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Huthis nehmen Perim: Irans Terrornetzwerk rückt ins Tor zum Roten Meer


Nach Mocha und Dhubab erreichen die Huthis Perim im Bab al Mandab. Damit wächst Irans Hebel gegen Schifffahrt, Saudi-Arabien und Israel.

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Was am Donnerstag noch wie ein gefährlicher Vormarsch auf eine strategische Meerenge aussah, hat binnen eines Tages eine neue Dimension erreicht. Die vom Iran unterstützte Huthi-Terrororganisation ist nach Angaben von vier Quellen aus dem Umfeld der international anerkannten jemenitischen Regierung auf die Insel Perim im Bab al Mandab vorgedrungen. Regierungstruppen hätten sich zuvor von der Insel zurückgezogen. Auch Dhubab auf dem gegenüberliegenden jemenitischen Festland soll von den Huthis eingenommen worden sein. Reuters berichtete zudem, dass die Terrororganisation bereits Mocha und zuvor Teile der Hanish-Inselgruppe unter ihre Kontrolle gebracht habe.

Damit hat sich die strategische Lage innerhalb weniger Tage dramatisch verändert. Noch am Donnerstag bestand Unsicherheit darüber, ob die Huthis Mocha tatsächlich vollständig kontrollierten. Inzwischen berichten mehrere jemenitische Regierungsquellen von der Einnahme der Hafenstadt. Perim ist jedoch noch bedeutender. Die Insel liegt nicht vor dem Bab al Mandab, sondern unmittelbar in der Meerenge und teilt die Passage in zwei Fahrrinnen.

Eine vollständige Kontrolle der gesamten Meerenge durch die Huthis ist damit noch nicht belegt. Doch ihre militärische Position ist erheblich stärker geworden. Von Mocha, Dhubab und Perim aus befinden sich Kräfte der Terrororganisation nun unmittelbar an einer der empfindlichsten Verkehrsadern der Welt.

Iran bekommt seinen zweiten Hebel gegen den Welthandel

Der Zeitpunkt könnte für Teheran kaum bedeutsamer sein. Während der Konflikt um die Straße von Hormus den dortigen Schiffsverkehr massiv beeinträchtigt, gewinnt der Bab al Mandab als alternative Route weiter an Bedeutung.

Aktuelle Daten der US Energy Information Administration zeigen das Ausmaß. Im zweiten Quartal 2026 passierten täglich rund 8,1 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte den Bab al Mandab. Durch die Straße von Hormus waren es im selben Zeitraum nur noch rund 4,9 Millionen Barrel täglich. Noch 2025 lagen die Verhältnisse völlig anders. Die Verschiebung zeigt, welche Bedeutung das Rote Meer inzwischen für die Energieversorgung gewonnen hat.

Saudi-Arabien nutzt seinen Ost-West-Pipelinekorridor, um Öl vom Persischen Golf zu den Anlagen am Roten Meer zu transportieren und damit die gefährdete Straße von Hormus teilweise zu umgehen. Genau diese Ausweichmöglichkeit gerät nun ebenfalls unter Druck.

Für Iran eröffnet sich damit ein strategischer Hebel an beiden Enden der Arabischen Halbinsel. Im Osten liegt die Straße von Hormus unter iranischem Druck. Im Westen sitzt mit den Huthis eine vom Regime in Teheran unterstützte Terrororganisation unmittelbar am Zugang zum Roten Meer.

Dass dies lediglich zufällig parallel geschieht, wird durch neue Berichte zusätzlich infrage gestellt. Reuters berichtete am Donnerstag unter Berufung auf jemenitische, iranische und regionale Quellen, dass Revolutionsgarden den Huthi-Vorstoß entlang der Küste mit Waffen und militärischer Beratung unterstützt hätten. Ziel sei demnach gewesen, im Krieg Irans mit den Vereinigten Staaten eine zusätzliche Front aufzubauen. Teheran bestreitet weiterhin, die Huthis operativ zu kontrollieren.

Auch jemenitische Kräfte erklärten, auf dem Laptop eines gefangenen Huthi-Kommandeurs Pläne gefunden zu haben, die einen schrittweisen Vorstoß zum Bab al Mandab zeigen sollen. Diese Angaben stammen von den Gegnern der Huthis und sind bislang nicht unabhängig vollständig verifiziert. Sie passen jedoch auffällig zum tatsächlichen Verlauf der Offensive: erst der Druck auf Mocha, dann der Vorstoß auf Dhubab und schließlich Perim.

