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Kushner räumt ein: USA begreifen erst jetzt, wie tief Hamas Gaza militarisiert hat


Der US Sondergesandte spricht von einer Militarisierung Gazas „jenseits jeder Vorstellung“. Zugleich wird klar, warum Israel bei der Entwaffnung der Hamas keine Abkürzung akzeptieren kann.

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Eine Aussage von Jared Kushner verändert den Blick auf die festgefahrene nächste Phase des Gaza Plans. Die Vereinigten Staaten beginnen nach seinen Worten erst jetzt, das tatsächliche Ausmaß der Militarisierung des Gazastreifens zu verstehen. „Es übersteigt eure Vorstellungskraft“, sagte der US Sondergesandte am Sonntag bei einem Auftritt in Kiew. Die Konsequenz formulierte er gleich mit: Eine Demilitarisierung werde nicht einfach.

Das ist mehr als eine beiläufige Bemerkung. Kushner erklärte, Washington habe über mehr als vier Monate an einer Vereinbarung mit der Hamas gearbeitet und die Terrororganisation habe sich schließlich zur Entwaffnung verpflichtet. Gleichzeitig machte er deutlich, warum die Waffenfrage vor jeder neuen politischen Ordnung gelöst werden muss. Eine neue Regierung könne nicht einfach in ein Gebiet geschickt werden, solange dort bewaffnete Kräfte bestimmen, wer tatsächlich Macht ausübt. Nach Kushners Darstellung existiert bereits eine palästinensische technokratische Verwaltung, die weder Hamas noch Palästinensische Autonomiebehörde sein soll.

Was Washington erst jetzt begreift, ist Israels zentrale Sicherheitsfrage

Genau hier bekommt Kushners Satz seine eigentliche Bedeutung. Seit Jahren wird Israel vorgeworfen, bei Gaza zu misstrauisch zu sein, zu viele Sicherheitsbedingungen zu stellen und einen Rückzug an zu harte Voraussetzungen zu knüpfen. Nun sagt einer der wichtigsten amerikanischen Architekten des Gaza Plans selbst, dass die USA das Ausmaß der Militarisierung offenbar erst allmählich vollständig erfassen.

Der vom UN Sicherheitsrat gebilligte Plan ist dabei eindeutig. Hamas und andere bewaffnete Gruppen sollen jede politische und militärische Rolle verlieren. Tunnel, Waffenlager, Produktionsstätten und andere Terrorinfrastruktur sollen zerstört und nicht wieder aufgebaut werden. Waffen nichtstaatlicher Gruppen sollen dauerhaft unbrauchbar gemacht werden. Erst entsprechend überprüfter Fortschritt bei dieser Demilitarisierung ist mit weiteren israelischen Rückzugsschritten verknüpft.

Auch der Board of Peace hat diese Reihenfolge ausdrücklich festgeschrieben. In seinem Bericht an den Sicherheitsrat heißt es, die vollständige Außerdienststellung der Waffen und die Beseitigung militärischer sowie terroristischer Infrastruktur seien die zentrale Sicherheitsverpflichtung. Der israelische Rückzug soll schrittweise erfolgen und von nachgewiesenen Fortschritten abhängig sein. Wiederaufbau soll zunächst dort beginnen, wo die Entwaffnung zertifiziert wurde.

haOlam berichtete bereits Ende August, dass Hamas zwar der Entwaffnung zugestimmt hatte, die entscheidende Frage aber weiterhin die tatsächliche Umsetzung ist.

Israels Skepsis war also keine Weigerung, über eine Nachkriegsordnung zu sprechen. Sie richtete sich gegen eine Reihenfolge, bei der die IDF zunächst Positionen räumt und anschließend darauf vertraut, dass Hamas ihre Waffen tatsächlich abgibt. Genau dieses Vertrauen kann Israel nach dem 7. Oktober nicht mehr voraussetzen. Die Terrororganisation hatte den Gazastreifen über Jahre mit einem riesigen Tunnelnetz, Raketenstellungen, Waffenlagern, Kommandozentralen und Produktionsanlagen überzogen. Dass Kushner diese Militarisierung nun als kaum vorstellbar beschreibt, bestätigt im Kern die israelische Warnung, dass Gaza nicht einfach durch einen politischen Beschluss entwaffnet werden kann.

