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Iran zeigt Gesprächsbereitschaft beim Atomprogramm, lehnt Kapitulation im Krieg jedoch klar ab


Teheran denkt taktisch über Zugeständnisse nach, bereitet sich aber gleichzeitig auf einen langen Abnutzungskrieg vor. Die Führung rechnet mit weiterer Eskalation.

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Während in Washington von Fortschritten bei Verhandlungen gesprochen wird, zeichnet sich aus iranischer Perspektive ein deutlich anderes Bild ab. Teheran signalisiert zwar mögliche Zugeständnisse im Atomprogramm, lehnt jedoch jede Form von Kapitulation kategorisch ab.

Diese Einschätzung stammt von Raz Zimmet, einem der führenden israelischen Analysten für den Iran. Seine Analyse ist eindeutig. Das Regime denkt strategisch, nicht emotional. Es ist bereit, taktisch nachzugeben, aber nicht bereit, seine Machtstruktur infrage zu stellen.

Die zentrale Aussage ist klar formuliert. Ein Szenario, in dem die iranische Führung öffentlich nachgibt oder „die weiße Flagge zeigt“, wird nicht eintreten.

Der Hintergrund dafür liegt in einem tiefen Misstrauen gegenüber den USA und Israel. Aus iranischer Sicht wurden Verhandlungen bereits in der Vergangenheit von militärischen Aktionen begleitet. Dieses Muster prägt die aktuelle Haltung.

Abnutzung statt schneller Entscheidung

Teheran stellt sich auf einen langen Krieg ein. Die Führung geht davon aus, dass eine schrittweise Eskalation nicht automatisch zur Niederlage führt. Stattdessen setzt sie auf eine Strategie der Abnutzung.

Dabei ist eine Einschätzung besonders auffällig. Laut Zimmet fürchtet das Regime einen kurzfristigen Waffenstillstand mehr als einen langen Krieg.

Der Grund ist strategisch. Ein temporärer Waffenstillstand würde aus iranischer Sicht lediglich Zeit für neue Angriffe schaffen. Die Erfahrung aus dem Krieg im Juni 2025 verstärkt dieses Misstrauen. Damals wurde ein Ende der Kämpfe ebenfalls nicht als dauerhaft wahrgenommen.

Eskalationsoptionen bleiben bestehen

Der Iran sieht sich trotz militärischem Druck weiterhin handlungsfähig. Die Führung kalkuliert bewusst mit weiteren Eskalationsmöglichkeiten.

Dazu gehören Angriffe auf Energieinfrastruktur in der Region, etwa in Bahrain oder anderen Golfstaaten. Ebenso wird damit gerechnet, dass amerikanische Truppen direkt ins Visier genommen werden könnten, sollte es zu einer Bodenoperation kommen.

Auch ein möglicher Angriff auf die Insel Kharg, über die ein Großteil der iranischen Ölexporte läuft, würde aus iranischer Sicht nicht das Ende bedeuten. Vielmehr würde Teheran versuchen, angreifende Kräfte gezielt zu bekämpfen und gleichzeitig wirtschaftlichen Schaden weltweit zu verursachen.

Wirtschaft als strategische Waffe

Ein zentraler Bestandteil der iranischen Strategie bleibt die Fähigkeit, globale Märkte unter Druck zu setzen.

Durch die Lage im Persischen Golf kann der Iran den Energiefluss beeinflussen und damit direkten Einfluss auf Preise und Versorgung nehmen. Diese Fähigkeit wird bewusst als politisches Druckmittel eingesetzt.

Kein Bruch, sondern Anpassung

Die aktuelle Linie Teherans zeigt keine Bereitschaft zur Aufgabe, sondern eine Anpassung an die neue Lage.

Zugeständnisse im Atomprogramm wären demnach kein Zeichen von Schwäche, sondern Teil einer taktischen Strategie, um Zeit zu gewinnen, Druck zu reduzieren und gleichzeitig die eigene militärische Handlungsfähigkeit zu erhalten.

Für Israel bedeutet das eine klare Realität. Selbst wenn es zu einem Abkommen kommt, bleibt der Iran ein aktiver Gegner mit langfristigen strategischen Zielen.

Der Krieg wird daher nicht durch einzelne Verhandlungen entschieden, sondern durch die Fähigkeit, militärischen, wirtschaftlichen und politischen Druck dauerhaft aufrechtzuerhalten.

Autor: Bernd Geiger
Bild Quelle: By Tasnim News Agency, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=185776040

Artikel veröffentlicht am: Montag, 30. März 2026

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