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Brutale Misshandlungen gegen Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi im iranischen Gefängnis


Die norwegische Nobelkommission erhebt schwere Vorwürfe gegen Teheran: Narges Mohammadi sei im Gefängnis massiv misshandelt worden. Die Berichte zeichnen das Bild systematischer Gewalt gegen eine der bekanntesten Stimmen für Menschenrechte im Iran.

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Die norwegische Nobelkommission hat in ungewöhnlich deutlichen Worten auf den Zustand der inhaftierten Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi aufmerksam gemacht. Nach Angaben der Kommission sei die 2023 ausgezeichnete Menschenrechtsaktivistin während ihrer Haft im Iran schwer misshandelt worden. Die Schilderungen basieren nach Darstellung der Kommission auf „glaubwürdigen Berichten“.

Demnach sei Mohammadi im Dezember bei ihrer Festnahme wiederholt mit Schlagstöcken geschlagen worden. Sie sei an den Haaren gezogen worden, wobei Teile ihrer Kopfhaut ausgerissen worden seien. Auch während des Transports in einem Fahrzeug habe sich die Gewalt fortgesetzt. Besonders erschütternd sind die Angaben, sie sei im Beckenbereich und an den Genitalien getreten worden, was dazu geführt habe, dass sie zeitweise nicht mehr ohne starke Schmerzen sitzen oder sich bewegen konnte.

Die Vorwürfe wiegen schwer. Sie betreffen nicht nur einzelne Übergriffe, sondern den Vorwurf einer lebensgefährlichen Misshandlung in staatlichem Gewahrsam. Teheran hat sich zu den konkreten Anschuldigungen bislang nicht öffentlich geäußert.

Mohammadi gehört seit Jahrzehnten zu den prominentesten Stimmen für Menschenrechte im Iran. Für ihr Engagement gegen die Todesstrafe und für die Rechte von Frauen erhielt sie 2023 den Friedensnobelpreis. Einen Großteil der vergangenen zwanzig Jahre verbrachte sie im Gefängnis, unter anderem im berüchtigten Evin Gefängnis in Teheran.

Im Dezember 2024 war ihre Haftstrafe vorübergehend ausgesetzt worden, damit sie sich von einer Operation erholen konnte. Ein Jahr später wurde sie erneut festgenommen. Am vergangenen Samstag verhängte ein Gericht nach Angaben ihres Anwalts eine weitere Haftstrafe von mehr als sieben Jahren. Der neue Schuldspruch fällt in eine Phase verschärfter Repressionen gegen Regimekritiker, nachdem landesweite Proteste das Land in eine politische Krise geführt hatten.

Zuletzt befand sich Mohammadi im Hungerstreik. Sie protestierte nach Angaben einer nach ihr benannten Stiftung gegen ihre aus ihrer Sicht rechtswidrige Inhaftierung, gegen die Haftbedingungen sowie gegen die eingeschränkten Kontakte zu ihrer Familie und ihren Anwälten. Am Sonntag beendete sie den Streik. Die Stiftung erklärte, ihr körperlicher Zustand gebe Anlass zu „tiefer Besorgnis“.

In einem kurzen Gespräch mit ihrem Anwalt berichtete Mohammadi, sie sei in der vergangenen Woche in ein Krankenhaus gebracht, jedoch vor Abschluss der Behandlung wieder in das Gefängnis in Maschhad zurückgebracht worden. Nach Angaben ihrer Angehörigen leidet sie an Vorerkrankungen, darunter Herzprobleme, Bluthochdruck und Erkrankungen der Wirbelsäule.

Die neuerlichen Berichte über Misshandlungen verstärken den internationalen Druck auf Teheran. Menschenrechtsorganisationen verweisen seit Jahren auf systematische Gewalt in iranischen Haftanstalten, insbesondere gegen politische Gefangene. Der Fall Mohammadi steht exemplarisch für den Umgang der iranischen Behörden mit prominenten Kritikerinnen des Systems.

Ob und in welchem Umfang internationale Institutionen auf die aktuellen Vorwürfe reagieren werden, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Lage einer Friedensnobelpreisträgerin in Haft ist zu einem weiteren Symbol für die innenpolitische Situation im Iran geworden.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: By VOA - Voice of America, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=138544173

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 12. Februar 2026

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