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Trump hält Netanjahu vor der Wahl auf Abstand


Viermal wurde Donald Trump zuletzt gefragt, ob er Benjamin Netanjahu bei Israels Wahl unterstützt. Viermal blieb das erwartete Ja aus. Hinter den Kulissen wachsen die Spannungen über Gaza, Iran, Libanon und Syrien.

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Benjamin Netanjahu hat sich daran gewöhnt, Donald Trump als politischen Verbündeten an seiner Seite zu wissen. Doch gut zwei Monate vor der israelischen Parlamentswahl am 27. Oktober zeichnet sich eine bemerkenswerte Veränderung ab. Der amerikanische Präsident lobt Netanjahu zwar weiterhin als starken Regierungschef in Kriegszeiten, vermeidet aber bislang genau den Satz, auf den man im Umfeld des israelischen Ministerpräsidenten hofft: eine öffentliche Unterstützung für seine Wiederwahl.

Nach einem Bericht von Barak Ravid für N12 und Axios wurde Trump in den vergangenen vier Wochen viermal von Journalisten gefragt, ob er Netanjahu unterstütze. Kein einziges Mal sprach er eine Wahlempfehlung aus. Axios berichtet gleichzeitig, dass Netanjahus derzeitige Koalition in aktuellen Umfragen lediglich auf etwa 49 bis 53 Mandate kommt. Für eine Mehrheit in der Knesset sind 61 Sitze erforderlich.

Dass am 27. Oktober gewählt wird, ist inzwischen auch von der israelischen Zentralen Wahlkommission bestätigt. Die Vorbereitungen für die Wahl zur 26. Knesset laufen bereits.

Noch vor wenigen Monaten sah die politische Beziehung zwischen Trump und Netanjahu deutlich enger aus. Während des Krieges gegen Iran drängte Trump sogar öffentlich auf eine Begnadigung Netanjahus und griff Präsident Isaac Herzog ungewöhnlich scharf an, weil dieser eine solche Entscheidung nicht getroffen hatte. Anfang März erklärte Trump noch, Netanjahu solle sich auf den Krieg konzentrieren können und nicht auf sein Strafverfahren.

Davon ist öffentlich inzwischen deutlich weniger zu hören.

Das bedeutet nicht, dass Trump mit Netanjahu gebrochen hätte. Nach den Berichten amerikanischer Regierungsvertreter mag Trump den israelischen Ministerpräsidenten persönlich weiterhin. Doch politische Sympathie und strategische Interessen fallen zunehmend auseinander. Zwei Personen, die zuletzt mit Trump über Netanjahu gesprochen haben sollen, berichten, der Präsident halte den israelischen Regierungschef inzwischen für jemanden, der sich politisch immer wieder selbst schade.

Diese Distanz entstand nicht plötzlich. Bereits in den vergangenen Monaten hatten sich die Meinungsverschiedenheiten zwischen Washington und Jerusalem deutlich ausgeweitet. Im Juni warnte Trump Netanjahu vor einer erneuten Eskalation gegen Iran und erklärte später öffentlich, Israel müsse bei seinen militärischen Reaktionen vorsichtig sein.

Im Juli folgte der nächste Konflikt. Trump verlangte von Netanjahu, israelische Kräfte in Syrien neu zu positionieren und auch im Libanon Schritte in Richtung eines Rückzugs einzuleiten. Amerikanische Regierungsvertreter machten deutlich, dass Washington die israelische Militärpräsenz dort zunehmend als Hindernis für Trumps regionale Pläne betrachtet.

Auch beim möglichen Verkauf amerikanischer F35 Kampfflugzeuge an die Türkei prallten die Interessen aufeinander. Netanjahu stellte sich gegen das Geschäft. Trump reagierte demonstrativ und erklärte, niemand werde ihm vorschreiben, ob er Flugzeuge an Ankara verkaufe. N12 berichtete Ende Juli, Netanjahus Einfluss auf Trump und dessen Regierung habe erkennbar abgenommen.

Besonders deutlich wird der Konflikt inzwischen beim Gazastreifen. Netanjahu hatte sich öffentlich gegen Teile des von Trump unterstützten Plans des sogenannten Board of Peace zur Entwaffnung der Hamas gestellt. Im Weißen Haus wurde diese Erklärung nach Angaben amerikanischer Regierungsvertreter allerdings zumindest teilweise als Wahlkampfrhetorik verstanden. Washington scheint bereit zu sein, Netanjahu innenpolitischen Spielraum zu lassen, solange Israel bei den militärischen Maßnahmen in Gaza den amerikanischen Forderungen folgt.

Nach Angaben von N12 sprach Netanjahu vergangene Woche mit Trumps Vertrautem Jared Kushner und sagte zu, dem amerikanischen Gaza Plan trotz eigener Zweifel eine Chance zu geben. Gleichzeitig soll er zugesichert haben, israelische Angriffe im Gazastreifen zu reduzieren, damit der geplante Entwaffnungsprozess beginnen könne. Seitdem habe Israel tatsächlich weniger Angriffe ausgeführt und sich wieder stärker an die im Abkommen vorgesehene sogenannte Gelbe Linie zurückgezogen.