Die Huthis selbst versuchen unterdessen, die Gefahr herunterzuspielen. Ihr Sprecher Mohammed Abdulsalam erklärte, die internationale Schifffahrt im Roten Meer und im Bab al Mandab sei sicher. Die eigenen Operationen seien defensiv und richteten sich nur gegen zuvor benannte Ziele.

Die Behauptung steht im Widerspruch zu jahrelangen Erfahrungen auf dem Roten Meer. Huthi-Terroristen haben Handelsschiffe mit Raketen und Drohnen angegriffen, Besatzungsmitglieder getötet und Schiffe gezwungen, die Route zu meiden. Erst am 12. August verurteilte die Internationale Seeschifffahrtsorganisation einen tödlichen Angriff auf ein Frachtschiff vor Mocha und warnte vor den Folgen für globale Lieferketten.

Für Reedereien ist dabei nicht entscheidend, ob die Huthis eine Meerenge formell für geschlossen erklären. Schon ein ausreichend hohes Risiko verändert den Verkehr. Versicherungen werden teurer, Besatzungen gefährdet und Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet. Genau das geschah bereits nach Beginn der Huthi-Angriffe Ende 2023.

Von Eilat bis Europa reicht dieselbe Bedrohung

Für Israel ist der Vormarsch keineswegs ein entferntes Problem des jemenitischen Bürgerkriegs. Die Huthis haben seit dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 wiederholt ballistische Raketen und Drohnen auf Israel abgefeuert und versucht, den Hafen von Eilat wirtschaftlich abzuschneiden. Sie verstehen sich selbst als Teil der iranischen Front gegen Israel.

Eine stärkere Huthi-Präsenz am Bab al Mandab erweitert deshalb nicht nur den Druck auf Saudi-Arabien und den internationalen Handel. Sie stärkt auch eine Terrororganisation, die Israel offen angreift und ihre weitreichenden Raketen und Drohnen bereits gegen israelische Ziele eingesetzt hat.

Hinzu kommt die geografische Bedeutung: Wer Schiffsverkehr am Bab al Mandab bedrohen kann, greift faktisch in die Verbindung zwischen dem Indischen Ozean, dem Roten Meer und dem Suezkanal ein. Der Seeweg nach Eilat, der europäische Handel mit Asien und wichtige Energieverbindungen laufen durch denselben strategischen Korridor.

Die international anerkannte jemenitische Regierung hat deshalb Gegenangriffe angekündigt. Der Nationale Verteidigungsrat erklärte am Donnerstag, der Staat werde versuchen, die Initiative zurückzugewinnen und die Bedrohung der Küste und der internationalen Seewege zurückzudrängen. Präsident Rashad al-Alimi bezeichnete die Verteidigung des Bab al Mandab ausdrücklich als Verteidigung globaler Verkehrswege und lebenswichtiger Versorgung.

Ob die Regierungstruppen dazu militärisch in der Lage sind, ist offen. Die Anti-Huthi-Kräfte sind politisch und militärisch zersplittert. Bereits in Mocha gab es widersprüchliche Meldungen über Rückzüge, Verstärkungen und Gegenangriffe. Auch die Front um Perim kann sich erneut verschieben.

Doch selbst ein erfolgreicher Gegenangriff würde die strategische Warnung nicht beseitigen. Die Huthis haben innerhalb weniger Tage gezeigt, dass sie Kräfte bis an die engste Stelle des Roten Meeres verlegen können.

Gestern bestand die Gefahr darin, dass Mocha ihnen besseren Zugriff auf den Bab al Mandab verschaffen könnte.

Heute stehen Huthi-Kräfte auf Perim.

Das ist kein symbolischer Geländegewinn. Es ist der bislang deutlichste Beleg dafür, wie ein iranischer Verbündeter eine der wichtigsten Verkehrsadern der Welt unmittelbar unter militärischen Druck setzen kann.

Iran benötigt dafür keine eigene Flotte im Roten Meer. Teheran verfügt dort über etwas anderes: eine bewaffnete Terrororganisation mit Raketen, Drohnen, Küstenstellungen und inzwischen möglicherweise Gelände mitten in der Meerenge.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 12. September 2026

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