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Kushners Hamas-Gespräche: Israel darf Oslo nicht wiederholen


Jared Kushner setzt auf direkte Gespräche mit der Hamas-Führung und hofft auf deren Entwaffnung. Für Israel liegt darin eine gefährliche Erinnerung: Terror darf durch Verhandlungen nicht wieder politische Legitimität gewinnen.

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Jared Kushner will erreichen, woran seit Jahrzehnten amerikanische Präsidenten, Diplomaten und Vermittler scheitern: Aus einem bewaffneten Konflikt soll eine politische Ordnung entstehen, die Israel dauerhaft Sicherheit bringt. Doch ausgerechnet seine jüngsten Gespräche mit der Hamas-Führung werfen eine Frage auf, die Israel nach dem 7. Oktober nicht mehr verdrängen kann: Wann dient Diplomatie der Entwaffnung eines Feindes, und wann beginnt sie, diesen Feind wieder als politischen Partner aufzuwerten?

Ein Kommentar der Jerusalem Post greift dafür einen bewusst provokanten Begriff auf: das „Oslo-Syndrom“. Der amerikanische Psychiater und Autor Kenneth Levin beschrieb damit 2005 eine politische Haltung, bei der die Hoffnung auf Frieden so stark werde, dass Warnzeichen verdrängt und Zugeständnisse selbst dann fortgesetzt würden, wenn die Gegenseite Gewalt nicht aufgegeben habe.

Man muss diese psychologische Metapher nicht übernehmen, um den Kern der Kritik ernst zu nehmen. Israel hat in den vergangenen drei Jahrzehnten mehrfach erlebt, dass politische Vereinbarungen allein keine Sicherheit schaffen. Entscheidend ist nicht, was auf Papier zugesagt wird, sondern was anschließend tatsächlich geschieht.

Genau deshalb ist Kushners derzeitiger Kurs so heikel.

Der Trump-Vertraute und Mitglied des Board of Peace traf Mitte August in Ägypten Hamas-Chef Khalil al-Hayya. Es handelte sich um einen seltenen direkten Kontakt zwischen einem hochrangigen amerikanischen Vertreter und der Führung der Terrororganisation. Anschließend reiste Kushner nach Jerusalem und führte stundenlange Gespräche mit Ministerpräsident Benjamin Netanyahu.

Im Mittelpunkt steht die Entwaffnung der Hamas. Washington versucht, einen Ablauf durchzusetzen, bei dem Hamas schrittweise ihre Waffen abgibt, während Israel seine Truppen schrittweise zurückzieht. Jerusalem hält dagegen an einer entscheidenden Bedingung fest: Erst muss Hamas vollständig entwaffnet sein, dann kann über weitere israelische Rückzüge gesprochen werden.

Diese Reihenfolge ist keine Nebensache. Sie entscheidet darüber, wer das Risiko trägt.

Zieht sich Israel zurück, bevor die Entwaffnung abgeschlossen und überprüft ist, liegt das Risiko erneut auf israelischer Seite. Hamas könnte Zeit gewinnen, Zusagen verzögern, Waffen verbergen und über Bedingungen nachverhandeln. Wird dagegen zuerst überprüfbar entwaffnet, muss die Terrororganisation beweisen, dass sie tatsächlich bereit ist, ihre militärische Macht aufzugeben.

Nach dem 7. Oktober ist kaum erklärbar, warum Israel bei genau dieser Frage Vertrauen als Sicherheitspolitik akzeptieren sollte.

Gespräche dürfen Hamas nicht rehabilitieren

Kushners Optimismus ist bekannt. Nach seinen jüngsten Gesprächen erklärte er, Fortschritte bei der Entwaffnung seien innerhalb relativ kurzer Zeit möglich. Hamas habe in den Gesprächen die richtigen Dinge gesagt. Das mag diplomatisch ermutigend klingen. Für Israel zählt jedoch weniger, was Hamas sagt, als was Hamas tut.

Die Organisation hat am 7. Oktober 2023 gezeigt, wozu sie bereit ist. Sie überfiel israelische Gemeinden, ermordete Zivilisten und verschleppte Menschen nach Gaza. Dass dieselbe Organisation nun gegenüber amerikanischen Unterhändlern von Bedingungen, Fahrplänen und politischen Garantien spricht, macht aus ihr keinen normalen Verhandlungspartner.

Das eigentliche Risiko direkter Gespräche liegt deshalb nicht im Gespräch selbst. Auch mit Feinden wird verhandelt, wenn dadurch Geiseln freikommen, Waffen abgegeben oder Kriege beendet werden können. Problematisch wird es, wenn der Gesprächspartner durch den diplomatischen Prozess erneut politische Bedeutung erhält, obwohl seine Entwaffnung noch gar nicht erfolgt ist.

