Doch innerlich war die Gewissheit bereits da.
Die Arbeit fand unter extremen Bedingungen statt. Feindliches Gebiet. Permanente Bedrohung. Zeitdruck. Jeder Handgriff musste sitzen, während ringsum die Realität des Krieges spürbar blieb. Dennoch durfte nichts überstürzt werden. Die Würde des Toten stand über allem.
Als die Identifizierung offiziell abgeschlossen war, verbreitete sich die Nachricht innerhalb weniger Minuten unter den Soldaten vor Ort. Keine Anweisung war nötig. Kein Befehl. Die Reaktion kam von selbst.
Rufe. Umarmungen. Tränen.
„Es war ein Moment völliger Einheit“, beschrieb es der Zahnarzt. „Ein Volk, eine Stimme, ein Ziel.“
Für viele Soldaten war dies mehr als eine forensische Aufgabe. Seit Oktober 2023 hatte sich ihre Arbeit ausschließlich um Tod gedreht. Um Namen, die bestätigt werden mussten. Um Familien, denen Gewissheit gebracht werden musste. Doch Ran Gvili war anders.
Er war die letzte offene Frage.
Der letzte Vermisste.
Der letzte, der noch nicht nach Hause zurückgekehrt war.
Mit seiner Identifizierung endet kein Schmerz. Aber etwas Unabgeschlossenes findet einen Punkt. Für die Familie. Für die Einheit. Für Israel.
Dass Gvili nicht lebend zurückkehrte, ändert nichts an der Bedeutung dieses Moments. In Israel bedeutet Heimkehr nicht nur Leben. Sie bedeutet Würde. Wahrheit. Verantwortung gegenüber den eigenen Bürgern.
„Unsere gesamte Einheit ist hineingegangen, um ihn nach Hause zu bringen“, sagte der Offizier. „Für seine Familie. Für uns. Für das Land.“
In einem Krieg, der von Propaganda, Zahlen und politischen Parolen überlagert wird, ist diese Geschichte eine andere. Sie handelt nicht von Strategie oder Schlagzeilen. Sie handelt von einem Staat, der selbst im Tod nicht aufgibt, seine Menschen zu finden.
Ran Gvili ist nun zu Hause.
Nicht als Symbol. Nicht als Zahl.
Sondern als Mensch.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: IDF
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 30. Januar 2026