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48 Stunden bis zur Räumung: IDF untersucht eigenes Vorgehen in Kusra


Die Gewalt jüdischer Extremisten in Kusra beschäftigt nun auch die Armeeführung. Die IDF will klären, warum ein illegaler Außenposten erst nach 48 Stunden geräumt wurde, weshalb Soldaten einen Räumungsauftrag offenbar nicht ausführten und wie mit palästinensischen Familien umgegangen wurde.

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Die israelische Armee will ihr eigenes Vorgehen während der schweren Ausschreitungen im palästinensischen Dorf Kusra in Judäa und Samaria untersuchen. Die Ergebnisse sollen Generalstabschef Eyal Zamir vorgelegt werden.

Nach einem Bericht der Jerusalem Post unter Berufung auf N12 geht es dabei nicht nur um das Verhalten gewalttätiger jüdischer Extremisten. Untersucht werden ausdrücklich auch mögliche Fehler und Verzögerungen auf Seiten der IDF.

Eine der zentralen Fragen ist, warum es rund 48 Stunden dauerte, bis ein illegal errichteter Außenposten erstmals geräumt wurde.

Nachdem Extremisten anschließend zurückkehrten und den Außenposten erneut errichteten, verging nach dem Bericht ein weiterer Tag bis zur zweiten Räumung.

Besonders schwer wiegt ein weiterer Punkt: Soldaten sollen den Auftrag erhalten haben, den Außenposten zu räumen, diesen Auftrag aber nicht ausgeführt haben. Auch ihr Verhalten soll Bestandteil der militärischen Untersuchung werden.

Darüber hinaus will die IDF überprüfen, wie am Donnerstag mit palästinensischen Familien in Kusra verfahren wurde, denen angeordnet worden war, ihre Häuser beziehungsweise das betroffene Gebiet zu verlassen.

Damit wird aus den Vorfällen inzwischen auch eine Frage militärischer Verantwortung.

Gewalt gegen Palästinenser und Soldaten

Die aktuelle Eskalation begann am Dienstag. Nachdem Sicherheitskräfte am Mittwoch einen illegalen Außenposten geräumt hatten, kam es nach Angaben der Jerusalem Post zu Zusammenstößen zwischen Dutzenden jüdischen Extremisten und israelischen Soldaten.

Videoaufnahmen sollen zeigen, wie Extremisten Absperrungen demontierten, Straßen blockierten und sich in dem Gebiet bewegten.

Der Fall hatte bereits eine deutliche Reaktion aus Washington ausgelöst. US-Botschafter Mike Huckabee erklärte, die amerikanische Botschaft habe sich wegen der Bedrohung einer palästinensischen Familie direkt eingeschaltet. Huckabee bezeichnete die Verantwortlichen ungewöhnlich scharf als israelische Terroristen und betonte, dass IDF und Polizei auf amerikanisches Drängen hin tätig geworden seien.

Nun stellt sich zusätzlich die Frage, weshalb die israelischen Sicherheitskräfte offenbar so lange benötigten, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Die Kritik kommt dabei längst nicht nur aus dem Ausland.

Auch führende Vertreter der israelischen Gemeinden in Judäa und Samaria haben die Gewalt verurteilt.

Yisrael Ganz, Vorsitzender des Yesha Council und Leiter des Regionalrats Binyamin, erklärte, die Ereignisse in Kusra seien schwerwiegend und entsprächen nicht dem Weg der Siedlungsbewegung. Es gebe keine Rechtfertigung dafür, eigenmächtig einen Außenposten auf dem Grundstück eines Hauses zu errichten. Ebenso gebe es keinerlei Rechtfertigung für Gewalt gegen unbeteiligte Palästinenser oder gegen israelische Sicherheitskräfte.

Diese Unterscheidung ist wichtig.

Die Täter vertreten weder sämtliche jüdischen Bewohner Judäas und Samarias noch können ihre Handlungen mit dem legitimen Sicherheitskampf Israels gegen palästinensischen Terror gerechtfertigt werden.

Wer israelische Soldaten angreift, Straßen blockiert und palästinensische Zivilisten bedroht, schafft selbst ein zusätzliches Sicherheitsproblem.

Extremisten binden Kräfte, die anderswo gebraucht werden

Genau davor warnen Teile des israelischen Sicherheitsapparates bereits seit Wochen.

N12 berichtete Ende Juli, dass illegale Außenposten und nicht abgestimmte Aktionen israelischer Aktivisten zunehmend militärische Kräfte binden. Nach Angaben hochrangiger Sicherheitsvertreter mussten zusätzliche Bataillone nach Judäa und Samaria verlegt werden, obwohl diese ursprünglich für Erholung und Ausbildung nach Einsätzen in Gaza und im Libanon vorgesehen waren.

Ein Sicherheitsvertreter erklärte damals, Soldaten müssten teilweise für Aufgaben rund um illegale Außenposten eingesetzt werden, obwohl sie eigentlich zur Bekämpfung palästinensischer Terrorstrukturen in die Region gekommen seien.

Auch frühere Vorfälle zeigen, weshalb eine schnelle militärische Reaktion entscheidend ist. Nach Gewalt im Dorf Jit hatte eine IDF-Untersuchung bereits 2024 festgestellt, dass erste eintreffende Kräfte zu passiv reagiert und das Ausmaß des Angriffs zunächst unterschätzt hatten. Die Armee kündigte anschließend Konsequenzen und Lehren für ähnliche Situationen an.

Der aktuelle Fall Kusra wird deshalb auch daran gemessen werden müssen.

48 Stunden sind bei einem illegalen Außenposten in einer angespannten Umgebung eine lange Zeit. Sollte sich bestätigen, dass Soldaten einen ausdrücklichen Räumungsbefehl nicht ausführten, wäre dies ebenfalls keine nebensächliche Frage.

Die Untersuchung muss klären, ob Befehle unklar waren, ob Kräfte fehlten, ob Kommandeure falsch entschieden oder ob Soldaten bewusst nicht handelten.

Bis diese Untersuchung abgeschlossen ist, wäre es verfrüht, persönliche Schuld festzustellen.

Dass die IDF den Vorgang selbst überprüfen lässt und die Ergebnisse Generalstabschef Zamir vorgelegt werden sollen, zeigt jedoch, dass die Armeeführung die Ereignisse nicht als gewöhnlichen lokalen Zwischenfall behandelt.

Das ist richtig.

Israel verlangt von seiner Armee, palästinensischen Terror konsequent zu bekämpfen. Derselbe Staat muss aber auch verhindern, dass israelische Extremisten eigene Regeln schaffen und Soldaten dazu zwingen, zwischen Zivilisten, illegalen Außenposten und gewalttätigen Aktivisten zusätzliche Fronten zu eröffnen.

Die Ereignisse in Kusra schaden nicht nur den betroffenen Palästinensern.

Sie schaden den Soldaten, der Sicherheit in Judäa und Samaria und letztlich Israel selbst.

Jetzt muss die Untersuchung zeigen, warum die staatlichen Behörden so lange brauchten, um durchzugreifen.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 14. August 2026

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