Präsident Isaac Herzog hatte deshalb bereits Anfang August klargestellt, dass die vollständige Entwaffnung der Hamas Voraussetzung für den Übergang zur nächsten Phase und zur technokratischen Verwaltung sein müsse. Außenminister Gideon Sa’ar formulierte die israelische Linie ähnlich deutlich: Kern des Trump Plans seien die Entwaffnung von Hamas und Islamischem Dschihad sowie die vollständige Demilitarisierung Gazas.

Auch haOlam hatte bereits zuvor gewarnt, dass ein israelischer Rückzug vor einer überprüften Entwaffnung die entscheidende Sicherheitsgarantie des Plans zerstören würde.

Kushners Seitenhieb auf Israel passt kaum zu seiner eigenen Warnung

Bemerkenswert ist deshalb ein zweiter Teil von Kushners Auftritt. Der US Sondergesandte erklärte, Washington und Jerusalem seien sich über das gewünschte Endergebnis grundsätzlich einig. Gleichzeitig kritisierte er die innenpolitische Lage in Israel. Die bevorstehende Knessetwahl sei „verrückt“ und mache die israelische Seite in manchen Fragen „ein wenig irrational“.

Gerade im Zusammenhang mit seiner unmittelbar vorher geäußerten Einschätzung wirkt dieser Vorwurf widersprüchlich. Wenn selbst die Vereinigten Staaten nach Monaten intensiver Verhandlungen erst jetzt beginnen, das Ausmaß der Militarisierung Gazas zu erfassen, lässt sich israelische Vorsicht schwer einfach auf Wahlkampfpolitik reduzieren. Israel hat diese Infrastruktur nicht aus Geheimdienstberichten kennengelernt, sondern seit Jahren in realen Kämpfen, in Tunneln, unter Wohngebieten und nach dem Massaker vom 7. Oktober.

Das bedeutet nicht, dass jede israelische Entscheidung automatisch richtig ist oder dass Wahlkampf keinen Einfluss auf politische Entscheidungen haben kann. Aber Kushners eigene Beschreibung zeigt, dass der Kern des Streits real und sicherheitspolitisch begründet ist. Eine neue palästinensische Verwaltung kann nur dann tatsächlich regieren, wenn Hamas nicht gleichzeitig über Waffen, bewaffnete Einheiten und unterirdische Infrastruktur verfügt. Andernfalls würde eine zivile Regierung lediglich über einem weiterhin existierenden Terrorapparat errichtet.

Netanyahu hatte Anfang September bei einem Besuch an der sogenannten Gelben Linie erneut erklärt, Israel werde an dem Ziel festhalten, Hamas zu entwaffnen und Gaza zu demilitarisieren. Die amerikanische Planung und die israelische Sicherheitsforderung unterscheiden sich beim gewünschten Endzustand deshalb weit weniger, als manche politischen Auseinandersetzungen vermuten lassen.

Kushners Satz könnte am Ende wichtiger sein als sein Seitenhieb auf die israelische Wahl.

Die USA beginnen erst jetzt zu verstehen, wie umfassend Gaza militarisiert wurde.

Israel weiß seit dem 7. Oktober, was geschieht, wenn diese Kriegsmaschine unterschätzt wird.

Deshalb kann die Reihenfolge nicht verhandelbar sein: Erst müssen die Waffen verschwinden, die Tunnel unbrauchbar werden und Hamas ihre militärische Macht verlieren. Danach kann eine neue Verwaltung tatsächlich übernehmen und ein weiterer israelischer Rückzug erfolgen.

Eine unterschriebene Entwaffnung ist noch keine entwaffnete Hamas.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Montag, 7. September 2026

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