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Offizielle PA-Zeitung erklärt Juden selbst zu Ursache des Antisemitismus


Eine Kolumne in der offiziellen Zeitung der Palästinensischen Autonomiebehörde bedient klassischen Judenhass: Der Westen habe unter dem angeblich „schändlichen Verhalten“ der Juden gelitten und sich deshalb von ihnen „säubern“ wollen.

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In der offiziellen Tageszeitung der Palästinensischen Autonomiebehörde ist eine Kolumne erschienen, die einige der ältesten antisemitischen Motive Europas nahezu unverhüllt wiederholt. Juden werden darin als moralisch verdorben, betrügerisch, blutrünstig und als Ursache des gegen sie gerichteten Hasses dargestellt. Selbst die Vorstellung, westliche Gesellschaften hätten sich von Juden „säubern“ wollen, wird in diesem Zusammenhang aufgegriffen.

Das ist nicht irgendein Beitrag auf einem anonymen Telegram-Kanal. Al-Hayat Al-Jadida bezeichnet sich auf der eigenen Webseite ausdrücklich als offizielle Zeitung der Palästinensischen Autonomiebehörde und als Bestandteil der offiziellen Medien. Auch die palästinensische Wahlkommission zählt die Zeitung gemeinsam mit Palestine TV und der Nachrichtenagentur WAFA ausdrücklich zu den offiziellen palästinensischen Medien. Ein Präsidialdekret ordnet den Verlag zudem dem Präsidenten zu und bezeichnet ihn als Teil der offiziellen Medien sowie als Institution der PLO.

Gerade deshalb kann man den Text nicht einfach als private Entgleisung irgendeines Autors abtun.

Palestinian Media Watch, PMW, dokumentierte die am 8. August veröffentlichte Kolumne des Autors Hassan Hmeid. Nach der von PMW vorgelegten englischen Übersetzung behauptete Hmeid, der Westen habe stark unter den angeblich „schändlichen Verhaltensmustern der Juden“ gelitten. Der Zionismus habe deshalb westlichen Interessen entsprochen, weil jüdische Auswanderung ermöglicht habe, westliche Gesellschaften von Juden zu „säubern“.

Das Wort ist besonders entlarvend.

Hier wird die Verfolgung und Vertreibung von Juden nicht als antisemitisches Unrecht beschrieben. Stattdessen werden die Opfer selbst zu Verursachern des gegen sie gerichteten Hasses gemacht. Die Gesellschaft habe unter ihnen gelitten und deshalb ein nachvollziehbares Interesse daran gehabt, sie loszuwerden.

Das ist eines der ältesten Grundmuster des Antisemitismus: Nicht der Antisemit trägt Verantwortung für seinen Hass, sondern der Jude soll ihn durch sein angebliches Verhalten selbst hervorgerufen haben.

Hmeid bleibt nach der PMW-Übersetzung nicht dabei. Er behauptet außerdem, Theodor Herzl habe den osmanischen Sultan mit Gold verführen wollen. Anschließend wechselt der Autor von historischen Behauptungen zur pauschalen Beschreibung von Juden und Israelis als Träger von „Feindseligkeit, Rassismus, Lügen, Erfindungen, Blutgier und dunklem Hass“.

Schließlich wird sogar das Judentum selbst hineingezogen.

Nach der von PMW veröffentlichten Übersetzung behauptet die Kolumne, die Beseitigung der Palästinenser sei für Juden nicht lediglich ein politisches Ziel, sondern eine religiöse Überzeugung. Damit wird aus der politischen Auseinandersetzung mit Israel eine Dämonisierung des Judentums.

Das ist entscheidend.

Man kann die Politik Israels kritisieren. Man kann Zionismus ablehnen. Man kann über die Geschichte des Konflikts streiten. Aber wenn aus Juden ein angeblich von Natur aus betrügerisches und blutdürstiges Kollektiv gemacht wird und ihre Religion zur Grundlage einer vermeintlichen Vernichtungsabsicht erklärt wird, ist die Grenze zur klassischen antisemitischen Hetze längst überschritten.

Besonders schwer wiegt, dass dieser Text in einem Medium erscheint, das institutionell zur offiziellen palästinensischen Medienstruktur gehört.

Die Zeitung selbst schreibt, dass sie die politische Sicht der PLO und der Palästinensischen Autonomiebehörde ausdrückt. Die palästinensische Regierung führte Al-Hayat Al-Jadida bereits in der Vergangenheit gemeinsam mit WAFA und dem staatlichen Rundfunk als Teil der offiziellen Medien.

Das bedeutet nicht, dass jeder einzelne Kolumnentext automatisch eine formelle Regierungserklärung von Mahmoud Abbas oder der PA darstellt. Diese Unterscheidung ist wichtig.

Aber ebenso falsch wäre es, so zu tun, als handele es sich um ein vollkommen unabhängiges Privatmedium, für dessen Inhalte die offizielle palästinensische Medienlandschaft keinerlei Verantwortung trage.

