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Hamas verspricht Entwaffnung, gibt aber keine Waffe ab: Gaza-Plan steckt fest


Hamas hat der Abgabe seiner Waffen und dem Ende seiner Herrschaft grundsätzlich zugestimmt. Doch umgesetzt wurde bislang nichts. Israel hält deshalb an seiner roten Linie fest: Kein Rückzug ohne überprüfbare Entwaffnung.

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Fast ein Jahr nach Beginn des von US-Präsident Donald Trump vorangetriebenen Gaza-Plans steckt dessen entscheidende Phase fest. Auf dem Papier sind die Bedingungen inzwischen ungewöhnlich eindeutig: Hamas und die anderen bewaffneten Organisationen sollen ihre Waffen abgeben, ihre militärische Infrastruktur verlieren und die zivile wie sicherheitspolitische Kontrolle über Gaza an eine palästinensische Übergangsverwaltung übertragen. Israel soll sich im Gegenzug schrittweise aus dem Gazastreifen zurückziehen, sobald die Entwaffnung überprüft und bestätigt worden ist. Doch zwischen Vereinbarung und Wirklichkeit klafft weiterhin eine gefährliche Lücke. Nach der aktuellen Analyse der Jerusalem Post wurde bislang keine Waffe nach dem vorgesehenen Verfahren außer Dienst gestellt, und Hamas kontrolliert weiterhin große Teile des Alltags von rund zwei Millionen Menschen im Gazastreifen.

Der entscheidende Fortschritt kam Ende August. Nikolay Mladenov, der Hohe Vertreter des von den USA getragenen Board of Peace für Gaza, erklärte vor dem UN-Sicherheitsrat, Hamas und andere bewaffnete Gruppen hätten erstmals zugestimmt, ihre Waffen abzugeben und die vollständige zivile und sicherheitspolitische Regierungsgewalt an eine von den Vereinten Nationen anerkannte Übergangsverwaltung zu übertragen. Mladenov betonte ausdrücklich, dass es bei der Entwaffnung keine Grauzone und keine ausgenommenen Waffenkategorien geben dürfe. Der veröffentlichte 15-Punkte-Fahrplan sieht vor, Waffen schrittweise unter Kontrolle des palästinensischen National Committee for the Administration of Gaza zu stellen und dauerhaft unbrauchbar zu machen. Militärische Produktionsstätten, Waffenlager und Tunnel sollen ebenfalls beseitigt werden. Die Umsetzung soll international kontrolliert werden.

Israels Forderung ist keine Blockade, sondern die Sicherheitsgarantie

Gerade an dieser Stelle wird häufig so getan, als seien die israelischen Bedingungen das Hindernis für den Fortschritt. Tatsächlich steht die Reihenfolge im Zentrum des gesamten Plans. UN-Resolution 2803 billigte Trumps umfassenden Gaza-Plan bereits im November 2025 und sieht ausdrücklich die Demilitarisierung Gazas, die Beseitigung terroristischer Infrastruktur und eine internationale Stabilisierungstruppe vor. Der aktuelle Fahrplan verknüpft die israelischen Rückzüge mit nachweisbaren Fortschritten bei der Entwaffnung. Israel soll also nicht auf ein Versprechen der Hamas vertrauen müssen, sondern erst dann Gelände räumen, wenn zuvor überprüfbare Schritte erfolgt sind. Genau dieses Prinzip hat Mladenov selbst mehrfach verteidigt.

Aus israelischer Sicht ist diese Bedingung nach dem 7. Oktober unverzichtbar. Hamas hatte schon vor dem Massaker jahrelang Waffen, Raketen, Tunnel und militärische Infrastruktur unter den Augen internationaler Organisationen aufgebaut. Ein erneuter israelischer Rückzug auf Grundlage bloßer Zusicherungen würde deshalb genau jenes Sicherheitsmodell wiederholen, dessen Scheitern Israel am 7. Oktober 2023 mit mehr als 1.200 Ermordeten und Hunderten Verschleppten bezahlte. Mladenov formulierte selbst, dass der neue Mechanismus nicht auf Vertrauen, sondern auf Überprüfung beruhe. Erst wenn Waffen tatsächlich eingesammelt, kontrolliert und dauerhaft unbrauchbar gemacht worden seien, soll der israelische Rückzug abschnittsweise erfolgen.