Das ist politisch heikel für Netanjahu. Einerseits muss er seinen Wählern vermitteln, dass die Sicherheitspolitik Israels nicht in Washington bestimmt wird. Andererseits bleibt die Unterstützung der Vereinigten Staaten für Israel strategisch unverzichtbar. Trump wiederum möchte verhindern, dass der israelische Wahlkampf seine eigenen Pläne für Gaza, Iran, Syrien, Libanon und möglicherweise eine Normalisierung zwischen Israel und Saudi Arabien blockiert.

Genau darin liegt inzwischen der entscheidende Unterschied zwischen beiden Männern.

Trump denkt nicht darüber nach, wie Netanjahu die Wahl gewinnt.

Trump denkt darüber nach, wie er seine regionale Agenda durchsetzt.

Das heißt keineswegs, dass Netanjahu für Washington abgeschrieben wäre. Gerade Trump ist dafür bekannt, politische Entscheidungen kurzfristig zu verändern. Eine öffentliche Wahlempfehlung in den kommenden Wochen bleibt durchaus möglich. Axios betont ausdrücklich, dass Trump seine Haltung noch ändern kann.

Doch die Uhr läuft.

Bemerkenswert ist auch, dass Netanjahus politische Gegner die Entwicklung genau beobachten. Nach Angaben von Ravid äußerten Gadi Eisenkot, Naftali Bennett und Yair Lapid gegenüber ihren Beratern die Sorge, Trump könne sich am Ende doch öffentlich hinter Netanjahu stellen. Vertreter der israelischen Opposition sollen deshalb über gemeinsame Bekannte, Spender und politische Kontakte Nachrichten an das Umfeld des amerikanischen Präsidenten übermittelt und um Neutralität im israelischen Wahlkampf gebeten haben.

Auch dies zeigt, wie ungewöhnlich Trumps Stellung in der israelischen Politik geworden ist. Ein amerikanischer Präsident ist plötzlich selbst ein möglicher Faktor im israelischen Wahlkampf.

Netanjahu weiß das.

Bei seinem Treffen mit Trump im Oval Office vor rund zwei Wochen soll der amerikanische Präsident ihn direkt gefragt haben, wie er in den Umfragen liege. Netanjahu habe zunächst gezögert, bevor einer seiner Berater versicherte, der Ministerpräsident liege vorn. Die öffentlich bekannten Umfragen zeichnen derzeit ein anderes Bild.

Für Trump dürfte gerade das eine Rolle spielen. Ein ehemaliger hochrangiger amerikanischer Regierungsvertreter erklärte gegenüber Ravid, die schlechten Umfragewerte Netanjahus seien einer der Gründe, weshalb Trump bislang davor zurückschrecke, sich offen einzumischen.

Das wäre typisch für Trump. Er unterstützt gerne Gewinner.

Aber auch seine eigene Popularität in Israel ist nicht mehr unangetastet. Der amerikanische Präsident genoss dort über Jahre außergewöhnlich hohe Zustimmung. Inzwischen sorgen sein Abkommen mit Iran, sein Rückzug aus einer weiteren Eskalation sowie amerikanische Einschränkungen für israelische Militäroperationen in Iran, Gaza, Syrien und Libanon bei Teilen der israelischen Öffentlichkeit für Enttäuschung.

Der Wandel ist deshalb nicht einseitig.

Washington entfernt sich in einzelnen Fragen von Netanjahu. Gleichzeitig betrachtet ein Teil der israelischen Öffentlichkeit Trump nicht mehr als den nahezu bedingungslosen Verbündeten, als der er lange wahrgenommen wurde.

Trotzdem wäre es verfrüht, vom Ende der politischen Partnerschaft zu sprechen. Trump und Netanjahu haben in den vergangenen Jahren gemeinsam Entscheidungen von historischer Bedeutung getroffen. Unter Trump erkannten die Vereinigten Staaten Jerusalem als israelische Hauptstadt und Israels Souveränität über die Golanhöhen an. Die Abraham Abkommen veränderten Israels Beziehungen zur arabischen Welt grundlegend.

Doch persönliche Nähe garantiert keine dauerhafte politische Übereinstimmung.

Trump will Ergebnisse. Netanjahu will Israels Sicherheitsinteressen durchsetzen und zugleich am 27. Oktober eine weitere Wahl gewinnen. Solange beide Ziele zusammenpassen, funktioniert die Partnerschaft. Wo sie auseinanderlaufen, nimmt Washington inzwischen deutlich weniger Rücksicht auf Jerusalem als noch vor einigen Monaten.

Das vielleicht stärkste Signal ist deshalb gerade das, was Trump nicht sagt.

Er hat Netanjahu nicht fallen gelassen.

Er hat ihn aber auch nicht unterstützt.

Und 75 Tage vor der Wahl kann dieses Schweigen politisch lauter sein als manches Lob.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 14. August 2026

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