Gerade hier liegt das politische Problem.

Die Palästinensische Autonomiebehörde verlangt international Anerkennung als verantwortungsfähige politische Führung. Sie fordert einen eigenen Staat, erhält internationale Unterstützung und tritt gegenüber europäischen Regierungen als möglicher Partner für eine Nachkriegsordnung auf.

Dann muss sie sich auch daran messen lassen, welche Vorstellungen über Juden in ihren offiziellen Medien verbreitet werden.

Denn Antisemitismus beginnt nicht erst bei einem Aufruf zum Mord.

Er beginnt dort, wo Juden zu einer moralisch verdorbenen Gruppe erklärt werden. Wo ihre Religion dämonisiert wird. Wo man behauptet, andere Gesellschaften hätten unter ihnen gelitten. Wo Vertreibung als verständliche Reaktion auf ihr angebliches Verhalten erscheint.

Genau deshalb ist die Formulierung von der „Säuberung“ westlicher Gesellschaften so schwerwiegend.

Europa kennt die historische Konsequenz dieser Sprache.

Juden wurden über Jahrhunderte beschuldigt, Gesellschaften zu verderben, heimlich Macht auszuüben, Geld zur Kontrolle anderer einzusetzen, Christen oder Nichtjuden zu hassen und Blut zu begehren. Aus solchen Vorstellungen entstanden Entrechtung, Vertreibung, Pogrome und schließlich industrielle Vernichtung.

Natürlich ist eine Zeitungskolumne nicht mit diesen Verbrechen gleichzusetzen.

Aber die Denkfigur ist dieselbe: Erst wird eine Minderheit als grundsätzlich schädlich beschrieben. Dann wird ihre Ausgrenzung oder Entfernung als Reaktion auf ihr eigenes Verhalten dargestellt.

PMW verweist darauf, dass solche Motive in den offiziellen palästinensischen Medien keineswegs erstmals auftauchen. Bereits im April 2026 dokumentierte die Organisation die Aussage eines Funktionärs des PA-Religionsministeriums im offiziellen Fernsehen, wonach Juden angeblich aus anderen Ländern vertrieben worden seien, weil sie sich an Korruption, Finanzverbrechen und Wucher beteiligt und den Völkern „das Blut ausgesaugt“ hätten.

Schon 2020 dokumentierte PMW eine Sendung des offiziellen PA-Fernsehens, in der behauptet wurde, westliche Staaten hätten die Gründung Israels unterstützt, um ihr angebliches „Judenproblem“ loszuwerden.

Damit wiederholt sich ein Narrativ: Antisemitismus wird nicht als Vorurteil der Täter erklärt, sondern als verständliche oder sogar zwangsläufige Antwort auf angebliches jüdisches Fehlverhalten.

Das ist eine gefährliche Umkehr von Täter und Opfer.

Und sie hat politische Folgen.

Wer Menschen ständig erklärt, Juden seien betrügerisch, rassistisch, blutrünstig und religiös darauf ausgerichtet, andere zu beseitigen, schafft ein Weltbild, in dem Feindseligkeit gegen Juden nicht mehr als Vorurteil erscheint. Sie kann stattdessen als angebliche Selbstverteidigung verkauft werden.

Genau darin liegt die Verbindung zwischen antisemitischer Dämonisierung und Gewalt.

Man muss nicht behaupten, dass eine einzelne Kolumne unmittelbar einen Terroranschlag verursacht. Ein solcher Zusammenhang wäre nicht beweisbar. Aber politische und religiöse Gewalt entsteht nicht in einem sprachlosen Raum. Sie braucht Feindbilder, Entmenschlichung und Erzählungen darüber, warum Gewalt gegen eine bestimmte Gruppe angeblich gerechtfertigt sei.

Umso schwerer wiegt es, wenn solche Erzählungen nicht nur von Hamas oder dem Palästinensischen Islamischen Dschihad verbreitet werden, sondern im offiziellen Medienapparat jener Palästinensischen Autonomiebehörde erscheinen, die international regelmäßig als gemäßigte Alternative präsentiert wird.

Die entscheidende Frage an Ramallah lautet deshalb nicht, ob Hassan Hmeid das Recht besitzt, eine Kolumne zu schreiben.

Sie lautet: Warum hat klassischer Judenhass Platz in einer Zeitung, die selbst erklärt, Teil der offiziellen Medien der Palästinensischen Autonomiebehörde zu sein?

Und noch wichtiger: Wo bleibt die klare Distanzierung?

Wer einen zukünftigen palästinensischen Staat als friedlichen Nachbarn Israels fordert, kann solche Texte nicht als nebensächliche Folklore behandeln.

Frieden beginnt nicht bei Grenzlinien.

Er beginnt damit, dem eigenen Publikum nicht zu erklären, dass Juden selbst schuld daran seien, wenn andere sie hassen, verfolgen oder aus ihren Gesellschaften entfernen wollen.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 19. August 2026

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