Das Problem ist: Für diesen Mechanismus fehlen weiterhin wesentliche Voraussetzungen. Die Internationale Stabilisierungstruppe ISF existiert bislang nicht in der vorgesehenen Stärke. Uganda und Burundi schickten zuletzt Militärvertreter nach Israel, um über eine mögliche Beteiligung zu sprechen. Uganda hat nach AP-Angaben rund 1.200 Soldaten gebilligt, Burundi prüft eine Teilnahme. Auch Kosovo, Albanien, Kasachstan und Marokko haben Beiträge zugesagt beziehungsweise erwogen. Doch von der ursprünglich vorgesehenen internationalen Truppe mit Tausenden Soldaten ist vor Ort bisher nur ein kleiner Teil vorhanden.

Damit entsteht das eigentliche Dilemma. Eine neue palästinensische Verwaltung kann Hamas nur dann dauerhaft ersetzen, wenn sie selbst Sicherheit gewährleisten kann. Dafür braucht sie Polizei und internationale Absicherung. Die internationale Truppe wiederum soll die Entwaffnung unterstützen. Israel will sich erst zurückziehen, wenn diese Entwaffnung nachweisbar funktioniert. Solange aber Hamas bewaffnet bleibt und weiterhin Gebiete sowie Bevölkerung kontrolliert, kann eine neue Verwaltung ihre Autorität kaum durchsetzen. Die Jerusalem Post beschreibt genau diesen Kreislauf als das zentrale Catch-22 des Gaza-Plans.

Der Test beginnt erst jetzt

Der diplomatische Durchbruch besteht deshalb bislang vor allem aus einer Zusage. Das ist nicht bedeutungslos. Dass Hamas und andere bewaffnete Gruppen sich überhaupt zu einer vollständigen Waffenabgabe und zum Verlust ihrer Regierungsgewalt verpflichtet haben sollen, wäre ein Schritt, den es in dieser Form zuvor nicht gegeben hat. Aber für Israel zählt nicht, was Hamas auf einem Papier akzeptiert, sondern was anschließend geschieht. Solange Raketen, Sprengstoff, Tunnel, Waffenlager und bewaffnete Einheiten bestehen, ist Gaza nicht demilitarisiert.

Genau deshalb ist der Satz des amerikanischen UN-Botschafters Mike Waltz entscheidend: Ein nachhaltiger Wiederaufbau Gazas könne nicht stattfinden, solange Hamas weiterhin die Fähigkeit besitzt, das Gebiet erneut in einen Krieg zu stürzen. Ohne Entwaffnung drohe lediglich ein dauerhafter Kreislauf aus Zerstörung und immer neuer humanitärer Hilfe. Auch der Board of Peace verbindet Investitionen und Wiederaufbau ausdrücklich mit einer entmilitarisierten Ordnung, in der keine Terrororganisation mehr über eine Parallelmacht verfügt.

Für Israel darf deshalb nicht wieder der Fehler gemacht werden, einen politischen Prozess mit einem sicherheitspolitischen Ergebnis zu verwechseln. Eine unterschriebene Verpflichtung ist noch keine entwaffnete Hamas. Eine angekündigte internationale Truppe ist noch keine Sicherheitsstruktur. Und eine geplante technokratische Verwaltung regiert Gaza nicht, solange bewaffnete Terroristen bestimmen können, was auf den Straßen geschieht.

Der Trump-Plan kann funktionieren. Seine Grundidee ist klar: Hamas verliert Waffen und Macht, eine neue palästinensische Verwaltung übernimmt, internationale Kräfte sichern den Übergang und Israel zieht sich nach überprüfbaren Fortschritten zurück. Doch genau diese Reihenfolge darf nicht aufgeweicht werden. Wer von Israel heute einen Rückzug verlangt, bevor die Hamas tatsächlich entwaffnet ist, würde nicht den Friedensplan beschleunigen. Er würde seine wichtigste Sicherheitsgarantie beseitigen.

Nach dem 7. Oktober kann Israel sich ein zweites Experiment dieser Art nicht leisten.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de

Artikel veröffentlicht am: Montag, 31. August 2026

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