Hamas versucht seit Jahren, militärische Niederlagen in politische Überlebensfähigkeit umzuwandeln. Wenn die Organisation am Ende eines Krieges, den sie mit dem Massaker vom 7. Oktober ausgelöst hat, wieder an einem Tisch über die Zukunft Gazas mitentscheidet, wäre das aus israelischer Sicht ein gefährliches Ergebnis.

Die Zukunft des Gazastreifens darf nicht davon abhängen, ob Hamas bereit ist, sich selbst freiwillig Stück für Stück abzuschaffen.

Das Board of Peace verfolgt offiziell ein anderes Ziel. Der von Präsident Donald Trump geschaffene Rahmen sieht die Demilitarisierung Gazas, eine neue zivile Verwaltung und den Wiederaufbau vor. Kushner gehört dem Führungsgremium an. Hamas soll gerade nicht dauerhaft an der Macht bleiben. Die amerikanische Strategie darf deshalb nicht vorschnell mit einer Wiederholung von Oslo gleichgesetzt werden.

Auch Kushners politische Bilanz spricht gegen die einfache Darstellung eines weltfremden Friedensromantikers. Sein während Trumps erster Amtszeit entwickelter „Peace to Prosperity“-Ansatz brach mit vielen traditionellen Vorstellungen früherer amerikanischer Friedenspläne. Und die erste Trump-Regierung spielte eine zentrale Rolle beim Zustandekommen der Abraham-Abkommen, durch die Israel seine Beziehungen zu mehreren arabischen Staaten normalisieren konnte.

Gerade deshalb wäre es zu einfach, Kushner lediglich als neues Opfer eines angeblichen „Oslo-Syndroms“ abzutun.

Die Warnung hinter diesem Begriff bleibt dennoch aktuell.

Israel hat den Preis für falsche Annahmen bezahlt

Oslo scheiterte nicht deshalb, weil Israelis Frieden wollten. Friedensbereitschaft ist keine Schwäche. Das Problem begann dort, wo Gewalt, Hetze und Terror nicht die Konsequenzen hatten, die sie hätten haben müssen.

Auch der israelische Abzug aus dem Gazastreifen 2005 sollte eine neue Realität schaffen. Israel räumte sämtliche jüdischen Gemeinden und zog seine Soldaten aus dem Inneren Gazas ab. Zwei Jahre später übernahm Hamas gewaltsam die vollständige Kontrolle über das Gebiet. Danach entstanden Raketenarsenale, Tunnelanlagen und militärische Strukturen, die schließlich Teil jener Bedrohung wurden, deren zerstörerischster Ausdruck der 7. Oktober war.

Diese Geschichte lässt sich nicht einfach auf Kushners heutige Initiative übertragen. Aber sie erklärt Israels Misstrauen.

Ein Friedensplan, der voraussetzt, dass Hamas sich am Ende freiwillig so verhält, wie ein friedlicher politischer Akteur handeln würde, baut auf genau jener Annahme auf, die Israel nicht noch einmal treffen darf.

Hamas muss nicht überzeugt werden, weniger radikal zu sein. Sie muss ihre militärische Macht verlieren.

Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Wenn Kushner und das Board of Peace dieses Ziel erreichen, wenn Hamas tatsächlich ihre Waffen, Raketen, militärischen Anlagen und Tunnel verliert und Gaza anschließend von einer nichtterroristischen Verwaltung geführt wird, wäre das keine Wiederholung von Oslo. Es wäre ein erheblicher israelischer Sicherheitsgewinn.

Wenn jedoch israelische Rückzüge vorgezogen werden, während Hamas nur schrittweise und unter immer neuen Bedingungen über ihre Entwaffnung verhandelt, droht das Gegenteil: Die Organisation gewinnt Zeit, internationale Anerkennung und erneut Einfluss auf ihre eigene Zukunft.

Genau an diesem Punkt muss Jerusalem hart bleiben.

Israel braucht keinen Frieden, der davon lebt, dass erneut an gute Absichten der Hamas geglaubt wird. Es braucht überprüfbare Tatsachen. Keine bewaffnete Hamas. Keine neuen Raketenbestände. Keine wiederaufgebauten Tunnel. Keine Terrorarmee wenige Kilometer von israelischen Gemeinden entfernt.

Der 7. Oktober hat den Preis dafür gezeigt, Sicherheitsannahmen mit Sicherheit zu verwechseln.

Kushners Diplomatie verdient deshalb nicht pauschal Ablehnung. Sie verdient eine klare Bedingung: Verhandlungen dürfen Hamas nicht retten, sondern müssen zu ihrer tatsächlichen Entwaffnung führen.

Alles andere wäre nicht Frieden, sondern nur die Vorbereitung auf die nächste Runde.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 26. August 2026

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