Liebe Leserinnen und Leser,
haOlam.de wird privat betrieben – ohne Verlag, ohne Unterstützung durch Institutionen. Damit wir unsere Arbeit auch 2026 fortführen können, möchten wir bis Jahresende mindestens 6.000 Euro erreichen, ideal wären 10.000 Euro. Jeder Beitrag hilft – auch kleine Beträge machen einen Unterschied.

Folter im Krankenhaus: Israel legt neue Vorwürfe gegen Hamas vor


Israel wirft der Hamas vor, das Nasser-Krankenhaus in Khan Younis für Verhöre, Folter und Erpressung zu missbrauchen. Besonders brisant: Ärzte ohne Grenzen hatte dort bereits Monate zuvor bewaffnete Männer, Einschüchterungen und Festnahmen von Patienten beobachtet.

haOlam-News.de - Nachrichten aus Israel, Deutschland und der Welt.

Ein Krankenhaus sollte ein Ort sein, an dem Verletzte behandelt werden und Patienten Schutz finden. Nach neuen Angaben der israelischen Armee und des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet soll die Hamas das Nasser-Krankenhaus im Süden des Gazastreifens jedoch für einen völlig anderen Zweck nutzen: für Verhöre, Folter und die Durchsetzung ihrer Herrschaft über die eigene Bevölkerung.

Israel veröffentlichte am Donnerstag neue Geheimdienstinformationen über den Krankenhauskomplex in Khan Younis. Demnach führen der interne Sicherheitsapparat und der militärische Geheimdienst der Hamas Verhöre im sogenannten Yassin-Gebäude durch, genauer im zweiten Stock der ambulanten Klinik.

Ein weiteres Gebäude auf dem Gelände soll ebenfalls zu einem Verhörzentrum umfunktioniert worden sein. Es habe früher Krankenhausbüros beherbergt, sei später als Cafeteria und Gebetsraum genutzt worden und diene inzwischen der Hamas für Verhöre.

Nach israelischen Angaben geht es dabei nicht um medizinische Aufgaben. Die Hamas nutze Teile des Krankenhauses als Machtzentrum für „Verhöre, Folter und Erpressung“. Patienten und Mitarbeiter hätten zudem immer wieder bewaffnete Hamas-Mitglieder auf dem Gelände gesehen, darunter maskierte Männer.

Die Vorwürfe lassen sich bislang nicht unabhängig in allen Einzelheiten überprüfen. Bemerkenswert ist jedoch, dass es schon Monate vor der jetzigen Veröffentlichung Warnzeichen gab, die nicht aus Israel kamen.

Ärzte ohne Grenzen zog bereits Konsequenzen

Ärzte ohne Grenzen hatte am 20. Januar 2026 einen Teil seiner Arbeit im Nasser-Krankenhaus eingestellt. Die Hilfsorganisation begründete diesen außergewöhnlichen Schritt ausdrücklich mit Sicherheitsproblemen innerhalb der Klinik.

MSF-Mitarbeiter hatten nach eigenen Angaben maskierte bewaffnete Männer auf dem Krankenhausgelände beobachtet. Außerdem berichtete die Organisation von Einschüchterungen und willkürlichen Festnahmen von Patienten. Bei einem weiteren Vorfall bestand der Verdacht, dass Waffen transportiert wurden.

Ärzte ohne Grenzen bezeichnete diese Vorgänge als völlig inakzeptabel und wandte sich deshalb an die zuständigen Behörden. Erst im April nahm die Organisation die zuvor ausgesetzten medizinischen Angebote wieder auf, nachdem Maßnahmen getroffen worden seien, um den Zugang bewaffneter Personen und von Waffen einzuschränken.

Das ist wichtig für die Einordnung der neuen israelischen Vorwürfe.

MSF erklärte damals nicht, dass es sich bei den bewaffneten Männern um Hamas-Terroristen gehandelt habe, und bestätigte auch kein Folterzentrum. Eine solche Behauptung wäre deshalb falsch.

Die Organisation bestätigte aber unabhängig von Israel etwas, das normalerweise in keinem Krankenhaus vorkommen sollte: bewaffnete und teilweise maskierte Männer, die Patienten einschüchterten oder festnahmen, sowie einen möglichen Waffentransport.

Das Krankenhaus selbst widersprach damals. Die bewaffneten Männer seien Polizisten gewesen, die für Sicherheit sorgen sollten. Zugleich forderte die Klinik Ärzte ohne Grenzen auf, seine Erklärung zurückzunehmen. MSF blieb jedoch bei seiner Darstellung.

Die israelischen Sicherheitsbehörden gehen nun wesentlich weiter.

Sie behaupten, die Hamas habe Teile des Nasser-Komplexes gezielt in ihre Sicherheitsstrukturen eingebaut. Hintergrund sei auch der schwindende Rückhalt der Terrororganisation unter den Bewohnern Gazas. Aus Angst vor einem Verlust ihrer Macht verstärke die Hamas ihren Sicherheitsapparat und versuche, die Bevölkerung mit Einschüchterung, Verhören und Folter unter Kontrolle zu halten.

Dass die Hamas Gewalt gegen politische Gegner und Kritiker einsetzt, ist kein neues Phänomen. Neu ist die konkrete Behauptung, dass ausgerechnet ein Krankenhaus dafür systematisch genutzt werde.

Und auch das Nasser-Krankenhaus taucht nicht zum ersten Mal in diesem Zusammenhang auf.

Die israelische Armee wirft der Hamas seit Jahren vor, den Komplex militärisch zu nutzen. Bei früheren Einsätzen erklärte die IDF, dort Waffen, Kommandoeinrichtungen und Hamas-Mitglieder gefunden zu haben. Israelische Geiseln berichteten ebenfalls darüber, in Krankenhäusern beziehungsweise medizinischen Einrichtungen im Gazastreifen festgehalten worden zu sein. Die aktuellen Geheimdienstangaben gehen nun darüber hinaus und beschreiben das Nasser-Krankenhaus auch als Instrument innerpalästinensischer Repression.

Gerade deshalb ist dieser Fall so brisant.

In der internationalen Debatte werden Krankenhäuser im Gazastreifen häufig ausschließlich als Opfer des Krieges betrachtet. Ihre besondere Schutzwürdigkeit steht außer Frage. Doch genau dieser Schutz wird zum Problem, wenn bewaffnete Organisationen medizinische Einrichtungen für ihre eigenen Zwecke nutzen.

Ein Krankenhaus verliert nicht einfach seinen gesamten Schutz, nur weil dort bewaffnete Kräfte auftauchen. Das humanitäre Völkerrecht kennt dafür wesentlich strengere Voraussetzungen. Aber ebenso eindeutig ist: Medizinische Einrichtungen dürfen nicht für militärische oder sicherheitsdienstliche Zwecke missbraucht werden.

Für die Menschen in Gaza entsteht dadurch eine besonders bittere Situation. Wer krank oder verletzt das Nasser-Krankenhaus aufsucht, sollte sich dort nicht vor bewaffneten Männern, Festnahmen oder politischen Verhören fürchten müssen.

Sollten sich die neuen israelischen Erkenntnisse bestätigen, wäre das Krankenhaus nicht nur als Deckung für militärische Aktivitäten benutzt worden.

Dann hätte die Hamas einen Ort, der eigentlich dem Schutz der eigenen Bevölkerung dienen soll, auch zu einem Instrument gemacht, um genau diese Bevölkerung einzuschüchtern.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 21. August 2026

Unterstütze unser Projekt


Newsletter